Nachholbedarf bei Radverkehr: Radstraße vom Stadthaus bis zum Neutor?

mlzRadverkehr in Werne

Die Radinitiative hat sich mit den Bürger-Vorschlägen unserer Radverkehrs-Umfrage befasst. Und neue Ideen geäußert, mit denen Werne noch radfreundlicher werden könnte.

Werne

, 09.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ergebnis war eindeutig: 103 der Teilnehmer unserer Umfrage zum Radverkehr in Werne haben ihre Meinung zum Zustand der Radinfrastruktur in Werne geäußert. Und unter anderem sanierungsbedürftige Straßen, Gefahrenstellen und fehlende Wege aufgezeigt.

Die Initiative Radverkehr, die sich 2019 in Werne gegründet hat, hat die Bedenken und Vorschläge der Bürger nun unter die Lupe genommen. „Wir halten die Vorschläge der Bürger grundsätzlich für sehr realistisch“, sagt Holger Bergemann von der Radinitiative. Die Realisierung stehe und falle aber damit, mit wie viel Vorrang die Politik das Thema Radverkehr behandele und ob entsprechende Mehrheiten im Rat zusammenkommen.

Bergemann: Mut, sich mit Autofahrern anzulegen

Sanierungsbedürftige Straßen: Hier hatten Bürger Penningrode (44 Nennungen), Landwehr/Selmer Landstraße (12) und Stockumer Straße (12) mit überwiegender Mehrheit angegeben. Besonders in Werne sei es auffällig, dass die Begleitung der (ehemaligen) Landes- und Bundesstraßen durch einen Radweg aufhörten. „Ausgerechnet da, wo der Ort anfängt“, sagt Holger Bergemann.

An der Övelgönne und Penningrode habe sich der Kreis Unna bereits bereit erklärt, den Radfahrern entgegenzukommen. Der Wunsch der Initiative: Radwege entlang der Fahrbahn und eine schmalere Autostrecke mit einer Querungshilfe. Auch eine Verkehrsinsel sei denkbar, um die der Busverkehr herumgeleitet wird, sagt Winfried Hoch vom ADFC Werne. „Da hoffen wir, dass die Politik den Mut findet, sich hier und da mit den Autofahrern anzulegen“, so Bergemann

Fehlende Radwege sehen Hoch und Bergemann unter anderem an der Selmer Landstraße und an der B 54 in Richtung Lünen. Mittendrin gebe es 150 Meter Radweg, das war‘s. Ebenso ein Bild zeichnet die Radinitiative vom Hansaring bis zum Neutor sowie an der Stockumer Straße. Zu ähnlichen Ergebnissen war auch die Umfrage gekommen.

Ebenso auffällig sei auch, so Bergemann, dass das Unfallpotenzial, das die Leser vor allem an Hansaring, Stockumer und Kamener Straße und am Kreisverkehr Bahnhof als hoch eingeschätzt hatten, wieder mit den (ehemaligen) Bundes- und Landesstraßen einher gehe. Bergemanns Vorschlag deshalb: Straßen.NRW als Landesbetrieb sei arbeitstechnisch überlastet, weshalb die Umsetzung noch vor der Planung von Strecken scheitere. Deshalb könne die Stadt Werne durch personelle Aufstockung im Bereich Verkehr Straßen.NRW die Planung abnehmen und so für eine schnellere Realisierung sorgen. Denn: Die (Förder-)Gelder seien da, so Bergemann.

Pro höhere Parkgebühren und mehr Serviceleistungen

Auch höhere Parkgebühren, gegen die sich die Werner mit 3,78 von 10 Punkten ausgesprochen hatten, hält die Radinitiative für sinnvoll - wenn es die entsprechende Infrastruktur für den Bahn-, Fuß- und Radverkehr dann einmal gibt. Auch deshalb erwarten Bergemann und Hoch das Mobilitätskonzept, das die Stadt Werne derzeit umsetzt, mit Spannung und hoffen, dass der Radverkehr darin mehr Vorrang eingeräumt bekommt, nachdem bis heute vor allem dem Auto Vorfahrtsrecht eingeräumt wurde.

In Sachen fehlende Serviceleistungen weist die Radinitative vor allem auf fehlende Anschließbügel an der Sparkasse, vor dem Hotel Ickhorn, dem Kaufhaus Gröblinghoff und dem Kirchplatz hin. Auch in Wohngebieten mit Mehrfamilienhäusern sei das sinnvoll - dort könne man etwa einen Autoparkplatz in fünf Radparkplätze umwandeln. Fahrradgaragen seien außerdem für Radtouristen interessant. Fehlende Werkstätten könnte man durch ein Repair Café auffangen, so Winfried Hochs Idee.

In Sachen Radstraßen in Werne hat die Radinitiative dann noch einen Vorschlag, mit dem sie sich schon länger beschäftigt: die Strecke Konrad-Adenauer-Platz bis zum Neutor zu einer Radstraße mit „Anlieger frei“ zu machen. So würden Autofahrer wieder stärker den Südring nutzen und die Innenstadt mit Gastronomie und Kino eine Aufwertung erfahren.

Vom 1. September bis zum 30. November erhebt der ADFC Daten zur Radfreundlichkeit von Städten - auch in Werne. Damit der ADFC eine auswertbare Datengrundlage für Werne erhält, müssen mindestens 50 Personen an der Umfrage teilnehmen. www.fahrradklima-test.adfc.de
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