In der Werner Innenstadt gibt es nach wie vor viele leerstehende Ladenlokale. © Felix Püschner
Wirtschaft

Leerstände in der Innenstadt: Diese Ladenlokale warten auf neue Mieter

Die Stadt Werne will gegen die Leerstände im Innenstadtbereich vorgehen. Aktuell handelt es sich um mehr als ein Dutzend Ladenlokale. Aber nicht alle scheinen attraktiv genug für eine Vermietung.

Das Sofortprogramm des Landes NRW zur Stärkung der Innenstädte erscheint – zumindest auf dem Papier – durchaus vielversprechend: Fördergelder in Höhe von 144.000 Euro sollen es der Stadt Werne ermöglichen, die Zahl der leer stehenden Ladenlokale weiter zu reduzieren. Dahinter steckt ein flexibles Mietmodell, das Interessenten die Option verschafft, die Räumlichkeiten für lediglich 20 Prozent der Altmiete zu pachten. Vorausgesetzt, der Eigentümer der Immobilie spielt dabei mit.

Doch genügt das wirklich, um die derzeit leer stehenden Ladenlokale in der Lippestadt mit neuem Leben zu füllen? Bei welchem Objekt stehen die Chancen auf Vermietung besonders gut – bei welchem eher schlecht? Was das betrifft, will man sich selbst in den Reihen der Werner Wirtschaftsförderung nicht genau festlegen, wie Philipp Cramer auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. „Das muss man ganz individuell bewerten. Es ist auch nicht so, dass wir alle Zustände der Gebäude im Detail kennen oder Gutachten vorliegen hätten“, sagt Cramer.

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Diese Ladenlokale stehen in Werne leer

Klar ist: Bei Immobilien, die lange nicht genutzt wurden, steht es um die Attraktivität meist nicht sonderlich gut. Alte Elektrik und Fußböden schrecken potentielle Neumieter bisweilen ab. Gleiches gilt für umfangreiche Umbauten, die für eine neue Nutzung erforderlich wären. „Gerade im Bereich der Gastronomie kommt so etwas häufiger vor“, so Cramer.

Hinzu kommen weitere Faktoren, die sich an dem Bedarf der Nutzer orientieren. Ein Gebäude, das von außen wunderschön, aber innen nicht barrierefrei ist, eignet sich nicht für jeden Geschäftszweig. Und wer für sein Geschäft eine besonders prominente Lage wie etwa am Marktplatz sucht, der muss eben auf Parkplätze direkt vor der Eingangstür verzichten.

Das Leerstandkarussell in Wernes Innenstadt dreht sich weiter

Dabei ist die Entwicklung im Bereich der Ladenleerstände in Werne in der jüngeren Vergangenheit gar nicht mal so schlecht. Zumindest wenn man auch hier wieder den Blick aufs Papier für eine Bewertung bevorzugt. Aktuell stehen „nur“ 16 Ladenlokale leer. Jedenfalls so ungefähr. Denn tatsächlich ist die Frage, ab wann genau man überhaupt von einem echten Leerstand spricht, durchaus Auslegungssache, wie Cramer betont.

Vereinfacht gesagt, zählt man auf Seiten der Wirtschaftsförderung solche Ladenlokale dazu, in denen es aktuell und in absehbarer Zeit keinen Mieter gibt. Damit würden beispielsweise Immobilien aus der Zählung herausfallen, die gerade saniert werden und bei denen ein neuer Mieter quasi schon in den Startlöchern steht.

Ladenlokale, die temporär anders genutzt werden – zum Beispiel als Ausstellungsräume – gehören hingegen durchaus in die Leerstandskategorie. Gleiches gilt für Geschäftsräume, bei denen das nahe Ende des Mietvertrages bereits feststeht, aber noch kein Nachmieter in Sicht ist. Und sogar das Lokal an der Ecke Kirchhof/Bonenstraße, in dem ganz frisch das Fitnessstudio Feel Fit einen Lockdown-Store eröffnet hat, steht nach wie vor offiziell leer. Denn einen langfristigen Miet- oder gar Kaufvertrag gibt es hier (noch) nicht.

Langzeit-Leerstände und schnelle Wechsel

Dass in ein Gebäude, das zuvor rund 10 Jahren lang leer stand, überhaupt ein neuer Geschäftsmann zieht, kommt an sich ja schon wie ein Erfolgserlebnis daher. Zumal Fluktuation kein Selbstläufer ist. Oftmals benötigt sie sogar recht lange Zeiträume. Ein Beispiel: Im August 2019 schloss das Taschengeschäft „Le Sac“ an der Bonenstraße. Erst knapp ein Jahr später eröffnete dort die Änderungsschneiderei Selime‘s Nähkästchen.

Deutlich kürzer stand hingegen das Lokal am Roggenmarkt leer, in dem sich fast 30 Jahre lang das Floristikgeschäft Jahncke befand. Letzteres schloss an Weihnachten 2019. Knapp zwei Monate später war schon der Schriftzug des ambulanten Betreuungsdiensts „Alltagshelden“ an den Schaufensterscheiben zu lesen.

Schaut man sich an, wer hier in der Werner Innenstadt auf wen gefolgt ist, dann fällt auf: Es sind vor allem neue Dienstleister hinzugekommen. Und die sind klassischerweise – das lässt auch Cramer durchblicken – nicht gerade die größten Frequenzbringer.

Dennoch spricht die Wirtschaftsförderung, wenn sie für das neue Mietmodell wirbt, auch Dienstleister an. Genauso wie Start-Ups, Gastronomen, bestehende Einzelhändler, Landwirte mit Direktverkauf, Kultur- und Kunstschaffende oder eben „alle, die immer schon ein Ladenlokal mit einer sinnvollen Nutzung eröffnen wollten“, wie es heißt. Im günstigsten Fall findet sie dann sogar jemanden für eines der weniger attraktiven Ladenlokale. Welche auch immer das sein mögen.

Diese Ladenlokale stehen offiziell leer

  • Am Kirchhof: Gleich drei Ladenlokale warten hier auf einen neuen Mieter. In ihnen befanden sich einst eine Gaststätte, eine Versicherung und eine Spielothek.
  • In der Bonenstraße: Hier gibt es ebenfalls drei Leerstände. Neben dem ehemaligen Intersport-Geschäft stehen die früheren Räume von Adam Print & Copy sowie 4UMedia leer.
  • In der Steinstraße: Zwei Lokale stehen leer – dort, wo sich einst die Tchibo-Filiale befand sowie zuletzt das Mediterraneo im alten Schlunz-Haus.
  • Am Markt: Auch bei der prominenten Lage am Markt gibt es Leerstände. Neben dem Haus am Markt 7 (ehemals Westfälischer Anzeiger) stehen die Räume an der Ecke Markt/Bonenstraße leer. Dort war zuvor unter anderem Royal Lion.
  • Am Neutor/Bült: Zwei leere Ladenlokale sind aktuell hier verzeichnet. Ganz neu: Der ehemalige Standort der Löwenburg. Außerdem die alten Räume von Handarbeiten Schäper.
  • Am Moormann-Platz: Hier wird das Ladenlokal als Leerstand aufgeführt, in dem sich früher Schuh Hemmerich befand.
  • Am Konrad-Adenauer-Platz: Die Räume, in denen einst Symallas Wine Club angesiedelt war, stehen derzeit leer.
Über den Autor
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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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