Jetzt aber schnell: Stürmt die Restaurants und steigt in den Flieger!

mlzMeinung

Der Teil-Lockdown steht bevor. Und statt dem Gebot der Stunde zu folgen - Abstand halten und Verzicht - lässt manch einer (mal wieder) seine egoistische Seite raushängen. Ein Kommentar.

Werne

, 30.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist zum Verzweifeln. Der ganze Mist geht wieder von vorne los. Ein vierwöchiger Teil-Lockdown steht bevor. Und was tun die Menschen? Mal abgesehen vom aufgewärmten Klopapier-Hype versuchen viele, ihren Freizeitkalender bis einschließlich Sonntag noch so proppenvoll wie möglich zu gestalten. Zumindest habe ich diesen Eindruck seit Bekanntgabe der neuen Maßnahmen bekommen.

Die Planungswut ist ausgebrochen. Schnell noch möglichst oft ins Restaurant, Tagesausflüge in andere Städte unternehmen - oder gar Reisen ins Ausland. Ein Museumsbesuch darf natürlich auch nicht fehlen - selbst dann nicht, wenn man sich seit Jahren einen feuchten Dreck um Geschichte und Kunst geschert hat. Ach ja: Und der Hallenbad- und Sauna-Besuch ist am Wochenende ebenfalls unumgänglich. Pumpen im Fitnessstudio? Klar, unbedingt. Am besten bis Sonntagabend um 23.59 Uhr.

Warum dieser Schwachsinn? Eine Spurensuche

Das ist purer Wahnsinn! Ich gönne jedem Gastronom, jeder Massagepraxis und jedem Betreiber von Freizeiteinrichtungen jeden Cent, den sie bis zum Teil-Lockdown noch einnehmen können. Und auch jeden Cent danach. Jeden Euro, den sie vom Staat hoffentlich zügig erstattet bekommen, weil die Einnahmen voraussichtlich für vier Wochen wegfallen.

Aber mal ehrlich: Wer bitteschön glaubt denn ernsthaft, dass er seiner Stammkneipe einen Gefallen damit tut, wenn er am Wochenende noch einmal 8,50 Euro für einen Cocktail dort lässt? Eine Illusion. Der Gast als Helfer in der Not, der aus ehrenhaftem Motiv handelt? Blödsinn.

Der Verstand bleibt - mal wieder - auf der Strecke

Also auf zu Erklärungsversuch Nummer zwei: Der Tatendrang von Kunden und Co. folgt dem Ziel, dass sich jetzt alle noch schnell auf den letzten Drücker infizieren - in der Hoffnung, dass man in den kommenden Wochen dann niemanden mehr ansteckt. Und Ende November sind dann plötzlich alle gesund und die Welt ist wieder rosarot. Kann man so machen - aber man braucht kein Virologe zu sein, um an dieser Logik zu zweifeln.

Was übrig bleibt ist eigentlich nur Erklärungsansatz Nummer drei: Es greifen - mal wieder - Egoismus und Panik um sich. Jetzt noch schnell möglichst viel amüsieren! Anschließend vier Wochen Verzicht - das ist doch wohl schon katastrophal genug, oder etwa nicht? So ein Quatsch! In Wahrheit ist es so: Bei allem Verständnis dafür, dass man in Krisen-Zeiten jede Möglichkeit nutzen möchte, um sich irgendwie abzulenken und etwas Positives zu erleben (mal abgesehen von einem Covid-Test), ist so ein Verhalten einfach nur verantwortungslos.

Der gesunde Menschenverstand bleibt - mal wieder - auf der Strecke. Und warum? Vielleicht einfach deswegen, weil der ganze Mist nun wieder von vorne losgeht. Mit allem, was schon im März dazu gehörte.

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