Gefährlich ist die Abbiege-Situation von der Schemmelstraße heraus nach links auf die Stockumer Straße. © Jörg Heckenkamp
Radfahren in Werne

Mit Video: „Planer vergessen, dass Radler auch mal nach links wollen“

Der Anteil des Fahrrades am Straßenverkehr nimmt zu. Mehr Radler bedeuten aber auch mehr Klagen über Schwach- oder Gefahrenstellen. In einer kleinen Serie zeigen wir Tops und Flops in Werne. Heute: Teil 4.

„Die Verkehrsplaner vergessen oft, dass Radfahrer auch mal nach links abbiegen wollen“, sagt Winfried Hoch, Sprecher des ADFC Werne, mit leichtem Sarkasmus in der Stimme. „Viele Probleme für Radfahrer in Werne entstehen beim Linksabbiegen, weil die Planer das nicht berücksichtigen.“

Flop:

Ein Beispiel für seinen Vorwurf ist der Einmündungsbereich Schemmelweg/Stockumer Straße (bei Tecklenborg). Wer aus dem Schemmelweg kommend nach links Richtung Innenstadt auf die Stockumer Straße abbiegen will, fährt in der Regel ordnungsgemäß bis zur gestrichelten Linie vor. Er sieht dann vielleicht auch gegenüber den rettenden, rot gepflasterten Radweg.

Wenn der Radler schließlich die viel befahrene Stockumer Straße überquert hat, steht er vor einem Dilemma: Ein Bordstein und ein Grünstreifen versperren den direkten Zugang zum Radweg. Wenn er nach rechts ausweichen will, kommt er an eine Bushaltestelle mit noch höherer Bordsteinkante.

Hoch: „Das ist hier total gefährlich, vor allem zur Hauptverkehrszeit. Man muss hier unheimlich aufpassen.“ Eigentlich ist diese Einmündung für Anfänger oder unsichere Radfahrer nicht passierbar, weil viel zu gefährlich.

Offizieller Weg wäre „ein Riesenumweg“

Der offizielle Weg wäre ein anderer. Der Radfahrer fährt zunächst rechts Richtung Stockum bis zur Fußgängerampel vor der neuen Wiehagenschule, quert dort die Straße und fährt dann Richtung Innenstadt. Winfried Hoch: „Das ist ein Riesenumweg, wer macht das schon?“

Die ähnliche Linksabbieger-Problematik offenbart sich in unmittelbarer Nähe, an der Einmündung Breielstraße. Wer aus Richtung Innenstadt über die Stockumer Straße radelt, darf nach links in die Einbahnstraße Breielstraße einbiegen, wie ein Schild „Radfahrer frei“ zeigt. Er kommt aber gar nicht nach links, weil eine Mittelinsel ohne Querungshilfe den Weg versperrt.

Wer aus Richtung Innenstadt kommend von der Stockumer Straße in Höhe Einkaufszentrum (Kaufpark/Aldi) nach links in die Breielstraße abbiegen will, muss einen großen Umweg fahren.
Wer aus Richtung Innenstadt kommend von der Stockumer Straße in Höhe Einkaufszentrum (Kaufpark/Aldi) nach links in die Breielstraße abbiegen will, muss einen großen Umweg fahren. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Selbst direkt hinter der Insel darf man offiziell die Stockumer Straße nicht queren, weil sich dort ein gestrichelter Bereich findet. „Aber man wird als Radfahrer verleitet, hier illegal rüber zu fahren, weil man sonst einen großen Umweg fahren müsste“, sagt Winfried Hoch.

Top:

Winfried Hoch begrüßt die Ausweisung der Burgstraße als Fahrradstraße. Dass laut Schild hier nur
Winfried Hoch begrüßt die Ausweisung der Burgstraße als Fahrradstraße. Dass laut Schild hier nur “Anlieger frei” haben, ist sinnvoll, meint der ADFC-Experte; es reduziere den Kfz-Verkehr. Bei anderen Fahrradstraßen sähe man bisweilen das weiter gefasste Schild “Pkw frei”. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Die Umwidmung der Burgstraße zu einer Fahrradstraße stößt bei der Fahrrad-Lobby natürlich auf Zustimmung. „Das ist eine gute Sache für Radler“, sagt Winfried Hoch vom ADFC Werne. Auch die Beschilderung, die die Stadt hier angebracht hat, sei in Ordnung. Denn unter der Fahrradstraßen-Kennung findet sich ein Zusatzschild „Anlieger frei“. „In anderen Gemeinde sieht man schon mal das Zusatzschild ‚Pkw frei‘, das lässt dann doch noch viel Autoverkehr zu“, sagt Hoch.

Die Ausweisung zur Fahrradstraße komme nicht nur den Zweirad-Nutzern, sondern auch „den Anwohnern zugute“, sagt Hoch. Dennoch habe er festgestellt, dass immer noch zu viele Autos die Burgstraße benutzten, die offensichtlich kein Anliegen hätten.

Kennen Sie weitere Tops und Flops?

  • Sind Ihnen Stellen im Stadtgebiet aufgefallen, die für Radler umständlich oder gefährlich sind?
  • Oder kennen Sie Bereiche, in denen sich für Zweiradfahrer etwas verbessert hat, was gut gelungen ist?
  • Dann schreiben Sie uns gerne eine Mail an werne@ruhrnachrichten.de, Stichwort Fahrrad.
  • Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.
Über den Autor
Redaktion Werne
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Jörg Heckenkamp

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