Medikamenten-Mangel: Werner Apotheker bezeichnet Situation als schlimm

mlzCorona-Krise

Die Weltgesundheitsorganisation hatte bis Dienstag vor der Einnahme von Ibuprofen gewarnt. Überall decken sich die Menschen mit Medikamenten ein. Wir erklären, wie die Situation in Werne ist.

Werne

, 11.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aus Sorge vor dem Coronavirus decken sich die Deutschen offenbar stärker mit Medikamenten ein. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter Arzneimittelherstellern in Deutschland ergeben. Demnach sei die Nachfrage nach rezeptfreien Medikamenten im März stark angestiegen.

„In den letzten Wochen mussten wir über unser gesamtes Portfolio hinweg die zum Teil dreifache Bestellmengen bewältigen“, teilte etwa die Ratiopharm-Konzernmutter Teva am Dienstag in Ulm mit. Bei rezeptfreien Arzneien sei im März vor allem bei Paracetamol-haltigen Mitteln und Vitaminpräparaten die Nachfrage viel höher gewesen als sonst. Ähnlich sieht es auch bei Bayer und Stada aus.

Jetzt lesen

Der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände hatte am Dienstag erklärt: „Die Nachfrage nach Arzneien und die Unsicherheit der Menschen ist hoch.“ Dabei gebe es bei Erkältungs- und Schmerzmitteln viele Präparate verschiedener Hersteller und daher keinen Mangel. Die Apotheken hätten die Lagerbestände erhöht. Es gebe keinen Grund, Arzneien zu hamstern.

WHO warnte bis Dienstag vor Ibuprofen bei Covid-19

Von Mitte März bis Dienstag, 7. April, hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO davor gewarnt, Ibuprofen bei einer Covid-19-Erkrankung einzunehmen. Die Vermutung: Ibuprofen könnte den Verlauf der Krankheit verschlimmern. Am Dienstag dann nahm die WHO ihre Warnung zurück. Es gebe keine negativen Konsequenzen durch die Einnahme von Ibuprofen bei Covid-19-Patienten, teilte die WHO mit.

Jetzt lesen

In Werne ist die Lage gemischt. Der Absatz von Handdesinfektionsmitteln etwa sei hoch, heißt es aus der Post Apotheke. Während im Februar 2019 etwa sieben Flaschen Sterilium verkauft wurden, waren es in diesem Februar 48, sagt Julia Frison von der Post Apotheke. Auch die Nachfrage nach der selbst hergestellten Lösung sei da. Andere Produktbereiche seien hingegen nicht auffällig.

Medikamenten-Engpass in der Adler-Apotheke

Ähnlich sieht es in der Schwesterapotheke, der Lippe Apotheke, aus. „Wenn die Leute mitbekommen, dass es hier Handdesinfektionsmittel gibt, dann nehmen die das schon mit“, sagt eine dortige Mitarbeiterin. Außerdem seien Handschuhe und Mundschutz weiterhin gefragt. Mundschutz etwa sei beim Großhändler bestellt, wegen der Engpässe müsse man aber schauen, was man bekomme. So habe es in der Vergangenheit mal FFP1- und dann FFP2-Masken gegeben.

In der Adler-Apotheke zeichnet sich hingegen ein anderes Bild: Hier sind Medikamente wie Schmerzmittel hoch im Kurs. Schon im März hatte Inhaber Friederich Schneider mit unserer Redaktion zum Thema Hamsterkäufe gesprochen. Jetzt, sagt er, lache er darüber, dass er die Situation im März als schlimm bezeichnet habe. Jetzt sei es nämlich noch schlimmer.

„Man hat tendenziell schon den Verdacht, dass die Leute mehr kaufen“, sagt Schneider. Dabei gebe es keinen Grund, in Panik zu verfallen. Wegen der vorübergehenden Warnung vor Ibuprofen sei auch hier die Nachfrage nach Paracetamol sehr hoch. Dabei gebe es überhaupt keine gesicherten Erkenntnisse dazu. Doch auch andere Medikamente fehlen: Blutzuckermittel wie Metformin beispielsweise, oder Magentabletten wie Pantoprazol.

Jetzt lesen

Wenigstens beim Desinfektionsmittel ist die Not weg

Um Medikamenten-Engpässe zu vermeiden, werde bei Schmerzmitteln etwa nur eine Packung pro Person abgegeben. Diese zu Hause zu horten und damit Engpässe zu schaffen, gehe nicht, so der Apotheker. Ebenso verfahre man mit Handschuh-Packungen, erklärt Schneider. Auch hier beziehe man Ethanol aus der Schnapsbrennerei Ehringhausen, um selber Handdesinfektionsmittel herzustellen. Wenigstens hier sei die Not schon mal weg, so Schneider.

Masken bekomme die Apotheke derzeit gar nicht mehr. Deswegen, so Schneider, sei die Eigeninitiative der Menschen, die diese selbst nähten, gut. „So werden Tröpfcheninfektionen nach außen verhindert“, so Schneider. Mit dpa-Material

Lesen Sie jetzt

Die Corona-Pandemie hat das öffentliche Leben stark eingeschränkt. Auch die Osterzeit bleibt davon nicht verschont. Die Werner Kirchengemeinden zeigen sich in Krisen-Zeiten aber durchaus kreativ. Von Felix Püschner

Lesen Sie jetzt