Wie ernst ist die Lage in der Liegen-Debatte wirklich? Reservieren Besucher tatsächlich im großen Stil Liegen, ohne sie zu nutzen? Unsere Reporterin hat einen verdeckten Selbstversuch gemacht.

von Leandra Stampoulis

Werne

, 21.08.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist Sonntag, 14 Uhr. Im Solebad ist es proppevoll. Viele Eltern mit ihren Kindern freuen sich auf einen schönen Tag im Wasser. Auch ich bin unter all den Leuten und möchte einmal abtauchen, aber vor allem eine Runde entspannen und in mein Buch gucken.

Schon in der Umkleide wird mir klar, dass es an diesem Tag sehr voll und laut wird. Das ist an einem Sonntag natürlich kein Wunder. Die meisten haben frei und Zeit für die Familie. Dennoch starte ich in meinen Badetag voller Zuversicht.

Regelung variiert je nach Badbereich

Ich entschließe mich, zunächst eine Runde im Sportbecken zu schwimmen. Aber zuerst muss ich Handtuch und Tasche loswerden.

Liegen besetzt, aber nicht benutzt - Darum finden viele keinen Platz im Solebad

Wir haben an einem verregneten Sonntag den Test im Solebad gemacht. Tatsächlich waren zahlreiche Liegen über längere Zeiträume reserviert, ohne dass sie genutzt wurden. © Leandra Stampoulis

Das Thema Handtücher und Liegenreservierung hat Werne in letzter Zeit stark beschäftigt. Nach einem Leserbrief an unsere Redaktion, in dem sich eine Frau kritisch über zu viele Handtuchreservierungen geäußert hat, gab es auch schon Statements des Solebads dazu: Im Familienbereich sei das Reservieren der Liegen geduldet, das Gleiche gelte für den Außenbereich.

Herrenlose Liegen im Familienbereich

So stehe ich nun mit meiner kleinen Tasche und einem Handtuch in der Hand vor dem Familienbereich, an den sich direkt das Sportbecken anschließt. Von den 24 Liegen, die ich zähle, sind 13 mit Handtüchern bedeckt, aber ein Benutzer fehlt weit und breit. Auf 11 Liegen entspannen sich Badegäste.

Mir kommt ein Gedanke: Warum will ich mein Handtuch auf eine Liege legen? Ich kann es auch genauso gut in eines der Holzregale legen und erst, wenn ich es für eine Liege brauche, auch benutzen.

Liegen besetzt, aber nicht benutzt - Darum finden viele keinen Platz im Solebad

Viele Handtücher, keine Nutzer. © Leandra Stampoulis

Wir haben eine Onlineumfrage zu dem Thema gestartet, bei der gut 100 Leute abgestimmt haben: 49 Prozent sind der Meinung, dass es auf die Dauer der Abwesenheit ankäme. Kurz ins Becken zu gehen, um sich dann wieder auf seine Liege zu legen, sei in Ordnung. Wenn man essen gehen würde, sollte man die Liege aber frei geben.

27 Prozent sagen hingegen, dass sie ihre Liege immer frei geben würden. 23 Prozent finden es üblich eine Liege zu reservieren – und wer keine erwischt, hat Pech gehabt.

Im Solebereich trotz Verbot reserviert

Ich zähle eher zu den 27 Prozent, die keinen Anspruch auf eine eigene Liege anmelden. Wir haben alle Eintritt bezahlt, um gemeinsam zu baden, da kann man sich auch die verfügbaren Liegen teilen.

Da das Reservieren im Familienbereich gestattet und es an diesem Sonntagnachmittag sehr laut und voll hier ist, beschließe ich, mit meinem Buch lieber in den Solebereich zu gehen.

Zuerst versuche ich es im Wintergarten. Am Eingang steht ein großes Schild, das das Reservieren von Liegen verbietet. Ich bleibe verwundert stehen: Von zehn Liegen sind fünf wieder mit Handtüchern belegt. Der Rest ist tatsächlich mit Menschen besetzt.

Sollten hier die Handtücher nicht eingesammelt werden? Ich denke mir, dass die Bademeister nicht ständig nach den Handtüchern gucken können und entscheide, es später noch einmal zu versuchen. Aber auch zu einem späteren Zeitpunkt gelingt es mir nicht, eine Liege dort zu ergattern.

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Entspanntes Verhalten im Ruheraum

Draußen ist es ziemlich frisch und es regnet ab und zu – nichts für mich als Frostbeule. Also ab in die Ruheräume, in denen das Reservieren ebenfalls nicht erlaubt ist.

Im Kaminzimmer finde ich endlich einen Platz und ich beobachte, wie alle Menschen, die den Raum verlassen, ihre Sachen direkt wieder mitnehmen. Sehr entspannt. So bleibt genügend Platz für alle. Auch im Ruheraum eine Tür weiter: keine Reservierung.

Dreiste Besucher im Außenbereich

Draußen beobachte ich jedoch eine andere Szene. Von 24 überdachten Liegen (bei dem wechselhaften Wetter heute keine schlechte Idee, sich wenigstens eine Liege unter dem Vordach zu suchen), sind wieder einmal 12 herrenlos, aber mit Tüchern, Taschen oder einfach einer Schwimmnudel belegt. Wenn 49 Prozent der Menschen in unserer Umfrage nur kurz baden sind, um sich dann wieder auf „ihre“ Liege zu legen, müssten die Liegenbesitzer nach kurzer Zeit wieder zurückkommen. Fehlanzeige!

Liegen besetzt, aber nicht benutzt - Darum finden viele keinen Platz im Solebad

Die Liegensituation ist in den verschiedenen Badbereichen unterschiedlich geregelt. © Till Goerke

In der ganzen Zeit meines zweieinhalbstündigen Besuchs kam zu den meisten reservierten Liegen keiner zurück. Ich habe sogar eine Familie beobachtet, die drei Liegen reservierte, zurückkam und sich nach zwei Stunden nicht hinlegte, sondern einfach die Sachen nahm und ging.

Ich sehe hinter den Liegen im Außenbereich wieder ein Regal, das fast leer ist. Warum nicht einfach dort die Sachen einlagern? Eventuell, weil die Menschen im Kopf haben, dass sie hier reservieren dürfen?

Alles in trockenen Tüchern?

Bei schlechtem Wetter hat man an der Stelle aber Pech gehabt, denn die Anzahl von überdachten Liegen ist begrenzt.

Im Innenbereich ist das anders. Die Regale sind brechend voll. Einen Haken für sein Handtuch zu finden, ist schwierig. Wenn es mehr Möglichkeiten gäbe, sein Handtuch dort aufzuhängen und die Taschen in Regalen zu lagern, dann würden vielleicht weniger auf die Liegen zurückgreifen. Und dann wäre vielleicht auch in diesem Punkt ein ungetrübter Solebadbesuch in trockenen Tüchern.

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