Ludwig Frankmar brilliert mit Barockkonzert in Christophorus-Kirche

mlzBarockkonzert in Werne

Barocke Musik auf einem originalen barocken Violoncello als reines Soloinstrument ist selten live zu hören. Der gebürtige Schwede Ludwig Frankmar brillierte damit in der St.-Christophorus-Kirche in Werne.

Werne

, 20.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der schwedische Musiker Ludwig Frankmar war am Sonntag (18. Oktober) auf Einladung der Stiftung „Musica-sacra-westfalica“ zu Gast in Werne und gab auf einem originalen barocken Violoncello barocke Musik in der St.-Christophorus-Kirche zum Besten.

Frankmar stellte damit nicht nur eines der wenigen erhaltenen Celli aus der Werkstatt von Louis Guersan vor, sondern interpretierte auch Musik, die selten gespielt wird. „Guersan baute dieses Instrument in Paris 1756. Es hat, anders als normale Celli, fünf Saiten. Daher hat es einen gambenartigen Klang, der ungeeignet ist für Gesangsbegleitung“, erklärte Frankmar nach dem Konzert und nach dem gerade verklungenen begeisterten Beifall der rund 50 Zuhörer.

Außergewöhnliche Modulationen, die Antonii reingeschrieben hat

Und genau dieser eigenartige Klang machte auch den Reiz des Zuhörens aus. 1542/43 schrieb Silvestro Ganassi in Venedig die „Regola Rubertina“, aus der Frankmar drei Werke, die Ganassi „Ricertata“ nannte, interpretierte.

1678 komponierte Giovanni Battista Degli Antonii in Bologna ebenfalls Stücke, die er Ricertata nannte. Er ist einer der ersten Komponisten, die ihre Musik speziell für ein Violoncello geschrieben haben. Es sind außergewöhnliche Modulationen, die Antonii reingeschrieben hat. „Und außergewöhnlich modern für die Zeit“, bestätigte Frankmar nach dem Konzert. Das sahen Antoniis Zeitgenossen anders, denn nach dem Druck 1687 galt seine Komposition bereits als veraltet.

Immer wieder überraschte Frankmar durch seine erfrischende Art der Interpretation. Die Fingerfertigkeit des Musikers, seine Schnelligkeit und seine Spritzigkeit beeindruckten nicht nur bei diesen Werken.

Nur 12 Fantasien komponierte er speziell für die Gambe

„Die drei Fantasien von Georg Philipp Telemann wurden erst 2015 wiederentdeckt. Ich freue mich, dass ich diese Werke für sie heute spielen darf“, schickte Frankmar vor seiner Interpretation der Telemann-Musik voraus. 1735 schrieb Telemann 72 Fantasien für Soloinstrumente. Nur 12 Fantasien komponierte er speziell für die Gambe. Bereits die erste Fantasie sog das Publikum in einen Strudel wirbelnder Klänge hinein. Wenn der Besucher die Augen dabei schloss, hatte man das Gefühl, mitten in einem kompletten Streichorchester zu sitzen. Beeindruckend pointiert setzte Frankmar die unterschiedlichen Modulationen um. Ein zartes kurzes Pizzicato mittendrin erweiterte das Hörvergnügen.

Rauschender Beifall belohnte Frankmar auch dafür. Mit zwei weiteren Fantasien von Telemann aus diesem Werk bedankte sich Frankmar am Ende bei den Besuchern.

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