Besuche im Minuten-Takt: Pflegeheime bereiten Begegnung mit Angehörigen vor

mlzLockerungen in Seniorenheimen

Angehörige dürfen ab Sonntag in der Corona-Krise wieder ihre Familienmitglieder in Senioren- und Pflegeheimen besuchen. Die Einrichtungen in Werne bereiten sich auf Besuche im Minuten-Takt und ohne Körperkontakt vor.

Werne

, 07.05.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geschenk zum Muttertag: Ab Sonntag, 10. Mai, sind Besuche in Senioren- und Pflegeheimen wieder möglich. Dabei gelten strenge Hygieneregeln. In Werne bereiten sich die Einrichtungen akribisch darauf vor. Klar ist, dass Besuche unter Zeitdruck sein werden. Denn möglichst viele Bewohner sollen die Möglichkeit bekommen, ihre Angehörigen zu sehen.

Im 45-Minuten-Takt können sich im Pflegeheim St. Katharina ab Sonntag Angehörige und Bewohner sehen, wie Einrichtungsleiter Rudolf Voß erklärt. Dazu richten die Verantwortlichen drei voneinander getrennte Besucherboxen auf der Außenterrasse vor dem Café ein.

Kommunikation per Telefon

Die Bewohner werden im Café vor eine geschlossene Terrassentür gesetzt. Auf der anderen Seite können zwei Besucher Platz nehmen. Per Mobiltelefon können sie miteinander kommunizieren. Bei Regen könnten die Besucher unter Pavillons rücken.

Eine wetterunabhängige Begegnungsstätte bauen Tischler am Mittwoch, 6. Mai, auf der Terrasse auf. In der Besucherbox mit „Wohnzimmer-Charakter“ (O-Ton Rudolf Voß) kann sich eine Familie treffen. Die Besuchszeit ist jeweils auf 30 Minuten begrenzt. Im Rhythmus von 45 Minuten finden die Besuche statt.

15 Minuten bräuchte man, um die Bewohner wieder in ihre Zimmer zu führen und die Tische und Stühle für den nächsten Besuch zu desinfizieren, so Voß. Die Besucher müssen sich vorab anmelden, sich vor Ort einem Screening unterziehen und Fragen zum Gesundheitszustand beantworten.

„Es freut mich für die Bewohner und die Familien, dass wir ihnen wieder einen Kontakt ermöglichen können. Man hat schon gemerkt, dass die Bewohner und die Mitarbeiter in dieser Zeit besonders gut aufeinander acht gegeben haben. Das Ganze hat sie ein Stück weit näher zusammengebracht“, erklärt Voß.

Keine Umarmung, kein Händeschütteln

Ein Wiedersehen nach langer Zeit gibt es ab Sonntag auch im Seniorenzentrum Antonius. Im Café und in der Personalcaféteria, die über die Terrassen zugänglich sind, soll es Begegnungsmöglichkeiten mit genügend Abstand geben. Es wird keinen Kontakt geben.

„Ein Händeschütteln oder eine Umarmung ist leider nicht erlaubt. Es wird also alles andere als ein schöner, gemütlicher Besuch zum Muttertag“, sagt Einrichtungsleiterin Anke Adebahr.

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Vor der Zusammenkunft mit einem der insgesamt 146 Bewohner gibt es einen Gesundheitsscreening für die Besucher. Außerdem müssen sie Schutzbekleidung und eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. 15 Minuten dauert jeder Besuch maximal.

Danach werden Tische und Stühle desinfiziert. „Viele Bewohner sind schon traurig, dass sie ihre Angehörigen so lange nicht gesehen haben. Wir müssen dann immer erklären, dass sie gerne kommen würden, es aber bislang nicht durften“, erzählt Adebahr.

Im Café des Seniorenzentrums Antonius werden die Besuche mit Abstand möglich sein. Noch stehen die Tische und Stühle beieinander. Ab Sonntag gilt dann ein Abstand von zwei Metern zwischen Angehörigen und Bewohnern.

Im Café des Seniorenzentrums Antonius werden die Besuche mit Abstand möglich sein. Noch stehen die Tische und Stühle beieinander. Ab Sonntag gilt dann ein Abstand von zwei Metern zwischen Angehörigen und Bewohnern. © Anke Adebahr

Besuch im Außenbereich

In den betreuten Wohnanlagen des ambulanten Pflegedienstes Constanze Jakubke werden in den Gemeinschaftsgärten Besucherplätze eingerichtet. Nur zwei Angehörige, die nicht wechseln dürfen, sind berechtigt, ihr Familienmitglied zu besuchen. Sie müssen sich erst auf ein Gesundheitsscreening einstellen, sowie auf die Desinfektion der Hände vor und nach dem Besuch. 30 bis 45 Minuten gemeinsame Zeit gibt es für jede Familie.

In den Wohnanlagen des ambulanten Pflegedienstes Constanze Jakubke- hier eine Anlage in Herbern - werden in den Gärten Begegenungsorte eingerichtet.

In den Wohnanlagen des ambulanten Pflegedienstes Constanze Jakubke- hier eine Anlage in Herbern - werden in den Gärten Begegenungsorte eingerichtet. © Pflegedienst Constanze Jakubke

Für die meisten wird es die erste Begegnung nach Monaten, wie Constanze Spellerberg, Geschäftsleiterin des Pflegedienstes, erklärt. Die Bewohner hätten die Situation unterschiedlich wahrgenommen.

Keine negativen Veränderungen

95 Prozent der Bewohner leiden laut Spellerberg unter Demenz. „Weil sie weiter Kontakt zu ihren Bezugspersonen, nämlich dem Pflegepersonal, hatten, konnten wir bei den Bewohnern keine negativen Veränderungen erkennen“, so Spellerberg.

Für bettlägerige Bewohner ist generell ein Besuch in der Wohnung oder im Zimmer erlaubt. Die Angehörigen müssen Mund-Nasen-Schutzmaske, Schutzkittel und Handschuhe tragen.

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