Anika Köchling (44) kämpft ums Lehrschwimmbecken - und viele Stockumer kämpfen mit

mlzLehrschwimmbecken Stockum

Das Lehrschwimmbecken Stockum soll mit Beginn der Sommerferien schließen. Das darf nicht sein, sagt Anika Köchling. Die 44-Jährige hat eine besondere Beziehung zum Bad. Viele andere auch.

Stockum

, 11.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit „ungefähr neun Jahren“ ist Anika Köchling als Übungsleiterin für den SV Stockum tätig. Sie leitet die Turn- und Schwimm-Gruppe, gibt Seepferdchen-Kurse. Alles bisher im Lehrschwimmbecken (LSB). Das soll bald Geschichte sein. Anika Köchling sagt: „Das darf nicht sein.“

Anika Köchling (44) kämpft ums Lehrschwimmbecken - und viele Stockumer kämpfen mit

Spaß mit den Kindern haben Übungsleiterin Anika Köchling (r., 44) und Marianne Kreienbaum-Kämpfe. Die 62-Jährige hat vor 53 hier in Stockum das Schwimmen gelernt, erzählt sie. © Jörg Heckenkamp

Das Solebad biete zwar Ersatzzeiten an. Aber das könne die Zeiten im LSB Stockum nicht kompensieren. Manches würde auch ganz wegfallen. „Das Turnen und Schwimmen wäre dann nach jahrzehntelanger Tradition so nicht mehr durchführbar“, sagt die Stockumerin. „Viele weitere Kurse werden ersatzlos gestrichen.“

„Schließung des Lehrschwimmbeckens ist ein Fehler“

Eine andere Stockumerin stimmt ihr zu. Marianne Kreienbaum-Kämpfe (62) hat nach eigenen Aussagen „vor 53 Jahren hier das Schwimmen gelernt“. Für sie ist es ein Unding, das bewährte Bad zu schließen. „Ich finde, die Stadt macht mit der Schließung einen Fehler.“

Beide verweisen auf Presseberichte, nach denen die Zahl Ertrunkener steige. „Die Schwimmausbildung ist wichtig und gerade hier ortsnah in Stockum zu organisieren“, sagt Köchling. Rund 20 Kinder besuchten den Turn- und Schwimm-Kurs. Viermal im Jahr gibt‘s das Seepferdchen-Angebot mit „jeweils 10 bis 15 Kindern“, sagt die Übungsleiterin.

Ihr Verein, der SV Stockum, habe im neuen Solebad kein Seepferdchen-Angebot mehr, „das macht das Solebad selbst“, so die Stockumerin.

Während Anika Köchling am Mittwochnachmittag zum wahrscheinlich allerletzten Male mit den Jungen und Mädchen die Turn- und Schwimm-Stunde im Lehrschwimmbecken absolviert, hat sich draußen eine große Menschenmenge versammelt.

Anika Köchling (44) kämpft ums Lehrschwimmbecken - und viele Stockumer kämpfen mit

Iris Holle (r., 43) ist "einfach wütend" über die geplante Schließung und hat für Mittwoch rund 70 Stockumer zum Protest zusammengetrommelt. © Jörg Heckenkamp

Iris Holle hat sie zusammengetrommelt. Die 43-Jährige ist „einfach wütend“ über das bevorstehende Aus. „Kinder leiden darunter, Familien leiden darunter, auch Behinderte und Rehasportler sind betroffen“, sagt sie.

Auch sie selbst sei betroffen. „Ich mache im Lehrschwimmbecken Aquafitness. Das war bisher um 20.15 Uhr. Im Solebad soll der Kurs erst um 21 Uhr beginnen. Das ist mir viel zu spät.“ Hinzu komme die Fahrerei. Also machte sie ihrem Unmut Luft. In der Familie, in der Nachbarschaft.

Anika Köchling (44) kämpft ums Lehrschwimmbecken - und viele Stockumer kämpfen mit

Mehr als 70 große und kleine Stockumer versammelten sich am Mittwochnachmittag zum Protest gegen die Schließung des Lehrschwimmbeckens Stockum. © Jörg Heckenkamp

Schnell verbreitete sich der Protesttermin, Mittwochnachmittag, 10. Juli 2019, 15.30 Uhr, über WhatsApp und per Mundpropaganda. Und so stehen an diesem milden Sommernachmittag rund 70 große und kleine Stockumer vor dem Lehrschwimmbecken, malen Schilder und protestieren.

Drinnen schwimmt Anika Köchling zur selben Zeit mit den Kindern im Becken. Vielleicht zum letzten Mal.

Jetzt lesen

Eine andere Lage Kommentar von Jörg Heckenkamp, Redaktionsleiter RN Werne
  • Ich gebe zu: Als vor gut einem halben Jahr der Rat mit einer knappen Mehrheit die Schließung des Lehrschwimmbeckens beschlossen hat, konnte ich mit dem Votum gut leben. Ein neues Solebad, das uns schon genug Geld gekostet hat, kann (fast) alles auffangen, was bislang in dem alten Stockumer Bad stattfand. Das war das Argument.
  • Aber eben nur fast. Das Schwimmen muslimischer Frauen etwa entfällt ersatzlos. Und oft steckt der Teufel im Detail. Die Verlegung eines Kurses von Dienstag in Stockum auf Mittwoch in Werne ist doch kein großes Ding, oder? Doch, das kann ein großes Problem sein, wenn die ehrenamtliche Übungsleiterin am Mittwoch schon anderweitig gebunden ist.
  • Oder auch die Angebote des Reha- und Behindertensportes. Kritik an Zeiten, den Wassertemperaturen und der Umkleidesituation im Solebad kommt auf.
  • Klar, dass der ein oder andere Verein gewisse Abstriche bei so einer fundamentalen Änderung machen muss, versteht sich von selbst. Doch die Kritik, die ich in den vergangenen Wochen von vielen Seiten gehört habe, geht weit über erwartetes Meckern hinaus.
  • Ein neues Nachdenken über die Zukunft des Stockumer Lehrschwimmbeckens ist gefragt.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Münsterland Zeitung Revierderby zwischen Schalke und Dortmund
Mertens (BVB) gegen Menke (S04): Hitziges Duell auf dem Rasen und im Werner Ordnungsamt