Neuer Radring führt um die Innenstadt von Werne

Eine (fast) runde Sache

Auf dem Weg zur fahrradfreundlichen Stadt hat Werne nun auch einen Radring um die Innenstadt ausgeschildert. Ganz ausgereift ist die an sich gute Idee allerdings nicht: An einigen Stellen gibt es noch Irritationen.

Werne

, 06.11.2017, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Radring biegt hier nach rechts aus der Fußgängerzone ab. Geradeaus ist die Weiterfahrt mit dem Rad nur zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens erlaubt – eigentlich.

Der Radring biegt hier nach rechts aus der Fußgängerzone ab. Geradeaus ist die Weiterfahrt mit dem Rad nur zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens erlaubt – eigentlich. © Daniel Claeßen

Die Schilder sind unscheinbar: Quadratisch, weiß mit schwarzer Schrift und nicht gerade groß. Ihre Pfeile führen den Radfahrer im Kreis um die Werner Innenstadt herum – vom Busbahnhof über Bült und Südmauer sogar ein Stück durch die Fußgängerzone bis zur Burgstraße, von dort über den Roggenmarkt zurück zum Busbahnhof.

Die Beschilderung ist der letzte Baustein, der noch zur Komplettierung des neuen Radrings fehlt. Vor drei Jahren hatte die Politik beschlossen, dass 140.000 Euro teure Projekt zu realisieren. Das Land Nordrhein-Westfalen förderte diese Maßnahme zu 70 Prozent, steuerte also 98.000 Euro bei. Die ersten Maßnahmen kamen sogar recht zügig – nur knapp ein Jahr nach dem Beschluss gab es vor dem Stadthaus neben dem Zebrastreifen einen rot markierten Radweg, der den Zweirädern absoluten Vorrang gegenüber Autos einräumt.

An Stellschrauben drehen


„Danach hat sich die Sache etwas hingezogen“, sagt Winfried Hoch, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Werne. „Aber natürlich finden wir es sehr gut, dass man nun auf dem Rad um die Innenstadt herum kommt.“ Allerdings müsste bei den Schildern noch nachgebessert werden: „So ist die Burgstraße noch nicht als Fahrradstraße beschildert. Und die Fußgängerzone ist nur in eine Richtung als Radring ausgewiesen.“ Zwei Punkte, die auch Tiefbauamtsleiter Gisbert Bensch bekannt sind. „Wir haben jetzt erst mal die Schilder aufgehängt und sind auch ganz froh darüber. Dann folgt das Nachjustieren.“

Gerade die Fußgängerzone ist ein Knackpunkt: Der Abschnitt zwischen Griesetorn und Burgstraße ist in diesem Zuge für Fahrräder dauerhaft freigegeben. Wer aus Richtung Burgstraße kommt, darf jedoch zwischen 8 und 19 Uhr nicht am Griesetorn geradeaus weiterfahren – dort ist nur noch reiner Fußgängerbereich. Das scheint jedoch (noch) nicht jedem Radfahrer bewusst zu sein.

Und wer mit dem Rad aus dem Griesetorn kommt, kann nicht auf Anhieb erkennen, dass es nach rechts hin ein Fahrverbot gibt – ebenso wenig ist aus Richtung Marktplatz ersichtlich, dass ab dieser Stelle Fahrräder nun erlaubt sind. „Wir kennen die nötigen Stellschrauben und werden daran drehen“, verspricht Bensch. Auch das Schild an der Burgstraße soll in Kürze folgen.

Warten auf Parkkunden


Als fahrradfreundliche Stadt bietet Werne auch eine besondere Abstellmöglichkeit für die Drahtesel an: Das Parkhaus am Busbahnhof. Ursprünglich als reine überdachte Stellfläche geplant, gelang mit 50.000 Euro Eigenmitteln, rund 10.000 Euro vom Kreis Unna sowie Fördermitteln des Landes die Errichtung eines per Zaun und Videoüberwachung gesicherten Parkraums.

Es läuft nicht: Das Fahrradparkhaus am Busbahnhof steht leer, die Räder parken stattdessen in den Ständern davor. Nach der einjährigen Testphase wird im Sommer 2018 über Verbesserungen nachgedacht.

Es läuft nicht: Das Fahrradparkhaus am Busbahnhof steht leer, die Räder parken stattdessen in den Ständern davor. Nach der einjährigen Testphase wird im Sommer 2018 über Verbesserungen nachgedacht. © Daniel Claeßen

Auch hier zog sich die Fertigstellung hin, Eröffnung feierte die Betreiberin „DasDies Service GmbH“ im Juli. Großes Manko: Bisher funktioniert die Nutzung ausschließlich über ein Jahresticket, das man für 50 Euro im Stadthaus erwerben kann. Dieses Ticket ermöglicht zusätzlich – für jeweils einen Euro – die Benutzung von acht weiteren Parkhäusern oder Radstationen im Kreis Unna.

Radtouristen, die vielleicht nur für einen Tag Station machen, haben jedoch wenig von dieser Regelung: Stunden- oder Tagestickets gibt es nicht. „Die Politik hat eine einjährige Testphase beschlossen. Danach sehen wir, was eventuell verändert werden muss“, sagt Gisbert Bensch.

Zu Beginn hatten sich ganze sechs Interessenten gemeldet. „Im Großen und Ganzen ist es dabei geblieben“, so Bensch, der die Hoffnung jedoch nicht aufgibt: „Der Werner wartet ja gerne erst mal ab. Wir hoffen, dass sich da demnächst etwas mehr tut.“

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