Mann (39) nach Polizei-Einsatz auf Intensivstation

Zusammenhänge unklar

Was ist in der Nacht zum 1. April in einer Wohnung in Werne passiert? Ist ein Polizeieinsatz aus dem Ruder gelaufen? Oder handelt es sich um eine Verkettung tragischer Umstände? Fakt ist: Hassan B. musste noch während des Einsatzes reanimiert werden. Er liegt seitdem auf der Intensivstation, zumeist im Koma.

WERNE

, 12.04.2016, 14:46 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Lebensgefährtin und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder am Krankenbett des Koma-Patienten

Die Lebensgefährtin und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder am Krankenbett des Koma-Patienten

Was ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 31. März auf 1. April, an der Stockumer Straße in Werne passiert? Angehörige und Behörden geben unterschiedliche Auskünfte. Wenig stimmt dabei überein.

Die Ausgangslage: Hassan B. (Name geändert), 39 Jahre alt, Spross einer aus dem Libanon stammenden Familie mit türkischen Wurzeln, ist drogenabhängig. An diesem Abend war er anders als sonst, schildert seine Lebensgefährtin und Mutter der beiden gemeinsamen Kinder (16 und 12 Jahre). „Ich kann ihn sonst immer beruhigen. In dieser Nacht aber nicht.“ Zwar sei er ihr gegenüber nicht aggressiv geworden, doch sei sie nicht mehr an ihn herangekommen. Sie rief den Rettungsdienst.

Sieben Polizeibeamte kamen in die Wohnung

Statt Sanitätern kamen nach Informationen unserer Redaktion um 1.35 Uhr Polizisten zur Stockumer Straße. Sieben an der Zahl. Warum so viele? Offensichtlich, weil die Familie polizeibekannt ist. Das bestätigt eine Vertrauensperson der Familie, ein niedergelassener Arzt, gegenüber unserer Redaktion. Sein Vorwurf gegenüber den Beamten: „Es ist bestimmt keine Musterfamilie, aber das geht nicht, solche Gewalt mit solchen Folgen anzuwenden.“

Hasan B. wird höchstwahrscheinlich bleibende Schäden davontragen. „Der Arzt sagte, dass er - wenn er aufwacht -nicht mehr so sein wird wie früher. Und wahrscheinlich ein Pflegefall bleibt“, ließ seine Lebensgefährtin mitteilen. Sie lege zudem Wert darauf, dass sie und ihre beiden Kinder nicht polizeibekannt seien. 

Keine Hinweise auf übermäßige Gewalteinwirkung

Was in der Wohnung genau passiert ist, lässt sich vermutlich nie ganz aufklären. Die Lebensgefährtin musste während des Einsatzes die Wohnung verlassen. Ihre Kinder wären aber vor Ort gewesen. Sie sollten eigentlich schlafen, hätten aber die Gewalt der Polizei gegen ihren Vater erlebt, sagt die Mutter. Gewalt, die schließlich vor Ort zum Koma und zur minutenlangen Reanimation führte?

Oder waren das Folgen einer Überdosis, einer Vorerkrankung von Hassan B., anderer tragischer Umstände?

Die Polizei gab auf Anfrage keine Auskunft über den Einsatz und die Folgen, sondern verwies an die auskunftsberechtigte Staatsanwaltschaft. Eine Untersuchung auf übermäßige polizeiliche Gewalt habe keine Anhaltspunkte gebracht, sagt der Dortmunder Staatsanwalt Dr. Heiko Artkämper auf Anfrage: „Wir haben ein CT des Kopfes machen lassen.“ Hinweise auf Verletzungen, die auf übermäßige Gewalteinwirkung hingewiesen hätten, habe es nicht gegeben. Fall erledigt?

Für die Familienmitglieder von Hassan B. noch lange nicht. Sie sehen ihn jeden Tag. Sehen die Verletzungen an Beinen, im Gesicht, an Händen und Armen. Sie wollen nicht glauben, dass das lediglich Folgen von erlaubten Zwangsmaßnahmen bei renitenten Verdächtigten sind.

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