Autofahrer und Lieferanten ignorieren eiskalt die Fußgängerzone

mlzVerkehrsprobleme

Wer als Passant die Fußgängerzone im Bereich zwischen Telgmann und Sparkasse nutzt, muss aufpassen, nicht von Autos angefahren zu werden. Außerdem parken hier verbotswidrig oft Autos.

Werne

, 14.02.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit den 1990er-Jahren ist die Straße Markt in Werne, von der scharfen Kurve Bült bis zur Sparkasse, ein Teil der Fußgängerzone. Doch selbst nach mehreren Jahrzehnten fahren hier wie selbstverständlich Autos durch. Oder sie parken verbotswidrig.

Die Hoffnung der Stadtplaner sowie der Ordnungsbehörde, dass sich mit der neuen Pflasterung vor einigen Jahren die Situation verbessern könnte, hat sich nicht erfüllt. Obwohl die Neugestaltung den Charakter eines Fußgängerbereiches widerspiegelt, fahren Autos und Lieferanten ungehemmt durch.

Lieferdienste sind oft viel zu schnell in der Fußgängerzone

„Gerade Lieferdienste, die unter Zeitdruck stehen, sind dort unangemessen schnell unterwegs“, sagt Ordnungsamtschefin Kordula Mertens auf Anfrage. Wenn man die Fahrer auf ihr Fehlverhalten anspreche, reagierten sie meist ungehalten.

„Die Fahrer stehen ja auch enorm unter Zeitdruck“, zeigt Mertens ein gewisses Maß an Verständnis. „Aber es geht einfach nicht, dass Fußgänger gefährdet werden.“

Autofahrer und Lieferanten ignorieren eiskalt die Fußgängerzone

Die Blumenkübel vor dem Salinenparc haben sich gegen Falschparker bewährt. © Vanessa Trinkwald (A)

Jürgen Menke von der Stadtverwaltung verweist auf die aktuellen Regelungen. „Generell dürfen Anlieferer zwischen 19 und 11 Uhr für Liefervorgänge in die Fußgängerzone einfahren.“ Parken, um dann eine halbe Stunde diverse Pakete an unterschiedlichste Adressen zu bringen, sei aber nicht erlaubt. Diese Lieferregelung, so Menke, gelte von montags bis samstags.

Dann gibt es Anwohner, die ihre Stellplätze auf privaten Grundstücken innerhalb der Fußgängerzone haben. Um die anfahren zu können, erhalten sie eine Durchfahrtsgenehmigung: „Davon haben wir, grob geschätzt, 30 Stück ausgestellt“, sagt Menke. Parken dürften diese Fahrzeuge aber nur auf den privaten Flächen.

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Hinzu kommen spezielle Regelungen für Handwerker. Befindet sich etwa eine Baustelle innerhalb der Fußgängerzone, müssen die Handwerker eine Ausnahmeregelung beantragen. Menke: „Die stellen wir für maximal vier Wochen aus. Danach muss sie neu beantragt werden.“

Bei Notfällen, wie etwa einem Wasserrohrbruch, könnten die Handwerker aber einfach so in die Fußgängerzone einfahren. Weitere Ausnahmen: Schwerbehinderte mit Sonderausweis sowie Hotelgäste, die zum Gepäcktransport rein- und rausfahren dürfen.

Parken in der Fußgängerzone ist nicht erlaubt

Nicht erlaubt dagegen: tagsüber mal eben in die Fußgängerzone fahren, das Auto an der Stirnseite des Hotels Ickhorn parken und zum Geldautomaten oder zum Brötchenkauf gehen.

Genau das ist häufig zu beobachten, sagte auch Maximilian Falkenberg von den Bündnisgrünen am Mittwochabend im Ausschuss für öffentliche Ordnung: „Vergangenen Sonntag habe ich dort fünf parkende Autos gesehen.“

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Aufgrund seiner Beobachtung entwickelte sich im Ausschuss eine lebhafte Debatte über die Missstände in diesem Bereich der Fußgängerzone. Ein Vorschlag, um zumindest das Parken zu verhindern: Blumenkübel aufzustellen wie am Salinenparc. „Das hat ganz gut dort geholfen“, warb ein Ausschussmitglied für diese Idee.

Knackpunkt: Im Gegensatz zum Salinenparc ist dieses Stück Fußgängerzone Teil des Wochenmarktes. Entweder müsste der Bauhof das Hindernis zweimal die Woche auf- und abbauen. Oder es müsste eine neue Standverteilung her.

David Ruschenbaum vom Stadtmarketing, verantwortlich für den Wochenmarkt, sagt auf Anfrage: „Tatsächlich ist das die Fläche des Wochenmarktes.“ Näher kommentieren wolle er die Pläne nicht, dort eventuell Blumenkübel als Sperren aufzustellen.

Kommentar von RN-Redaktionsleiter Jörg Heckenkamp

Die Macht der Gewohnheit

Auch mich hätte in diesem Bereich der Fußgängerzone beinahe mal ein Pkw angefahren. Andererseits kann ich das Bedürfnis verstehen, am Sonntag „mal eben“ in den Tabu-Bereich zu fahren, „um ganz schnell“ Geld zu holen oder Brötchen zu kaufen. Deswegen ist das Problem auch nicht einfach zu lösen. Kontrollen durch Polizei (für den fließenden Verkehr) oder Ordnungsamt (Parken) haben nur beschränkte erzieherische Wirkung und können aus Kapazitätsgründen nur sporadisch stattfinden.
Ein weiteres Problem kommt hinzu: der Nachahmer-Effekt. Es gibt nun mal Fahrzeuge (Anlieger, Hotelgäste etc.) die durch die Fußgängerzone fahren dürfen. Die dienen dem ein oder anderen als Legitimation, auch „mal eben“ dort durchzufahren. Auf ein Auto mehr oder weniger kommt’s doch nicht an, oder?

Kommt es doch. Je weniger Fahrzeuge in dem gesperrten Bereich unterwegs sind, desto höher die Aufenthaltsqualität für die eigentlichen Nutzer: die Fußgänger. Und so verspricht nur ein Bündel von kleineren Maßnahmen auf Dauer Erfolg. Wie etwa Park-Sperren durch Blumenkübel, Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt, Gespräche über die Anlieferzeiten und so weiter. Auch der Passant, der sich durch einen Pkw bedrängt fühlte, sollte sich nicht scheuen, den Fahrer freundlich, aber bestimmt auf sein Fehlverhalten hinzuweisen.
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