Obwohl Klaus Wortmann (67) seit einem Jahr in Rente ist, denkt der Schwimmmeister längst nicht ans Aufhören. Das freut seinen Arbeitgeber, das Solebad. Aber was sagt seine Frau?

Werne

, 05.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Das war‘s für heute!“ Klaus Wortmann verbeugt sich. Die Gäste klatschen und bedanken sich. 20 Minuten kostenlose Wassergymnastik sind an diesem Morgen zu Ende. „Die Gymnastik und die Kurse im Wasser mache ich am liebsten“, sagt Klaus Wortmann, der nach eigenen Angaben rund 6500 Kindern in Werne das Schwimmen beigebracht hat.

Ob Sportkurse, Moderationen bei Veranstaltungen wie die „Nacht der Sinne“ oder Schwimmunterricht für Kinder. Klaus Wortmann ist überall einsatzbereit. Und das, obwohl der gebürtige Werner schon seit acht Jahren in Teilzeit und vor gut einem Jahr in Rente gegangen ist.

Solebad ist seine berufliche Heimat

Ans Aufhören oder in seinem Fall besser formuliert ans Abtauchen denkt er noch lange nicht. „Solange ich fit bin und es mir Spaß macht, bin ich hier“, sagt der 67-Jährige. Das Solebad Werne ist seine berufliche Heimat - und das schon seit 42 Jahren. 1977 hat Wortmann bei der Stadt Werne eine Ausbildung zum Schwimmmeister gemacht. Durch seinen Kumpel Helmut Goldmann, dem einstigen Schwimmmeister und Vorsitzenden der Wassersportabteilung der TV Werne 03 Wasserfreunde, kam er zu seinem Beruf. Wortmann, der erfolgreich für den TV Werne Wasserball gespielt hat, musste nicht lange überlegen.

Längst nicht abgetaucht: Schwimmmeister Klaus Wortmann (67) arbeitet nach der Rente weiter

Die Sportkurse, wie hier etwa die Sole-Wassergymnastik, machen Klaus Wortmann am meisten Spaß. Im alten Solebad hat er das Kursprogramm mit aufgebaut. © Andrea Wellerdiek

Vom Hobby zur Berufung

Er machte sein Hobby zum Beruf oder zur Berufung. Eigentlich ist Wortmann nämlich gelernter Maler und Lackierer. Als er 50 Jahre alt ist, geht er noch einmal zur Schule, macht die Prüfung zum Meister für Bäderbetriebe. Er hat ausschließlich im Solebad Werne gearbeitet. „Das ist schon sehr speziell. Vor allem ist es etwas Besonderes, gleich drei Bäder mit abgeschlossen und mit eröffnet zu haben“, erzählt der 67-Jährige.

Für das neue Solebad, das Mitte April eröffnet wurde, hat er viel Lob über. Aber auch im Lehrschwimmbecken Stockum war er lange für die Kontrollen und Messungen des Wassers zuständig. „Das ist seit 42 Jahren mein täglich Brot“, sagt Klaus Wortmann. So viel Erfahrung wie Wortmann hat keiner. Deshalb sind die Verantwortlichen des Solebads dankbar, dass sie weiterhin auf den Rentner zählen können.

„Solange ich fit bin und es mir Spaß macht, bin ich hier.“
Klaus Wortmann, Schwimmmeister

Wichtiger Berater

„Er hat natürlich eine riesige Verbundenheit zum Solebad und kennt viele Prozesse. Im alten Bad kannte er jede Schraube“, erklärt Badleiter Jürgen Thöne, der seit acht Jahren an der Spitze des Bades steht. Nicht selten rief Thöne schon in der Vergangenheit bei Klaus Wortmann an, bat ihn um Rat oder fragte nach, wenn mal etwas verschwunden war.

„Wenn ich mal etwas gesucht habe, wusste Klaus meistens, wo man es findet - oder wo er es selbst hin verlegt hat“, sagt Thöne mit einem Augenzwinkern.

Längst nicht abgetaucht: Schwimmmeister Klaus Wortmann (67) arbeitet nach der Rente weiter

Klaus Wortmann, der in Werne geboren wurde und noch nie woanders lebte, ist eine Institution in der Lippestadt. © Andrea Wellerdiek

Erfahrung und Tipps

Klaus Wortmann, der heute auf 450-Euro-Basis und nach Bedarf im Solebad arbeitet, ist für den Betrieb im neuen Bad eine echte Allzweckwaffe und ein wichtiger Ratgeber - sowohl für die Verantwortlichen als auch für die Mitarbeiter.

Wortmann gibt seine Erfahrung und seine Tipps gern weiter. „Den Oberlehrer spiele ich aber auf keinen Fall“, sagt der 67-Jährige, der regelmäßig ins Fitnessstudio geht.

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Klaus Wortmann ist ein „Special Agent“

Seine Frau Hildegard habe kein Problem damit, dass er immer mal wieder im Solebad aushilft. „Solange die gemeinsame Zeit darunter nicht leidet und ich den Kaffee und Kuchen auf den Tisch stelle, wenn sie wieder von der Arbeit nach Hause kommt, ist alles in Ordnung“, sagt Klaus Wortmann mit einem Schmunzeln.

„Und wenn ich hier bin, kann ich mich auch bei Arbeiten zu Hause etwas ausklinken.“ Da muss er wieder lachen. Im Solebad ist er heute die gute Seele und ein „Mädchen für alles“. Badleiter Jürgen Thöne bezeichnet ihn neudeutsch als „Special Agent“.

„Er hat einfach ein bisschen Chlorwasser im Blut.“
Jürgen Thöne, Badleiter

Immer dort, wo er aushelfen oder Prozesse unterstützen kann, ist Klaus Wortmann zur Stelle. „Er hat einfach ein bisschen Chlorwasser im Blut“, meint Thöne dazu. Auch wenn er viel Zeit im Solebad verbringt, zieht Wortmann selbst nur noch selten Bahnen hier. „Ich habe früher zu meinen Wasserball-Zeiten sehr viel im Wasser trainiert. Irgendwann reicht es dann“, sagt er.

Lieber an Land, als im Wasser

Von der Arbeit am Beckenrand kriegt Klaus Wortmann, der auch zweimal wöchentlich einen Schwimmunterricht in seinem Verein TV Werne 03 Wasserfreunde leitet, allerdings nicht genug.

„Ich helfe einfach gerne, wo ich kann. Und der Zwang ist weg. Es macht mir einfach alles Riesenspaß“, sagt Wortmann. Das war‘s also noch lange nicht.

Längst nicht abgetaucht: Schwimmmeister Klaus Wortmann (67) arbeitet nach der Rente weiter

Verbeugung: „Das war‘s für heute!“, sagt Klaus Wortmann nach der Wassergymnastik-Einheit. Für den 67-Jährigen ist selbst längst noch nicht Schluss. © Andrea Wellerdiek

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