Marktmeister von Sim-Jü geht: Jürgen Menke verabschiedet sich ohne echte Kirmes

mlzSim-Jü in Werne

Mit ihm verbinden die Werner vor allem eins: die Sim-Jü-Kirmes. Jürgen Menke (63) war jahrelang als Marktmeister in Werne tätig. Nun geht er in Rente. Und das in einem Jahr, in dem es keine echte Kirmes gibt.

Werne

, 29.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ohne Jürgen Menke gibt es auch keine Kirmes. So könnte das Jahr 2020 beschrieben werden. Denn der langjährige Marktmeister geht zum 1. Juli in Rente. „Dann bin ich auf den Tag genau 63 Jahre und acht Monate alt“, sagt der gebürtige Werner.

Er verlässt die Stadtverwaltung Werne ausgerechnet in dem Jahr, in dem es keine echte Kirmes in Werne gibt. Denn aufgrund der Corona-Krise wurde die Maikirmes, für die sich Menke auch als Marktmeister verantwortlich zeigte, abgesagt.

Auch Sim-Jü Ende Oktober wird es in der gewohnten Form und Größe nicht geben. Die Verantwortlichen überlegen derzeit, ob und inwiefern es eine alternative, kleinere Kirmesveranstaltung in Werne geben kann.

Jürgen Menke als Marktmeister immer mittendrin

Jürgen Menke wird das Ganze dieses Mal mit einem gewissen Abstand verfolgen. Seit 2003 war der glühende Schalke-Fan stets mittendrin. Auswahl der Schausteller, Vorbereitungen der Plätze, Koordination mit allen Verantwortlichen und stets Ansprechpartner für die Schausteller: Als Marktmeister hat man das ganze Jahr über mit der Mai- oder Sim-Jü-Kirmes zu tun.

Vor allem die Traditionskirmes Ende Oktober hat Jürgen Menke im täglichen Berufsalltag beschäftigt. Und vor und an den Sim-Jü-Tagen stand das sogenannte Kirmes-Handy selten still. Mit vielen Schaustellern - ein Großteil kommt schon seit mehr als 20 Jahren zur Sim-Jü nach Werne - hat er nicht nur eine berufliche Beziehung aufgebaut. Der stete Kontakt mit den Schaustellern - das habe ihm besonders viel Spaß bereitet, so Menke.

Jürgen Menke (l.) steht vor und während der Kirmestage im engen Kontakt mit den Schaustellern wie hier 2015 mit Rudolf Barth, Besitzer der Achterbahn "Wilde Maus".

Jürgen Menke (l.) steht vor und während der Kirmestage im engen Kontakt mit den Schaustellern wie hier 2015 mit Rudolf Barth, Besitzer der Achterbahn "Wilde Maus". © Jörg Heckenkamp (A)

Marktmeister - ist das ein Traumjob? „Für mich war es das auf jeden Fall. Das kann ich rückblickend so sagen“, erklärt Jürgen Menke, der Anfang 1996 zum Ordnungsamt der Stadt Werne kam. Als echter Quereinsteiger.

Als Industriemechaniker hatte er sich auf eine Stellenausschreibung nach einem Tipp eines Freundes beworben. Sechs Jahre lang war er dann für den ruhenden Verkehr zuständig. Nach der Knöllchen-Arbeit und zwei Jahren im Gewerbeamt wurde er Marktmeister für die beiden Kirmessen in Werne.

Jürgen Menke musste schnell übernehmen

Im Juli 2003 verstarb plötzlich sein Vorgänger Wolfgang Overmann. Schon drei Monate später musste Menke die Sim-Jü-Kirmes selbst koordinieren. „Das war am Anfang schon sehr schwierig. Zum Glück habe ich meinen Vorgänger zwei Jahre lang begleiten dürfen“, erzählt der 63-Jährige.

Er habe sich zunächst an den Plänen der Vorjahre orientiert. „Doch dann gibt es fünf bis sechs Mal den Namen Arens. Wenn man die Schaustellerfamilie nicht kennt, wird es nicht einfach“, erzählt Jürgen Menke. Vor allem bei seiner ersten Sim-Jü-Kirmes habe er schlaflose Nächte gehabt.

Jürgen Menke auf seinem Balkon: Schon seit einigen Tagen hat er Urlaub. Seinen offiziellen Abschied gibt er zum 1. Juli. Danach will sich der Schalke-Fan seiner Familie und dem Sport widmen.

Jürgen Menke auf seinem Balkon: Schon seit einigen Tagen hat er Urlaub. Seinen offiziellen Abschied gibt er zum 1. Juli. Danach will sich der Schalke-Fan seiner Familie und dem Sport widmen. © Andrea Wellerdiek

Das war auch im Jahr 2017 nicht anders, als am Kirmes-Samstag eine Stinkbombe im Festzelt geworfen wurde und das Zelt gesperrt werden musste. „Das war natürlich schon eine Hausmarke. Das ist mir negativ in Erinnerung geblieben“, erzählt Menke, der als Marktmeister wie die Rettungskräfte und Polizei schnell über den Vorfall informiert wurde.

„Ich habe das nicht verhindern können. Es war einfach nur schade für die Besucher. Und die Verantwortlichen haben einfach nicht über die Folgen nachgedacht.“

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Genau richtig gehandelt hatten die Veranstalter 2002. Da musste das Feuerwerk abgesagt werden aufgrund einer Sturmwarnung. Wenn man dann beobachtete, wie der Sturm „Jeanett“ durch Werne wütete, war Menke erleichtert, dass die Gondeln des Riesenrads abgebaut wurden und keine Besucher auf dem Gelände waren, als Streben aus der Verankerung des Festzeltes abgebrochen waren.

Kurzfristige Absagen für Sim-Jü am schlimmsten

Schnelle Entscheidungen musste der Marktmeister mit Leidenschaft immer dann treffen, wenn Schausteller doch noch für eine Kirmes absagen. Vor allem dann, wenn es so kurzfristig passiert wie 2013. 14 Tage vor der Veranstaltung musste Menke ausgerechnet für den „Kopfplatz“ vorne auf dem Hagen eine Ersatz-Attraktion finden.

Fündig wurde er schnell, indem er einen Schausteller anrief, dem er zuvor eine Absage für Sim-Jü erteilen musste. Am Ende drehte sich das Propeller-Fahrgeschäft „Gladiator“ doch in Werne, anstatt schon in der Werkstatt für die Winterpause zu stehen.

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Für Kopfschütteln sorgten immer wieder Bewerber, die eine Riesen-Achterbahn in Werne aufbauen wollten. Kurios wurde es einmal auf dem Hagen, als ein Schausteller mit seinem großen Karussell nicht mehr vor und zurück kam, weil er auf einem durchnässten Grünstreifen stecken geblieben war.

„Da war der Durchgang zum Autoscooter schon sehr eng. Da konnte keiner vor dem Fahrgeschäft stehen und sich das ganze Spektakel angucken. Die Leute standen dann einfach auf dem Podest vom Autoscooter“, erinnert sich Jürgen Menke und schmunzelt.

Jürgen Menke kann auch Karneval: Gemeinsam mit seinem Kollegen und Schalke-Fan Thomas Overmann suchte Jürgen Menke 2011 noch Karten für das DFB-Pokalfinale in Berlin.

Jürgen Menke kann auch Karneval: Gemeinsam mit seinem Kollegen und Schalke-Fan Thomas Overmann suchte Jürgen Menke an Weiberfastnacht 2011 noch Karten für das DFB-Pokalfinale in Berlin. © Foto: Helga Felgenträger (A)

„Ein schöner Abschied“

Und was bleibt in besonders guter Erinnerung in all den Jahren als Marktmeister? „Ein besonderer Moment ist eigentlich immer der Dienstagabend nach der Kirmes - wenn alles gut geklappt hat.“ So war es im vergangenen Jahr. „Das war wirklich schön zum Abschied“, sagt Jürgen Menke, der aber dem Ordnungsamt mit einem 450-Euro-Job nun beratend zur Verfügung steht.

In diesem Jahr wird es eine Sim-Jü in gewohnter Form aufgrund der Corona-Pandemie nicht geben. Und was macht der einstige Marktmeister und Kirmes-Fan Jürgen Menke ohne Sim-Jü? Neben geplanten Urlauben und viel Zeit mit der Familie - darunter sieben Enkelkinder - steht mehr Sport auf der Agenda. „Meine Fitness lässt zu wünschen übrig“, sagt Jürgen Menke und lacht herzhaft.

Jürgen Menke kann auch Schützenfest: Mit seiner Frau Veronika führte Jürgen Menke die Bürgerschützen 2009 als Königspaar an.

Jürgen Menke kann auch Schützenfest: Mit seiner Frau Veronika führte er die Bürgerschützen 2009 bis 2011 als Königspaar an. © privat (A)

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