Löwenburg-Leiterin: "Bei uns sind Kinder halt Kinder"

Christina Schmidt im Interview

Das jüngste Kind, das in der Löwenburg betreut wird, ist so alt wie die Einrichtung selbst: ein halbes Jahr. Am 13. Juni startete die Kinderbetreuung für Flüchtlingsfamilien in der Werner Innenstadt. Leiterin Christina Schmidt zieht Bilanz und hat mit Vanessa Trinkwald unter anderem über finanzielle Engpässe und schlechte Erfahrungen gesprochen.

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, 13.12.2016, 04:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Um das einmal vorwegzunehmen: Wie ist Ihr Fazit nach einem halben Jahr Löwenburg?

Es läuft gut, besser als wir gedacht haben. Wir müssen einige Dinge vielleicht ein bisschen überarbeiten. Wenn ein Projekt ganz neu startet, geht man immer von ein paar Grundbausteinen aus, und manchmal fällt dann während der Arbeit auf, dass der Rahmen nicht mehr passt.

 

Ein Beispiel?

Die Öffnungszeiten. Als wir das Projekt ins Leben gerufen haben, sind wir erst mal bei 9 Uhr geblieben. Wir haben dann aber festgestellt, dass hier morgens um zehn nach acht das erste Mal die Tür aufgeht, wenn Eltern ihr anderes Kind vielleicht vorher zur Schule gebracht haben. Ich bin meistens um 8 Uhr da und schicke auch niemanden wieder nach Hause, langfristig müssen wir die Öffnungszeiten aber sicher erweitern. Dann gibt es die Sprachkurse dienstags und donnerstags, mittwochs ist Tafel. Wer sich in die Schlange stellt, gibt natürlich nicht auf und holt sein Kind erst um halb eins ab statt um 12 Uhr. Das haben wir anfangs nicht bedacht.

Mit welchem Ziel ist die Löwenburg im Juni an den Start gegangen?

Das Ziel war, Kindern und Eltern einen Raum zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen, wo man Fragen austauschen kann und auch Hilfe bekommt. Das pädagogische Ziel unserer Einrichtung ist aber, die Flüchtlingskinder auf den normalen Kita-Alltag vorzubereiten.

 

Wie viele Kinder besuchen die Löwenburg denn im Moment?

Wir sind mit 20 Flüchtlingskindern im Vormittagsbereich gestartet, mittlerweile sind es mehr. Wir hatten schon 36 an einem Vormittag.  

Gibt es eine Grenze, wo Sie sagen müssten: Mehr geht nicht?

Die Grenze ist dann erreicht, wenn das Personal nicht mehr ausreicht. Momentan kann ich das noch verantworten, weil hier pädagogische Fachkräfte arbeiten, die wirklich tolle Arbeit leisten und auf die man sich verlassen kann. Trotzdem wird es ab einem bestimmten Punkt natürlich kritisch.

 

Auch finanziell?

Auch das. Es ist so, dass wir vom LWL quasi pro Kind eine Vergütung bekommen. Anfangs hatten wir 25 Kinder angegeben, liegen an manchen Tagen aber bei 35. Wir haben 400 Quadratmeter, der Raum ist sicher groß genug, aber aus finanzieller Sicht ist die Kapazität erreicht.

Ist die Finanzierung für 2017 schon gesichert?

Ein entsprechender Antrag über knapp 150.000 Euro ist gestellt. Das Landesjugendamt hat uns mitgeteilt, dass Maßnahmen, die 2015 oder 2016 begonnen haben, auch in diesem Jahr fortgesetzt und finanziert werden. Sobald der Landeshaushalt freigegeben ist, erfolgt wohl die Bewilligung.

 

Es gibt sogenannte Betreuungspakete für die Kinder.

Genau. Wir haben im Moment fünf Pakete für 25 Kinder, könnten zwei zusätzliche aber bestimmt noch gebrauchen. Wir sind aber auch sparsam und achten darauf, nachhaltig zu basteln. Manchmal braucht es gar nicht so viel Material. Und es gibt Menschen, die zwischendurch reinkommen und Spielsachen vorbeibringen. Dafür sind wir sehr dankbar.

 

Im Vormittagsbereich werden die Flüchtlingskinder betreut, im Nachmittagsbereich ist die Tür für alle Kinder offen. Wie viele sind es da?

Wir liegen im Schnitt bei 15 Kindern, wobei man sagen muss, dass wir anfangs eher schlecht gestartet sind. Nach unserer Ferienaktion im Herbst wurden es plötzlich mehr. Da ist vielen Eltern vielleicht zum ersten Mal bewusst geworden, dass wir auch richtig was anbieten – Kochen, Backen, Schnitzen und mehr.

 

Gab es anfangs vielleicht auch eine Hemmschwelle?

Ich glaube, dass es die immer noch gibt. Aber die Leute, die bis jetzt hier waren, haben gesehen, dass hier Kinder spielen, die genau so sind wie ihre. Es gibt ganz viele Mütter, die sich nachmittags hier verabreden und zusammen einen Kaffee trinken, während ihre Kinder spielen. Viele nehmen das positiv auf und tragen das Positive auch weiter.

 

Haben Sie auch schlechte Erfahrungen gemacht?

Natürlich bekommt man schon mal mit, wenn hier Leute vorbeigehen und bestimmte Sätzen fallen. Ich denke einfach, dass diese Menschen verunsichert sind. Dabei gibt es keine Unterschiede und wir machen auch keine Unterschiede. Bei uns sind Kinder halt Kinder und Eltern sind Eltern – alle mit denselben Sorgen und Ängsten. Ich würde mir wünschen, dass irgendwann einmal jeder so denkt.

Mehr Infos zur Löwenburg
Die Löwenburg bietet von montags bis freitags, 9 bis 12 Uhr, eine Kinderbetreuung für Flüchtlingsfamilien an. Das Angebot richtet sich an Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren, die noch keinen Kindergarten besuchen.
Eine Betreuung für alle Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren findet montags bis freitags zwischen 15 und 17 Uhr statt. Während dieser Zeit ist auch das Elterncafé geöffnet.
Kontakt: Löwenburg, Am Neutor 5, Tel. (02389) 9230550. Weitere Infos unter

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