Nach Massenentlassungen: AB-Geschäftsführer weist Kritik zurück

WERNE Die gekündigten Mitarbeiter von AB Elektronik in Werne machten auf der Betroffenen-Versammlung am Montag ihrem Ärger Luft, signalisierten gleichzeitig aber auch Zustimmung für den Sozialplan. Die Gewerkschaft IG Metall hingegen ging mit der Geschäftsführung hart ins Gericht. Im Gespräch mit RN-Redakteur Daniel Claeßen weist AB-Geschäftsführer Thomas Rinschede die Kritik zurück.

von Von Daniel Claeßen

, 24.03.2009, 15:56 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nach Massenentlassungen: AB-Geschäftsführer weist Kritik zurück

AB-Geschäftsführer Thomas Rinschede.

 

Rinschede: Die Sache ist doch die: Jeder in der Belegschaft wollte wissen, wie es weiter geht. Uns selbst lag und liegt die Sache schwer im Magen - wie eine Krankheit, von der keiner sagen kann, was es ist. Wir haben uns deshalb - in Absprache mit Betriebsrat und Gewerkschaft - für eine Betriebsversammlung entschieden.

 

Rinschede: Wir wollten es kurz und schmerzlos halten. Dann ist jedoch Herr Neumann (Gewerkschafts-Sekretär, d. Red.) aufs Podium gestiegen und hat alles, was wir bereits erklärt hatten, nochmal ausführlich wiederholt. Da wurde es dann tatsächlich unruhig. Die Leute wollten endlich eine Entscheidung.

  Und zwar eine, die öffentlich verkündet wird?

Rinschede: Wir haben die zentrale Variante gewählt, weil nur so sichergestellt war, dass Rettungssanitäter und Rotes Kreuz unmittelbar in der Nähe waren und im Ernstfall einspringen konnten. Das wäre bei einer dezentralen Aktion an drei Standorten in Werne gar nicht möglich gewesen. Und wenn da auch noch etwas passiert wäre, hätte ich mir Vorwürfe gemacht. Es lag in meiner persönlichen Verantwortung, den Leuten die bestmögliche Hilfestellung zu geben.

  Gehörten auch Einzelgespräche dazu?

Rinschede: Natürlich. Wir Führungkräfte haben uns anschließend mit allen Betroffenen unterhalten, wir hatten ein Blatt vorbereitet, wo alles erklärt wurde und die Optionen aufgezeigt waren.

Wie war die Reaktion?

Rinschede: Die Leute hatten sich beruhigt, der erste Frust war vorüber. Mir persönlich wurde sehr großes Verständnis entgegengebracht, nach dem Motto "Wir wussten ja, dass das irgendwann kommen musste". Der Mitarbeiterüberhang in der Fertigung war ja niemandem verborgen.

Und nun wusste jeder, wen es trifft und wen nicht.

Rinschede: Das hätte wohl auch jeder bemerkt, wenn die Kollegen am 1. April nicht mehr zur Arbeit erschienen wären.

Was sagen Sie dazu, dass bei der Namensliste Druck auf den Betriebsrat ausgeübt wurde?

Rinschede: Die Namensliste wurde in enger Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat erstellt. Zugrunde gelegt haben wir genau die Kriterien, die auch im Sozialplan vorgesehen sind. Verglichen mit anderen Unternehmen haben alle Beteiligten in diesem Punkt wirklich harte, aber eben gute Arbeit geleistet.

Welche Rolle spielt der Mutterkonzern in England?

Rinschede: Die Engländer stellen die finanziellen Mittel zur Verfügung. Mehr nicht.

Sie können also die Kritik nicht nachvollziehen?

Rinschede: Ich kann damit leben, wenn jemand seinem Ärger Luft macht. Aber das Feedback der Mitarbeiter hat gezeigt, dass die meisten den Plan mittragen.

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