An der Klostermauer kann man in Werne Madonna bestaunen. © Felix Püschner
Heidewitzka

Mit Video: Madonna gibt‘s in Werne gleich dreimal prominent zu sehen

Da steht sie schon recht prominent - und dann wird sie von vielen wahrscheinlich noch nicht mal sonderlich beachtet: Madonna. In Werne. Gleich dreimal. Darum geht‘s diesmal in unserer Video-Kolumne Heidewitzka.

Wenn jetzt die Adventszeit naht und man auch an Weihnachten denkt – ohne den Weihnachtmarkt, ohne die sonst anfallenden Weihnachtsessen und das Treffen mit Freunden, Kollegen und der Familie –, sollte man sich vielleicht einmal auf den eigentlichen Sinn des Festes, die Geburt Jesus Christus, besinnen.

Bei einem kleinen Rundgang durch die historische Altstadt von Werne kann man dreimal der Muttergottes mit dem Jesuskind begegnen, an denen man vielleicht schon hunderte Male achtlos vorbeigegangen ist und die alle drei aus dem 15. beziehungsweise 16. Jahrhundert stammen.

Da ist zum einen „Maria vor dem Tore“ oder auch, wie sie später genannt wurde, „Madonna aus dem Torhaus“, denn sie war über jahrhundertelang im Torwächterhäuschen des Neutors neben dem Kapuzinerkloster angebracht. Das Neutor, im 15. Jahrhundert zusammen mit der Stadtmauer erbaut, wurde 1843 als letztes Tor abgerissen, aber das Torwächterhaus verblieb noch bis 1940.

Da wurde die hohe Klostermauer an zwei Seiten niedriger gebaut und die heutige Kreuzung angelegt – die Muttergottes lagerte man für die nächsten 27 Jahre ein. Im Jahre 1968 fand der Heimatverein Werne unter Vorsitz von Karl Pollender, dem Museumsgründer, einen geeigneten Platz in einer Nische an der Einfahrt bei der Klostermauer, wo sich die Madonna noch heute befindet.

Zeitweise stand die Figur im Torhaus.
Zeitweise stand die Figur im Torhaus. © Förderverein Stadtmuseum © Förderverein Stadtmuseum

Es wurde ein Paramentenverein gegründet, der jährlich Maria und das Jesuskind mit einem neuen Gewand versah – später tat dies die Familie Telgmann. 2001, bei der großen Sonderausstellung über die Kapuziner im Stadtmuseum, wurde die Statue fachgerecht restauriert und man kam überein, dass sie nun nicht mehr „gewandet“ wurde, sondern in ihrer ursprünglichen Gestalt gezeigt wird.

Die zweite Madonna mit Kind ist ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert und befindet sich in einer Nische direkt an der Christophorus-Kirche. Diese wurde um 1500 in ihrer heutigen Gestalt fertiggestellt. Direkt gegenüber dem Haus mit dem Blattmasken aus dem Jahre 1562 entstand dann mit einem schmiedeeisernen Gitter und einem Opferstock versehen dieser „Madonnenwinkel“, wie man ihn auch nannte.

In einer Nische an der Christophorus-Kirche findet man das nächste Exemplar. © Felix Püschner © Felix Püschner

In der Barockzeit wurde das gotische Kräuselhaar des Jesuskindes entfernt, um ihm eine Krone aufzusetzen, wie es der Ausdrucksform der damaligen Zeit entsprach. Das Heiligenhäuschen selber ist aus Sandstein im gotischen Stil um 1500 errichtet worden.

Über Jahrhunderte haben die Menschen vor dieser Statue gebetet und baten um Hilfe, weshalb man sie auch „Mariahülf“ nannte. Auch heute stehen Kerzen vor diesem Heiligenhäuschen, die man in der Kirche für seine Bitten an die Muttergottes erwerben kann – das Gitter wurde schon vor Jahrzehnten entfernt.

Christophorus-Kirche in Werne bietet der dritten Madonna Platz

Bei der dritten Madonna mit Kind muss man in die Christophorus-Kirche gehen und dann nach oben ins Gewölbe schauen, denn dort hängt die sogenannte Strahlenmadonna, oder auch „Doppelmadonna im Strahlenkranz“ genannt. Die doppelseitig gestaltete Holzplastik, die für das freie Aufhängen im Kirchenraum konzipiert war, vereint in der typisch mittelalterlichen Weise die unterschiedlichen Aspekte des Marienlebens: Sie ist von Sonnenstrahlen umgeben, steht aber auf der Mondsichel und deutet damit auf die Vision der Apokalypse des Johannes hin.

Auf der einen Seite hält Maria ihrem Sohn als Symbol des Sündenfalles den Apfel hin – auf der anderen Seite ist sie mit Krone und Zepter als Himmelskönigin gestaltet und ihr vornehm gewandeter Sohn hält den Reichsapfel in der Hand, der ihn als Weltenherrscher kennzeichnet.

Und so sah es an dieser Stelle früher einmal aus: Die Statue an der Christophorus Kirche war durch einen Zaun geschützt.
Und so sah es an dieser Stelle früher einmal aus: Die Statue an der Christophorus Kirche war durch einen Zaun geschützt. © Förderverein Stadtmuseum © Förderverein Stadtmuseum

Früher wurde diese Strahlenmadonna, entstanden um 1500, als die heutige Kirche in ihrer jetzigen Gestalt fertiggestellt war, zweimal im Jahr gedreht – so berichteten ältere Werner Bürger -, so dass entweder Maria mit dem neugeborenen Sohn auf dem Arm den Gläubigen gezeigt wurde oder Maria und Jesus als Weltenherrscher.

Als die Kirche zum 1200. Jubiläum Anfang des 21. Jahrhunderts restauriert wurde, kam die Strahlenmadonna für einige Monate ins Stadtmuseum, wo man sie dann eingehend betrachten konnte, was ansonsten kaum möglich war. Dort wurde auch festgestellt, dass sie zu Ende des 19. Jahrhunderts restauriert und dabei die Bemalung erneuert worden ist.

Sie gehört neben dem Taufstein aus Sandstein, der Pieta neben dem Chor und der Anna selbdritt in der Sakramentenkapelle zu den ältesten Objekten in der Kirche, die alle um 1500 entstanden sind.

Madonna Nummer drei empfängt die Besucher im Inneren der Christophorus-Kirche. Man muss nur nach oben schauen.
Madonna Nummer drei empfängt die Besucher im Inneren der Christophorus-Kirche. Man muss nur nach oben schauen. © Felix Püschner © Felix Püschner

Krippe im Museumsgarten

  • In der ersten Dezemberwoche wird wieder die lebensgroße Krippe vom Verkehrsverein Werne im Museumsgarten aufgebaut mit Maria und Joseph, dem Jesuskind, den Hirten, Ochse, Esel und den Schäfchen. Wenig später kommen auch die Weisen aus dem Morgenlande mit ihrem Kamel hinzu.
  • Diese Krippe kann – auch wenn das Museum geschlossen ist – vom Roggenmarkt aus besichtigt werden. Sie wird bis zum 6. Januar, dem Fest der Heiligen Drei Könige, im Museumsgarten zu sehen sein.

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