Lehrschwimmbecken in Stockum: „Rettungsmission“ geht in Corona-Krise unter

Schwimmen in Werne

Das Lehrschwimmbecken in Stockum sorgte im vergangenen Jahr für erhitzte Gemüter. Bis zuletzt gab es noch einen Funken Hoffnung auf eine Wiederaufnahme des Betriebs. Doch der Funke ist erloschen.

Werne

, 08.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Lehrschwimmbecken in Stockum ist geschlossen - und wird wohl nie wieder eröffnen.

Das Lehrschwimmbecken in Stockum ist geschlossen - und wird wohl nie wieder eröffnen. © Montage Felix Püschner

Vieles ist in der Corona-Krise zuletzt ins Wasser gefallen: Konzerte, Kinobesuche und Stadtfeste zum Beispiel. Doch die Pandemie sorgt nicht nur für Einschränkungen und die viel zitierte „Entschleunigung“ des Alltags. Sie beeinflusst nach wie vor auch die Planung und Umsetzung von Projekten. Manches verzögert sich, anderes wird verworfen oder verschwindet förmlich vom Radar. So wie das Lehrschwimmbecken (LSB) in Stockum.

Das bewegte im vergangenen Jahr noch spürbar die Gemüter. Bürger protestierten gegen die Schließung. Die Politik diskutierte eifrig und kam letztlich zu dem Schluss, dass ein Weiterbetrieb nicht sinnvoll sei - zumal man ja inzwischen das neue Solebad zur Verfügung hatte. Einzige Option: Es findet sich ein externer Betreiber für das LSB.

Der hätte dann allerdings auch tief in die Tasche greifen müssen. Denn der Sanierungsbedarf des Lehrschwimmbeckens belief sich laut Schätzung der Stadt auf mehr als eine Million Euro - trotz der Aussicht auf Fördermittel ein ordentlicher Batzen.

Offizielle Frist ist inzwischen abgelaufen

Auf Seiten der Stadt ging man diesbezüglich in der Folge eher verhalten vor. Ganz im Gegensatz zu den Bürgern. Die hatten zuvor bereits die „Interessengemeinschaft (IG) Lehrschwimmbecken Stockum“ gegründet und machten sich auf die Suche nach potenziellen Nutzergruppen und Finanzierungsmöglichkeiten. Zudem sollte nach Möglichkeit ein Trägerverein gegründet werden, um das LSB offiziell übernehmen zu können.

Die von der Stadt eingeräumte Frist für eine Entscheidung ist inzwischen abgelaufen. Und die Rettungsmission scheint gescheitert, wie IG-Sprecherin Kerstin Schwarze-Benning jetzt auf Anfrage unserer Redaktion erklärte.

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Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hatte Schwarze-Benning im März ein Treffen mit zwölf Vereinen organisiert. Alles potenzielle Nutzer. Doch wirklich von dem Projekt überzeugen ließ sich keiner von ihnen. Zu groß war vor allem die Sorge vor unerwarteten Kostenexplosionen.

„Im Wesentlichen war das natürlich eine Kostenfrage. Aber es ging auch darum, wer sich dann um das Becken kümmert und es pflegt. Das alles schafft man mit zehn Leuten aus einer Interessengemeinschaft nicht. Wir hätten einen großen Verein gebraucht, der das alles stemmt“, so Schwarze-Benning.

Die Vereine, die zur Versammlung im März gekommen waren, seien der Meinung gewesen, dass ein Weiterbetrieb deutlich teurer ausfallen würde, als von der Stadt angenommen. Und um wirklich alle Fördertöpfe ausschöpfen zu können, hätte man laut der IG-Sprecherin ohnehin noch weitere Akteure mit ins Boot holen müssen - etwa die Stadt beziehungsweise den Stadtsportverband.

Corona-Krise macht Projekt Strich durch die Rechnung

Zu guter Letzt habe natürlich auch die Corona-Krise dem ambitionierten Projekt einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nicht nur, weil das Thema dadurch in den Hintergrund gerückt sei. „Die wirtschaftliche Situation ist so schwierig - da hätten wir wohl auch kaum große Spenden sammeln können“, so Schwarze-Benning.

Ein wesentlicher Grund für die angestrebte Neueröffnung des Lehrschwimmbeckens war der Umstand, dass viele der dort angebotenen Kurse nach der Schließung ins Solebad verlegt wurden. In einer Online-Umfrage unserer Redaktion mit mehr als 400 Teilnehmern hatten im Oktober 2019 rund 90 Prozent angegeben, dass dies nicht funktioniere.

„Ich weiß von den Kanuten, dass sie dort inzwischen angekommen sind. Es gibt aber nach wie vor sicherlich noch Unmut, etwa wenn es um die Nutzungszeiten und die Taktung geht“, sagt Schwarze-Benning: „Ich denke aber auch, viele haben sich inzwischen mit der Situation dort arrangiert - oder sie nutzen eben andere Bäder. Es gibt ja immerhin Alternativen wie das Maximare in Hamm.“

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