Museumsleiterin Fertig-Möller geht zum 1. Mai

Stadtmuseum Werne

Nach 37 Jahren endet nun offiziell ihre Karriere als Museumsleiterin in Werne. Heidelore Fertig-Möller geht in Rente. In ihrer Freizeit will sie sich als Gästhörerin weiterhin der Geschichte widmen und ehrenamtlich der Stadtgeschichte Werne. Auch dem Stadtmuseum will sie nicht den Rücken kehren und hofft, schon bald ein neues Amt zu bekleiden.

WERNE

, 29.04.2016, 05:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

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Heidelore Fertig-Möller: Ein Rückblick auf ihr Wirken

Wie viele Veröffentlichungen es genau waren in den zurückliegenden 37 Jahren, weiß Heidelore Fertig-Möller (65) gar nicht. „Eine Menge“ , sagt die scheidende Werner Museumschefin. Ob „Jüdische Geschichte“,„Werne und Fußball“ oder idyllische Bildbände von der historischen Innenstadt: Kurz vor ihrer Pensionierung hat sie zusammengestellt, wo sie mitgearbeitet hat. Wir haben die zumeist längst vergriffenen und inzwischen weit verstreuten Schriften in einer Bilderstrecke zusammengefasst.
25.04.2016
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Heidelore Fertig-Möller zu Beginn ihrer Karriere.© Foto: Sylvia vom Hofe
Heidelore Fertig-Möller in der Mittelalterausstellung des Stadtmuseums.© Foto: Sylvia vom Hofe
Ihr erstes Werk: der Museumsführer aus de Jahr 1981. Nachdem Heidelore Fertig-Möller, nachdem sie ihre Arbeit in Werne begonnen hatte, ein Konzept für das Museum erstellt hatte, schrieb sie es auf.© Foto: Sylvia vom Hofe
Mit dieser Broschüre hat sie Neuland bereten. Das Thema "Juden in Werne" war 1982 in der Stadt weitgehend tabu, als Heidelore Fertig-Möller esmit ihrer ersten Sonderausstellung aufgriff.© Foto: Sylvia vom Hofe
Anfang der 1990er-Jahre erscheint Heidelore Fertig-Möllers Kinderbuch über die Geschichte der Stadt. Ihre damals knapp zehn Jahre alte Tochter Alexandra hat großen Einfluss darauf. Für das Werk erhält sie eine Auszeichnung von "Geschichtskultur Ruhr und Emscher".© Foto: Sylvia vom Hofe
Die ersten Ausgaben zu Einzelthemen haben äußerlich noch den Charme von Examensarbeiten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zusammen mit Mitarbeitern - darunter auch dre heutigen Kreisheimatpfleger Börste - hat sich Heidelore Fertig-Möller unterschiedlichen Themen der Heimatgeschichte gewidmet. etwas auch dem Schützenwesen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Diesen Fotoband mit Texten der Museumsleiterin hatte der Buchhändler Jürgen Zimmermann herausgegeben.© Foto: Sylvia vom Hofe
Längst vergriffen: der Bildband vom schönen Werne mit Texten von Heidelore Fertig-Möller.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Jubiläumsband der Stadt Werne aus dem Jahr 2012: Werne hatte vor 650 Jahren die Marktrechte des Simon-Juda-Marktes verliehen bekommen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Jedes Jahr hatte Heidelore Fertig-Möller auch einen Aufsatz im Kreisheimatbuch veröffentlicht: 1982 zum ersten Mal.© Foto: Sylvia vom Hofe
Auch an Broschüren wirkte die Museumsleitung mit.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zusammen mit der VHS entstanden zahlreiche Publikationen der Geschichtswerkstatt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zeitzeugen haben ihre Erinnerungen zusammengetragen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die meisten Zeitzeugen leben heute nicht mehr.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das Gros der Texte stammt von Werner Zeitzeugen, ein Aufsatz in jedem Band hat aber auch die Museumsleiterin beigesteuert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Als Kreisverkehre noch ein Gremdwort waren.© Foto: Sylvia vom Hofe
Erinnerungen von Azubis Anno Dazumal.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Geschichtswerkstatt umfasste anfags 25, später um die zehn Mitglieder.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das waren die Werner auch immer gerne dabei: beim Feiern.© Foto: Sylvia vom Hofe
Die Hansetradition der Stadt Werne und ihre Bedeutung im mittelalter ist eines der Lieblkingsthemen der Museumsleiterin.
Auch für dieses Jubiläum stiegen die Verfasser in die Tiefen des Archivs.© Foto: Sylvia vom Hofe
Das hat Heidelore Fertig-Möller gefreut: Zum 60-Jährigen des Landschaftsverbandes - des einstigen Museumsamtes - hat der LWL, der für Kreise, Städte und Gemeinden in Westfalen und Lippe soziale, kulturelle und gesundheitliche Aufgaben wahrnimmt, sie porträtiert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wer etwas über Werne erfahren will, wird hier fündig: ein gesichtlicher Rundumblick.
Im Februar 2016 hat Fertig-Möller eine aktualisierte und erweiterte Ausgabe veröffentlicht.© Foto: Sylvia vom Hofe
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Noch hält sie ihn nicht in den Händen. Beantragt hat Heidelore Fertig-Möller (65) ihn aber schon: den Gasthörerausweis für die Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Schwerpunkt: Geschichte.

Ab nächster Woche hat die scheidende Museumsleiterin Zeit, Vorlesungen zu hören: über die Piraterie um 1700 etwa oder die Bismarck-Zeit. Aber auch der Geschichte der Stadt Werne will sich die Historikerin im Unruhestand weiter widmen  – ehrenamtlich.

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Abschied nach 37 Jahren

„Etwas komisch“ sei das schon, sagt die zweifache Mutter und lässt ihren Blick durch den Raum wandern: vorbei an den Vitrinen mit den mittelalterlichen Münzen, der Ritterrüstung und den gerahmten Faksimiles der 700 Jahre alten Urkunden.

Für Heidelore Fertig-Möller ist das Stadtmuseum am Kirchhof nach 37 Jahren so etwas wie ihr zweites Zuhause geworden. „Wenn man einmal vom Urlaub absieht, habe ich hier sogar mehr Zeit verbracht.“ Damit wird ab Sonntag Schluss sein – mit der Leidenschaft für die Stadtgeschichte aber nicht.

Fertig-Möller hofft auf Vorsitz im Förderverein

Der 1. Mai wird der erste Tag sein, an dem Heidelore Fertig-Möller nicht mehr Museumsleiterin ist. Schon am 2. Mai werde sie aber ein neues Amt haben, hofft sie: das der Vorsitzenden des Fördervereins Stadtmuseum – mit einem kleinen Büro im Wärmehäuschen direkt nebenan. 

„Der Förderverein hatte für mich immer eine große Bedeutung“, sagt sie, lässt die Urkunden und Vitrinen hinter sich und geht wenige Schritte weiter in die gemütliche Westfälische Stube: mit Herdfeuer, ausgestopften Tieren und alten Eichenmöbeln.

700.000 Besucher in 36 Jahren

Ohne die Freunde und Förderer wären die meisten Zukäufe nicht möglich gewesen, sagt sie und setzt sich an den wuchtigen Tisch: weder das einst etwa 20 000 Mark teure Bett in der Upkammer hinter ihr, noch das schwarze Holzpferd für 6.000 Mark in dem für die Kirmesstadt Werne so wichtigen Sim-Jü-Raum ganz hinten oder die Werner Münzen aus dem Jahr 1610 vorne in der Vitrine für 1.500 Euro.

„Etwa 700 000 Besucher in 36 Jahren.“ Heidelore Fertig-Möller spricht die große Zahl gelassen aus. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht. Sie kann die Erkenntnis mit in den Ruhestand nehmen, das vergleichsweise kleine Museum, das der Lehrer Karl Pollender 1962 als Heimatmuseum gegründet hatte, zu einem Besuchermagneten gemacht zu haben.

120 Sonderausstellungen 

„Daran hatten auch die 120 Sonderausstellungen Anteil“, sagt sie. Die erste, die sie selbst konzeptioniert hatte, war 1982 und hieß „Juden in Werne“. Für die Kleinstadt sei der Blick auf die 400-jährigen jüdischen Geschichte und ihr brutalen Endes durch die Nazis ein wichtiger Schritte gewesen, sich mit der schuldbelasteten Vergangenheit auseinander zu setzen – 37 Jahre nach Kriegsende. 

200 Besucher hätten sich bei der Eröffnung im Spieker gedrängt, darunter auch Marga Spiegel, die versteckt von Bauern den Holocaust überlebt hatte: „Eine berührende Begegnung.“

Viele Pläne für den Ruhestand 

Heidelore Fertig-Möller steht auf und geht – vorbei an dem abgedunkelten Raum für die 700 Jahre alte Kasel, einem der ältesten Messgewänder Westfalens, – zum Ausgang. Gibt es Projekte, die sie in ihrer Amtszeit noch hätte umsetzen wollen? Sie schüttelt den Kopf. Aber für den Unruhestand im Förderverein, im Verkehrsverein, im Heimatverein und bei den Altstadtfreunden fällt ihr noch jede Menge ein. Und für das bevorstehende Studium an der Uni Münster sowieso.

„Unser Sohn Marius hat dort erst im Februar promoviert“, sagt sie. Tochter Alexandra wenige Jahre zuvor. Will Mutter Heidelore jetzt auch noch ihre Doktorarbeit schreiben? Sie lacht, winkt ab und öffnet die Glastür zum Kirchhof. Genügend Themen böt die Werner Geschichte aber. Und das Alter wäre wohl auch kein Problem. Bei der gerade laufenden Bestimmung der Knochenaxt aus der Lippe gilt zumindest: „Je älter desto besser.“

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