Von dem Unwetter in der Körnerstraße in Werne wurden einige Anwohner überrascht. Andere wiederum, wie Annette Homann-Barlach, hatten vorgesorgt. Aber dennoch gab es einige Schäden zu beklagen. © Andrea Wellerdiek
Mit Video: Unwetter in Werne

Madonna ohne Kopf: Am Tag nach dem Unwetter wird der Schaden für Werner deutlich

Überrascht waren die beiden Nachbarn in der Körnerstraße in Werne nicht von dem Unwetter, dennoch liefen ihre Keller mit Wasser voll. Einen Tag später sehen sie, dass sie doch nicht alles gerettet hatten.

Nein, es ist nicht das erste Mal, dass die Keller in den beiden Häusern an der Körnerstraße in Werne mit Wasser voll liefen. Irgendwie haben die beiden Nachbarn Christopher Conrad und Annette Homann-Barlach schon fast damit gerechnet, dass es wieder sehr nass werden könnte bei den angekündigten Regenmassen, die am Mittwochabend Werne erreichten. Doch dass es so schlimm würde, hätten sie nicht gedacht.

„Das konnte man in dem Ausmaß nicht vorhersehen. So schlimm war es noch nie. Es ist zum ersten Mal über die Terrasse und die Einfahrt wie ein Wasserfall runtergekommen“, erzählt Annette Homann-Barlach. Einen Tag nach dem schweren Regenmassen ist ihr Keller, der „wadenhoch“ unter Wasser stand, immer noch nicht wieder trocken. Während an diesem Donnerstagmorgen sogar wieder erste Sonnenstrahlen zu sehen sind, steckt sie noch in den Aufräumarbeiten.

Vorsorge in Körnerstraße in Werne getroffen

Nachdem ihr Schwiegervater bereits vor Jahren das Haus nach schwerem Unwetter und einem mit Wasser voll gelaufenen Keller saniert hat, hat man hier vorgesorgt. So wurde etwa eine Zisterne, die Nutzwasser auffangen kann, installiert. Doch gegen diese Regenmassen, die die Kanäle in der Körnerstraße generell nicht mehr auffangen konnten, kommt dieses Mal keine Technik und keine Menschenhand mehr an.

Nachdem der Regen gegen 16 Uhr am Mittwoch stark einsetzte, rief ihre Frau Annette Homann-Barlach an. Sie probte gerade mit ihrer Band in Bergkamen. Als Annette Homann-Barlach nach Hause kam, wollte das Paar gleich mit dem Abpumpen des Wassers beginnen. Doch keine Chance. „Man hat sofort gemerkt, dass man nicht dagegen ankommt. Es hörte nicht auf“, berichtet die 51-Jährige.

Nachdem sich der Regen langsam legte, fing das Paar gegen 20 Uhr an, den Keller von Wasser zu befreien. Dabei half unter anderem eine zweite Tauchpumpe, die sich das Paar erst vor drei Tagen für den Gartenteich gekauft hatte. „Mit den Pumpen hatten wir eigentlich schnell Erfolg“, sagt Annette Homann-Barlach. Erst dann wird klar, welcher Schaden angerichtet wurde.

Nicht nur der Garten von Annette Homann-Barlach stand unter Wasser.
Nicht nur der Garten von Annette Homann-Barlach stand unter Wasser. © Annette Homann-Barlach © Annette Homann-Barlach

Weil hier bereits immer mal wieder der Keller voller Wasser stand, habe man bei einer Sanierung des Hauses vor einigen Jahren darauf geachtet, dass die Waschmaschine und der Trockner auf 50 Zentimeter hohen Sockeln stehen oder die Elektronik in höhere Sphären gelegt wird. Vorsorglich hatte das Paar auch alle hochwertigen Dinge aus dem Keller genommen oder in Regalen im Keller hoch gestellt. Doch einige Kartons standen doch noch auf dem Boden und wurden völlig durchnässt.

Schallplattensammlung komplett durchnässt

„Mein eigenes Versäumnis war, dass ich die Schallplattensammlung vergessen habe“, sagt Homann-Barlach. Mit Blick auf einige Exemplare sagt sie: „Die kann man dann nur noch nass abspielen.“ Und das meint die gelernte Toningenieurin wirklich so. Wenn sich keine starken Kalkreste in den Rillen der Platte abgesetzt haben, könne man diese mit einem weichen Schwamm befeuchten. Die Schallplatte bliebe dann zwar nass, man könne sie aber ohne große Beeinträchtigung im Klang weiter abspielen. Sie selbst muss das mit ihren durchnässten Schallplatten noch ausprobieren.

Wie ein Wasserfall stürzte der Regen in den Keller der Anwohner der Körnerstraße.
Wie ein Wasserfall stürzte der Regen in den Keller der Anwohner der Körnerstraße. © Annette Homann-Barlach © Annette Homann-Barlach

„Im Moment hatte ich aber noch andere Sorgen“, sagt sie und muss schmunzeln beim Blick auf das Cover einer Schallplatte. „Da ist die Madonna plötzlich ohne Kopf.“ Mit Blick auf die Schäden, die das Unwetter in anderen Regionen angerichtet hat und sogar Todesopfer gefordert hat, sei man selbst ja glimpflich davon gekommen.

„Wie ein Wasserfall ins Haus gedrängt“

Das sieht ihr Nachbar genauso. Christopher Conrad, der wie Annette Homann-Barlach kein Foto von sich veröffentlicht haben möchte, ist an diesem Morgen ebenfalls dabei, seinen Keller aufzuräumen. In der Einfahrt stehen all die Dinge, die wohl im Müll landen werden. Aus einem Kellerfenster schlängelt sich ein Wasserschlauch in den Gullideckel vor dem Haus. 20 bis 30 Zentimeter hoch war das Wasser in seinem Keller, schätzt Conrad.

„Wie ein Wasserfall kam es ins Haus“, sagt der 37-Jährige. „Das war schon außergewöhnlich. Normalerweise haben wir Probleme mit ausgehendem Wasser – also zum Beispiel Regenwasser von Dachrinnen“, berichtet der Werner. Bei diesem starken Unwetter allerdings hielt auch die Revisionsklappe am Haus nicht mehr stand. Immer wieder sprang die Tür auf, aufgrund der drückenden Wassermassen.

„Im Schlamm habe ich versucht, den Schmutzwasserkanal zuzuhalten“, erzählt Christopher Conrad. Doch durch den Schacht kam ebenfalls viel Wasser in den Keller hinein. Und das in Windeseile.

Einige Dinge hat Christopher Conrad schon aus seinem Keller geholt. Nun muss er schauen, wie hoch der Schaden tatsächlich geworden ist.
Einige Dinge hat Christopher Conrad schon aus seinem Keller geholt. Nun muss er schauen, wie hoch der Schaden tatsächlich geworden ist. © Andrea Wellerdiek © Andrea Wellerdiek

„Von dem Regenbeginn, bis ich klitschnass wurde, bis hin zur Überschwemmung waren es gefühlt zwei Minuten. Aber es waren wahrscheinlich 30 Minuten“, sagt Conrad mit einem Schmunzeln. Als die schweren Regenfälle einsetzten, war er gerade dabei, etwas im Haus zu renovieren. Kurz darauf versuchte er bereits, im Keller das zu retten, was noch zu retten war.

Aber wie seine Nachbarin hatte er bereits vorsichtshalber wichtige Gegenstände gesichert. Ein Standklimagerät allerdings sei nun defekt, zieht der 37-Jährige ein Zwischenfazit. „Das sind aber Schäden, die man verkraften kann. Im Vergleich zu anderen Städten geht es uns ja noch gut.“ Und in der Körnerstraße haben sich einige langjährige Hausbesitzer schon auf das Unwetter vorbereitet. Dass es sie nun in diesem Ausmaß treffen würde, hat aber auch die beiden Nachbarn überrascht.

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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