Darum tummelten sich einst 100 Menschen auf dem Kirchhof

mlzVor 40 Jahren

Der Kirchhof in Werne ist vor gut 40 Jahren Schauplatz eines besonderen Ereignisses. Gut 100 Menschen tummeln sich vor dem Gebäude mit der Hausnummer 13 – dem Karl-Pollender-Stadtmuseum.

Werne

, 28.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Oktober 1980. Am Rande des Kirchhofs tummeln sich rund 100 Menschen - darunter Vertreter aus Politik, Verwaltung und verschiedenen Vereinen. Direkt vor dem Gebäude mit der Hausnummer 13. Es ist das „Alte Amtshaus“, ein Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert. Der Werner Realschullehrer Karl Pollender hatte das Haus 1962 gemeinsam mit Freunden zu einem Heimatmuseum umgestaltet. In zwei Räumen im Erdgeschoss präsentierten der damalige Vorsitzende des Heimatvereins und seine Mitstreiter Objekte aus der Vor- und Frühgeschichte der Stadt sowie Zeugnisse des bäuerlichen Lebens des 18. und 19. Jahrhunderts.

Pollender hatte die Sammlung selbst mit aufgebaut, unterstützt durch Schüler und Bekannte - und damit voll ins Schwarze getroffen. Das Interesse an der Geschichte ihrer Stadt ist in den Reihen der Werner Bevölkerung so groß, dass das Haus zwischen 1977 und 1981 zu einem professionellen Stadtmuseum umgestaltet wird. Freilich mit finanziellen Zuschüssen von Bund, Land und den Landschaftsverband LWL. Auch das Westfälischen Museumsamt Münster und der 1977 gegründete Förderverein des Heimatmuseums zählen zu den Unterstützern.

Auslosung des Museums-Quiz mit den beiden Vorsitzenden des Fördervereins Ferdinand Heising und Martina Moormann am Eröffnungstag.

Auslosung des Museums-Quiz mit den beiden Vorsitzenden des Fördervereins Ferdinand Heising und Martina Moormann am Eröffnungstag. © Archiv Fertig-Möller

Und natürlich ist der Anlass für den Menschenandrang an diesem Oktobertag im Jahre 1980 ein ganz besonderer. Es ist die offizielle Eröffnung unter dem Namen „Karl-Pollender-Stadtmuseum Werne“. Museums- und Archivleiterin Heidelore Fertig-Möller, die ein Jahr zuvor von Xanten nach Werne gekommen ist, führt die Anwesenden durch die neu gestaltete Ausstellung. Das ehemalige Alte Amtshaus erzählt nun auf vier Etagen auf fast 800 Quadratmetern die Geschichte von Werne und dem Oberstift Münster.

Nur einer fehlt bei dem feierlichen Akt: Der Namensgeber. Karl Pollender ist wenige Monate vor der Eröffnung des neu konzipierten und vergrößerten Stadtmuseums verstorben. Stadtdirektor Dr. Heinrich Hoffschulte und Bürgermeister Franz-Josef Grube ehren in ihren Reden das Vermächtnis des Realschullehrers, ohne dessen Sammelleidenschaft und Fachkenntnis das Museum wohl nicht zustande gekommen wäre.

So sah das Museum früher einmal aus.

So sah das Museum früher einmal aus. © Archiv Fertig-Möller

Förderverein hat seine Finger immer noch im Spiel

Dann wird am Kirchhof gut gelaunt gefeiert. Eine Woche lang stehen diverse Veranstaltungen auf dem Programm. Am Ende der Woche kann bereits der 1.000. Besucher, eine Schulklasse der Wienbrede-Grundschule, begrüßt werden - auch weil sich der Museumsförderverein besonders um Kontakte zu den Werner Schulen bemüht.

Martina Moormann, die zweite Vorsitzende des Fördervereins, initiiert einen Malwettbewerb für die Schüler der 1. bis 4. Klasse und ein regelmäßiges „Kontaktlehrertreffen“ aller Grundschulen, das von der Museumsleitung noch mehr als 20 Jahre lang fortgeführt wird.

Auch mithilfe des Fördervereins konnten seither zahlreiche Exponate angekauft, Veranstaltungen durchgeführt sowie Bücher und Broschüren veröffentlicht werden. Etwa der erste Museumsführer, das Buch „Ein Gang durch die Geschichte von Werne“ und das erst kürzlich erschienene Postkartenbuch.

Witwe Pollender (l.) überreicht eine alte Urne, gefunden in Werne, an Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller einen Tag vor der Eröffnung.

Witwe Pollender (l.) überreicht eine alte Urne, gefunden in Werne, an Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller einen Tag vor der Eröffnung. © Archiv Fertig-Möller

Heute, gut 40 Jahre nach der feierlichen Eröffnung, befindet sich das Karl-Pollender-Stadtmuseum bekanntlich erneut im Umbruch. Aus dem „Mittelalterraum“ im Erdgeschoss ist inzwischen ein „Bürgerraum“ geworden, in dem die Geschichte der Lippestadt mittels moderner Technik neu erzählt wird. Auch das Obergeschoss wird erneuert, bekommt weitaus mehr als bloß einen „neuen Anstrich“.

Man stellt sich inhaltlich, konzeptionell neu auf am Kirchhof - was nicht heißt, dass die bekannten Exponate verschwinden. Und eine Sache, die wird sich mit ziemlicher Sicherheit nicht so schnell ändern: der Name, den das Museum vor 40 Jahren bekam.

So sieht es im neuen Bürgerraum des Stadtmuseums aus.

So sieht es im neuen Bürgerraum des Stadtmuseums aus. © Felix Püschner

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