Neue Corona-Regeln für Werner Wirte: „Wir sind wieder kurz vor einem Lockdown“

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Der Kreis Unna hat am Mittwoch (14. Oktober) mit schärferen Corona-Regeln nachgelegt - Auch die Wirte aus Werne sind davon betroffen. Sie berichten, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf sie haben.

von Charlotte Schuster

Werne

, 20.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

In der Sommerzeit habe sich alles wieder relativ eingespielt. Die Leute haben wieder in Hotels übernachtet und die Restaurants waren gut besucht. Mittlerweile steigt die Zahl der Infektionsfälle wieder rapide an und die Corona-Regeln wurden wieder verstärkt - Das spiegele sich auch im Gastgewerbe wider, berichten Werner Wirte.

Horst Nußbaum: „Für uns bricht wieder alles weg“

“Nach dem Lockdown haben wir recht früh wieder aufgemacht und dann hatten wir auch wieder viele Buchungen“, erklärt Lisa Micke, die Empfangsmitarbeiterin von dem Hotel am Kloster. Zur Zeit komme es jedoch wieder vermehrt zu Stornierungen. Die Gäste seien auch verunsichert und haben viele Fragen zu dem Restaurant- und Hotelbetrieb. „Es wurde schlecht kommuniziert, was richtig ist“, verdeutlicht sie.

Siggi Baumhove, der Geschäftsleiter von Baumhove Hotel Restaurant sagt, dass soweit noch alles in Ordnung sei. Er merke aber, dass der Hotelbetrieb wieder weniger werde. Im Restaurant sei soweit noch alles gut, da er nicht von größeren Feiern abhängig sei.

„Für uns bricht wieder alles weg“, sagt der Inhaber von Kolpinghaus, Horst Nußbaum. Der Kreis Unna ordnete nämlich an, dass die Kegelbahnen wegen des Infektionsrisikos nicht mehr genutzt werden dürfen. Damit fehlen Nußbaum auch diese wichtigen Gäste, die normalerweise auch bei ihm essen und trinken würden.

„Wir sind eh schon gebeutelt: Wir haben auch Schießbahnen, aber die Bürgerschützen sind schon seit dem Lockdown nicht mehr im Hause gewesen“, führt er fort.

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Die Zimmerbelegung ist schwach und die Stornierungen steigen

Micke sagt, dass die Hotelzimmer momentan wieder sehr schwach gebucht würden. Zudem stornierten aktuell sowohl Geschäftsreisende, als auch Privatleute ihre Zimmer sehr kurzfristig. Hingegen war das Hotel am Kloster vor der Pandemie und auch teils in der Sommerzeit restlos ausgebucht. Es gab sogar eine Warteliste, berichtet sie.

Im Baumhove Hotel Restaurant seien momentan ungefähr 50 Prozent der Zimmerkapazität belegt. Insbesondere stornieren Geschäftsleute ihre Zimmer. Siggi Baumhove erklärt, dass er besonders von Monteuren und Geschäftsleuten abhängig sei, nicht vom Tourismus.

Im Vergleich zu der Zeit vor der Corona-Pandemie habe Nußbaum rund 40 bis 60 Prozent weniger Hotelgäste. Es fänden beispielsweise keine Tagungen und keine Schulungen mehr in der Umgebung statt, weshalb ihm unter anderem auch die Belegung fehle.

Außerdem wurden in dieser und der vergangenen Woche sehr viele Zimmer storniert. „Hamm und Werne werden miteinander verbunden. Als die Zahl der Infizierten in Hamm anstieg, fingen die Stornierungen auch hier an“, merkt Horst Nußbaum an.

„Man kann doch einmal im Leben auf das Reisen verzichten“

Einige Bundesländer diskutieren momentan, ob sie ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Hotspots einführen sollen. Lisa Micke habe dazu noch keine Meinung. Im Umkehrschluss fragt sie sich jedoch: „Dürften wir dann überhaupt jemanden beherbergen? Schließlich sind wir ja auch ein Risikogebiet.“

Siggi Baumhove kann das Beherbergungsverbot nicht nachvollziehen. Er weiß nicht, wo man sicherer schlafen könne. Alle Zimmer würden gesäubert, desinfiziert und alle Regeln würden eingehalten, so Baumhove.

Der Inhaber von Kolpinghaus hat zu dem Beherbergungsverbot eine ganz andere Meinung: „Man kann doch einmal im Leben auf das Reisen verzichten. Stattdessen kann man doch in seinem Wohnort ins Restaurant essen gehen und die Wirtschaft vor Ort unterstützen“. Er beteuert, dass weniger auch mal mehr sein könne und diese Maßnahme gleichzeitig auch gut für die Umwelt sei.

„Jeder Mitbürger eines Ortes könnte seinem eigenen Ort und Gastronomen helfen. Wir könnten alle zusammen einfacher durch diese Zeit gehen“, sagt er weiter.

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Gastronomische Betriebe müssen von 23 bis 6 Uhr geschlossen bleiben

Eine der Corona-Regeln schrieb zunächst vor, dass gastronomische Betriebe von 1 bis 6 Uhr schließen müssen. Am Wochenende dann wurde diese Sperrstunde noch einmal auf 23 Uhr vorgezogen. Für Siggi Baumhove und Horst Nußbaum ändert sich aufgrund dieser Regel nichts, weil ihre Restaurants schon eher schließen.

Auch Micke sagt, dass der Restaurantbetrieb zu dieser Zeit normalerweise „durch“ sei. Jedoch gäbe es manchmal Veranstaltungen - sofern diese in der jetzigen Lage erlaubt sind - bei denen die Leute eigentlich länger bleiben würden.

Dass die Sperrstunde nun von 1 auf 23 Uhr vorverlegt wurde, stellt für die Werner Wirte keine Bedrohung dar. Baumhove erklärt, dass ihn diese Regelgung nicht so stark betrifft, da seine Küche bereits um 21 Uhr schließt. Befürworten tut er die vorgezogene Sperrstunde aber trotzdem nicht, da er befürchtet, dass manche Gäste aufgrund dessen womöglich gar nicht erst in ein Restaurant gehen würden.

Die Empfangsmitarbeiterin sieht diese Regelung als erfolglos an, weil Personen sich dafür bei sich Zuhause miteinander treffen können. Im Restaurant hingegen könne man Regeln, wie zum Beispiel die Abstandsregeln, besser einhalten als bei den Leuten zu Hause.

Alle Firmen-Weihnachtsfeiern werden storniert

In den vergangenen Jahren fanden bei den Gastronomen in Werne auch viele Firmen-Weihnachtsfeiern statt - In Zeiten von Corona wollen bzw. dürfen viele Unternehmen aber keine Weihnachtsfeier mehr durchführen.

„Die Firmen feiern schon alleine aus dem Grund keine Weihnachtsfeier, weil sie Angst haben, dass ihr Betrieb dadurch lahmgelegt wird“, erklärt Nußbaum. Eine Krankenhausstation mit 30 bis 40 Personen darf vom Träger aus keine Feier veranstalten, weil die ganze Station dadurch erkranken könnte, belegt er.

Für dieses Jahr wurden fast alle Weihnachtsfeiern storniert. „Zwei Firmen haben ihre Feier bisher noch nicht storniert - die haben wahrscheinlich nur noch nicht daran gedacht“, führt er fort. Baumhove Hotel Restaurant habe sich wegen der vielen Stornierungen bereits eine Alternative überlegt - einen fertigen Weihnachtsbock zum mitnehmen.

In den vergangenen Jahre bot das Hotel am Kloster zu Weihnachten ein Buffet für rund 140 Gäste an. „So viele Personen auf einer Ebene kann man sich mittlerweile gar nicht mehr vorstellen“, erklärt Micke. Deshalb wird es in diesem Jahr ein Weihnachtsmenü für weniger Personen geben.

„Wir hampeln von Monat zu Monat und kämpfen ums überleben“

Im Hinblick auf die Zukunft ist Micke zuversichtlich: „Es sollte alles gut werden, unsere Gäste wissen, dass sie sich sicher bei uns fühlen können“. Baumhove hofft, dass sich die Situation im Frühjahr verbessern wird und kein weiterer Lockdown - schon gar nicht über Weihnachten - veranlasst wird.

„Wir hampeln von Monat zu Monat und kämpfen ums überleben“, beklagt sich Horst Nußbaum. Gerade in dieser Branche sei es extrem. Die Corona-Krise habe auch zu drastischen Umsatzeinbußen geführt. Im Vergleich zum letzten Jahr habe das Kolpinghaus 60 Prozent weniger Umsatz gemacht, aber trotzdem dieselben Kosten wie zuvor gehabt, verdeutlicht er die momentane Lage.

Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Gastronomien und Kneipen aufgrund des Lockdowns im März viele Lebensmittel wegwerfen mussten. Das habe auch zu extremen Umsatzeinbüßen geführt. „Wir sind wieder kurz vor einem Lockdown. Wenn es wirklich dazu kommt und wir wieder alles wegwerfen müssen, dann ist Feierabend“, sagt der Inhaber von Kolpinghauses.

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