Overmann verkauft Graue Erbsen für traditionelles Faschingsessen als einziger Händler in NRW

mlzTraditionsgericht

Seit einigen Jahrzehnten kommen sie an Aschermittwoch oder in der Fastenzeit auf den Tisch: Graue Erbsen. Traditionalisten finden sie beim Einkauf nur bei Overmann. Und das ist einzigartig in NRW.

Werne

, 03.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwischen regionalem Obst und Gemüse findet sich pünktlich zu den Karnevalstagen eine traditionelle und nur selten angebotene Speise im Sortiment des Lebensmittelhändlers Clemens Overmann. Die Grauen Erbsen, oder auch Kapuzinererbsen genannt, kommen ursprünglich aus Norddeutschland, werden seit vielen Jahrzehnten aber auch in Werne gerne gegessen.

Anfänglich als Arme-Leute-Essen tituliert, hat es mittlerweile den Status einer traditionellen Delikatesse bekommen. Zu Aschermittwoch und in der Fastenzeit tischen sowohl private Köche als auch Restaurants und Gasthäuser die Erbsen für ihre Familien und Gäste auf. Allerdings nur in wenigen Regionen.

Overmann in NRW der Einzige, der die Erbsen anbietet

„Ursprünglich kommen die Kapuzinererbsen aus Friesland“, erklärt Overmann, der die Hülsenfrüchte seit vielen Jahren in seinem Geschäft anbietet. „Hier bei uns in Werne ist es aber auch schon seit über hundert Jahren Tradition, sie nach Karneval zu servieren.“ Damit seine Kunden nicht auf das Gericht verzichten müssen, bestellt er jedes Jahr bei einem friesischen Händler Graue Erbsen.

„Ich lege viel Wert darauf, regionale aber auch traditionelle Lebensmittel anzubieten“, so Overmann weiter. Regionalität sei bei den Kapuzinererbsen jedoch schwer zu garantieren, da nur noch wenige Landwirte sie anbauen. „In Friesland liefert mittlerweile nur noch ein Händler Graue Erbsen. Und in NRW bin ich meines Wissens sogar der Einzige, bei dem man sie kaufen kann.“

Graue Erbsen der Tradition nach aus Elmshorn in Schleswig-Holstein

Dabei geht die Tradition des Gerichtes viele hundert Jahre in der Geschichte zurück. Als relativ sicher gilt, dass es in Elmshorn in Schleswig-Holstein und dem Umland seinen Ursprung findet. Wie es jedoch dazu kam, dass die Menschen anfingen, Graue Erbsen selber zu essen und nicht an die Tiere zu verfüttern, darüber ranken nur Legenden.

Traditionell zu den Karnevalstagen gibt es wieder Graue Erbsen bei Overmann. Clemens Overmann bietet sie als einziger Händler in Nordrhein-Westfalen an.

Traditionell zu den Karnevalstagen gibt es wieder Graue Erbsen bei Overmann. Clemens Overmann bietet sie als einziger Händler in Nordrhein-Westfalen an. © Andrea Wellerdiek

Manche behaupten, dass in einem besonders strengen Winter alle Lebensmittel verbraucht waren. Nur am damaligen Hafen von Elmshorn lagen noch einige Säcke Kapuzinererbsen, die dann an die Bevölkerung verteilt wurden und mit denen sich die Einwohner über Fastnacht retteten. Eine andere Legende geht bis zum Dreißigjährigen Krieg zurück. Ein Landwirt habe zu der Zeit die Erbsen, die er eigentlich immer an seine Schweine verfütterte, gekocht und damit die Menschen vor dem Hunger gerettet.

Irgendwann kamen sie dann nach Werne und galten auch hier lange Zeit als Arme-Leute-Essen. „Bis nach dem Zweiten Weltkrieg zahlte man in vielen Gasthäusern für die Erbsen als Beilage nichts“, erklärt Overmann. Später seien es dann höchstens Pfennigbeträge gewesen. Mittlerweile haben die Grauen Erbsen jedoch ein viel höheres Ansehen und werden längst nicht mehr umsonst angeboten.

Erbsengericht auch auf Speisekarten Werner Restaurants

„Es kaufen nicht nur viele private Kunden jährlich Kapuzinererbsen bei mir ein“, sagt Overmann. „Auch viele Restaurants aus dem Umland bis nach Münster fragen sie bei mir an.“ Vor allem immer für die Karnevalstage und die darauf folgende Fastenzeit. Dann kommen die Erbsen als Beilage zu eingelegtem Hering und eventuell Kartoffeln auf den Tisch.

Graue Erbsen mit Hering Zubereitung: Graue Erbsen einen Tag vor dem Kochen einweichen, dann in Salzwasser 2 bis 3 Stunden weichkochen. Speck oder Butter auslassen, in Ringe geschnittene Zwiebeln im Fett glasig schmoren, Mehl hinzufügen und mit Brühe auffüllen, Erbsen hinzugeben. Anschließend mit Salz, Essig, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken. Dazu wird Hering oder Rollmops gereicht.

In Werne kaufen unter anderem die Betreiber von Mutter Stuff und vom Hotel Baumhove die Kapuzinererbsen bei Overmann ein. An Aschermittwoch und in der Fastenzeit kann man das Werner Traditionsgericht dann vor Ort verköstigen. Doch auch zu Hause wird das Gericht gerne gekocht. Overmann selbst hat sie über viele Jahre seiner Familie und Freunden an seinem Geburtstag serviert.

Kapuzinererbsen auch in den kommenden Jahren bei Overmann

Mittlerweile würde man jedoch einen leichten Rückgang bemerken. „Einige kennen das Gericht inzwischen gar nicht mehr“, begründet der Lebensmittelhändler die Entwicklung. „Aber auch der Klimawandel macht sich hier bemerkbar: Die Landwirte haben Ernteverluste bei heißen Sommern und wenn es im Jahr früher wärmer wird, essen nicht mehr so viele Leute Eintopfgerichte.“

Trotzdem wird es die Kapuzinererbsen - die wegen ihrer braunen Farbe nach den Mönchskutten der Kapuziner benannt wurden - auch in den nächsten Jahren pünktlich vor Karneval bei Overmann geben. Für Aschermittwoch sollten die Tüten (250 und 500 Gramm) jedoch rechtzeitig gekauft werden, da man sie einen Tag vor dem Kochen einweichen muss. Die kleine Portion kostet 1,49 Euro, die große 2,79 Euro.

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