Neue Zinke-Stadtvillen sind weiter nicht barriefrei

Zwei Stufen zu viel

Zwei Stufen an den neuen Stadtvillen auf dem Werner Zinke-Gelände sorgen weiter für Gesprächsstoff - denn sie sind ein Hindernis für Rollstühle und Rollatoren. Vor drei Monaten hieß es, sie müssten einer Rampe weichen. Nun ist aus dem Stadthaus zu hören: alles in Ordnung und mit der Barrierefreiheit zu vereinbaren.

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, 01.04.2016, 06:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Die Barrierefreiheit, die sein muss, ist ja auf der anderen Seite gegeben", erklärt Monika Geißler vom Planungsamt auf Anfrage unserer Redaktion. Das stehe so in der Baugenehmigung, deswegen habe sie das Gebäude inklusive der Stufen Ende der Arkaden längs der Burgstraße abgenommen.

Rollstuhlfahrer müssen Umweg nehmen

Anfang Dezember lautete die Auskunft aus der Verwaltung noch ganz anders. Tiefbauamtsleiter Gisbert Bensch hatte damals auf Anfrage geantwortet, dass eine Bauabnahme mit diesen Stufen für ihn nicht infrage käme.

Er habe deswegen beim Bauherrn, Pro Urban, interveniert. Die Antwort lautete: alles so genehmigt. Was laut Planungsamt auch stimmt.

Dennoch bleibt Bensch im Gespräch mit unserer bei seiner Auffassung, die Stufen müssten an dieser Stelle weg. "Rollstuhlfahrer oder Rollator-Nutzer müssen nun einen Umweg in Kauf nehmen. Glücklich bin ich mit dieser Lösung nicht."

Auch die Politik in Form des Planungsausschuss-Vorsitzenden Michael Zurhorst (CDU) verwendet das Adjektiv "unglücklich". Eine vehemente politische Initiative zu entfachen, wäre seiner Meinung nach aber übertrieben. 

Privatgrundstück ist im Weg

Wenig glücklich ist Gisbert Bensch zudem mit der Situation auf der anderen Seite des Neubauprojektes. Am Schwanenplatz, an der Ausfahrt zur Tiefgarage der Stadtvillen, ist ein Engpass entstanden. Dort ragt ein rund 80 Quadratmeter großes Privatgrundstück in die gepflasterte Fläche von Pro Urban hinein.

Laut Bebauungsplan waren dort ursprünglich sechs Parkplätze für die Steinstraße 36 vorgesehen. Aufgrund der Feuerwehrzufahrt fiel ein Parkplatz weg. Jetzt entfallen wegen des Privatgrundstücks, das nicht zur Erschließungsfläche gehört, drei weitere Stellplätze. Sie wären zu kurz und würden außerdem die Zufahrt zu den übrigen Plätzen sowie die Ausfahrt der Tiefgarage blockieren.

Gisbert Bensch zu der Situation: "Das ist nicht mehr unsere städtische Fläche. Die Situation ist sehr unglücklich, ich hoffe auf eine Lösung."

Keine Pflasterung erlaubt

Egbert Möller, Geschäftsführer von Pro Urban, kennt das Problem, habe auch eine Lösung angeboten, sei aber bei dem Privatbesitzer abgeblitzt: "Wir wollten sein Gelände auf unsere Kosten pflastern. Das hat er vehement abgelehnt."

Befahren dürfte man die Fläche aber, so Möller, denn eine sogenannte Baulast in den Verträgen sehe das vor. Allerdings liegt die Fläche deutlich tiefer und ist daher nur mühsam zu befahren. Wie es weitergeht? Möller: "Da müssen Sie die Stadt fragen."

Umgehung für Steinstraße

Ein weiteres Problem stellt offenbar die neue Zufahrt zu den Hauseingängen der Stadtvillen dar. Diese Einbahnstraße zwischen den Neubauten und der alten Bebauung an der Westmauer sollte ursprünglich nur an bestimmten Tagen geöffnet werden. Sim-Jü beispielsweise.

Anwohnerin Marlene Schurigt beklagt: "Jetzt wird die Straße als Umgehung für die einseitig gesperrte Steinstraße genutzt."

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sieht es Mitte März 2015 auf der Zinke-Baustelle aus

Dass die Bauarbeiten auf dem alten Zinke-Gelände vorangehen, konnte man in den vergangenen Wochen und Monaten gut verfolgen. Der Rohbau ist so gut wie fertig. Dort sollen fünf Stadtvillen mit 40 Wohnungen auf einer großen Tiefgarage entstehen. Wie es mittlerweile aussieht, können Sie in unserer Fotostrecke sehen.
17.03.2015
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Die Dächer stehen kurz vor der Fertigstellung. Solange kann man noch den Ausblick genießen.© Foto: Jan Hüttemann
Baustellenleiterin Olga Schlutgawer ist zufrieden: "Wir liegen gut in der Zeit."© Foto: Jan Hüttemann
Olga Schlutgawer (l.) und Sherif Ibrahimi kontrollieren regelmäßig den Fortschritt auf der Baustelle.© Foto: Jan Hüttemann
Noch gibt es reichlich zu tun auf dem alten Zinke-Gelände.© Foto: Jan Hüttemann
Zurzeit müssen Stützen noch die Dächer tragen.© Foto: Jan Hüttemann
Noch gibt es reichlich zu tun auf dem alten Zinke-Gelände.© Foto: Jan Hüttemann
Von außen kann man bald nicht mehr viel sehen: Die meisten Arbeiten verlagen sich zunehmend nach innen.
Beim Abdichten der Wände nutzen die Arbeiter Flammenwerfer. Diese Folie schützt die Fensterrahmen vor der Hitze.© Foto: Jan Hüttemann
Mit diesen Matten dichtet dieser Arbeiter die Wände ab. So kann kein Wasser durchdringen.© Foto: Jan Hüttemann
Noch gibt es reichlich zu tun auf dem alten Zinke-Gelände.© Foto: Jan Hüttemann
Wer ganz oben arbeitet, sollte besser schwindelfrei sein.© Foto: Jan Hüttemann
Der Keller samt Tiefgarage ist mittlerweile schon weit ausgebaut.© Foto: Jan Hüttemann
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