Sein Name ist in Werne bekannt - doch nicht jeder weiß wirklich etwas damit anzufangen. © Archiv Förderverein Stadtmuseum
Videokolumne

Mit Video: Maybach wer? Wernes Ehrenbürger schaffte den großen Sprung

Maybach und Abdinghoff - zwei Namen, die in Werne jeder schon mal gehört hat. Aber wer versteckt sich eigentlich hinter diesen Namen? Das klären wir in der aktuellen Folge unserer Kolumne Heidewitzka.

Wenn man den Straßennamen „Maybachstraße“ auf dem Mühlenfeld liest, denken nur wenige an den vielleicht berühmtesten Bürger von Werne, der es in Berlin bis in die Ministerriege unter Bismarck und Kaiser Wilhelm brachte und der mittlerweile Ehrenbürger der Stadt Werne ist. Sein Bildnis ist heute im Bürgersaal des historischen Rathauses zu sehen.

Albert Maybach erblickte am 29.11.1822, also vor 199 Jahren, als Sohn des Werner Bürgermeisters und Rentmeisters Friedrich Maybach das Licht der Welt auf dem Abdinghoff, der heute leider nicht mehr steht – an dieser Stelle an der Ecke Stockumerstraße / Hansaring befindet sich nun ein Mehrfamilienhaus des Bauvereins.

Der sogenannte Abdinghoff war einer der ältesten Höfe in Werne und Umgebung und wird schon in den beiden Heberollen des Klosters Werden an der Ruhr, die aus den Jahren 900 und 1150 stammen, erwähnt. Aufgeführt sind dort eine Vielzahl von Gütern, die alle unter der Verwaltung des Amtshofes zu Werne standen. Es war der Hof des Abtes, deshalb der Name Abdinghoff – die zugehörigen Bauern wurden die Abdinghöfer genannt.

Zu jener Zeit gab es 44 Höfe, die ihre Abgaben an den Schulzen, der auf dem Abdinghoff wohnte, entrichten mussten, der sie dann dem Kloster Werden übergab. In den Jahrhunderten darauf gab es eine Vielzahl von Lehensträgern und Käufern des Abdinghoffes bis zur Zeit Napoleons, der bei der sogenannten Bauernbefreiung die Unterhöfe im Jahre 1809 von ihren Lehensträgern unabhängig machte.

So sehr der Abdinghoff in Werne aus.
So sehr der Abdinghoff in Werne aus. © Archiv Förderverein Stadtmuseum © Archiv Förderverein Stadtmuseum

Das große Gehöft war schon im Mittelalter verschwunden, nur noch der „kleine Abdinghoff“ blieb als letzter Rest davon erhalten. In diesem Haus auf dem zusammengeschrumpften Gut Abdinghoff wohnte Anfang des 19. Jahrhunderts Bürgermeister und Rentmeister Friedrich Maybach mit seiner Familie bis zum Jahre 1841, so dass sein Sohn Albert seine Kindheit und Jugendzeit auf diesem alten Abdinghoff verbrachte, den eine Gräfte umschloss, zusammen mit einem sehr alten Baumbestand.

Im Jahre 1880/81 verkaufte ihn dann Freiherr Egon von Fürstenberg an Leopold Schulze Becking, dessen Gehöft daneben lag. Schließlich wurde der Gutshof, eines der ältesten Gebäude der Stadt, in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerissen und die heutigen Häuser darauf errichtet.

Maybach sollte preußisches Eisenbahnnetz verstaatlichen

Ab dem 15. Lebensjahr besuchte Albert Maybach ein Gymnasium in Recklinghausen, da es zu jener Zeit noch keine höhere Schule in Werne gab, die bis zum Abitur führte. Er studierte dann in Bonn Jura und wurde in Hamm Gerichtsassessor. Schon mit 36 Jahren berief man ihn zum „Vortragenden Rat“ ins Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten nach Berlin, zu dem damals auch der Schienenverkehr gehörte.

1877 übernahm er dann als Minister für öffentliche Arbeiten die sehr schwierige Aufgabe, das gesamte preußische Eisenbahnnetz, bestehend aus mehr als einem Dutzend privater Eisenbahngesellschaften, zu verstaatlichen, was ihm auch zum großen Teil gelang.

Die Maybachstraße trägt den Namen eines Ehrenbürgers der Stadt.
Die Maybachstraße trägt den Namen eines Ehrenbürgers der Stadt. © Fertig-Möller © Fertig-Möller

Nach dem Tode von Kaiser Wilhelm I. im Jahre 1888, der Maybach kurz zuvor noch mit dem „Schwarzen Adlerorden“ auszeichnete und ihn damit in den erblichen Adelsstand erhob (er durfte sich seitdem „von Maybach“ nennen), trübte sich sein Verhältnis zum Enkel, Kaiser Wilhelm II., zusehends. Schon kurze Zeit später reichte von Maybach sein erstes Entlassungsgesuch ein, wurde aber vom damaligen Reichskanzler Otto von Bismarck in einem langen Brief beschworen, sein Amt auf keinen Fall niederzulegen.

Doch nur für kurze Zeit konnte Bismarck von Maybach umstimmen, denn am 21.6.1891 wurde er nach mehreren Entlassungsgesuchen vom Kaiser in den Ruhestand versetzt. Dreizehn Jahre später, am 21.1.1904, starb von Maybach im Alter von 81 Jahren an seinem langjährigen Wohn- und Arbeitssitz in Berlin.

Die Eröffnung der Bahnstrecke erlebte der Minister nicht mehr

Albert von Maybach, der „große Sohn und Ehrenbürger unserer Stadt, der gern und oft hier verweilte“, wie es in einer Akte aus dem Stadtarchiv Werne heißt, bedauerte es stets, dass er Werne in seiner Zeit als Eisenbahnminister nicht zu einem Bahnanschluss verhelfen konnte, da Werne zu damaliger Zeit über keinerlei Industrie verfügte.

Erst im Jahre 1905 bekam Werne, nach der Errichtung von Schacht I und II der Zeche Werne 1899, durch die Zechenbahn den ersten indirekten Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz und schließlich im Jahre 1928, lange Zeit nach dem Tode von Maybachs, wurde die Strecke Münster – Dortmund über Werne, ursprünglich zweigleisig geplant, aber aus Kostengründen dann nur noch eingleisig realisiert, eröffnet.

Ein Film zeigt heute noch die Eröffnungsfeierlichkeiten des Bahnhofs Werne am 17. Oktober 1928 – eine Kopie dieses Filmes kann beim Förderverein Stadtmuseum Werne für 10 Euro erworben werden (bei der Vorsitzenden Heidelore Fertig-Möller, Tel. 02389 59196).

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