Pflegekammer für NRW: „So eine Kammer hätte richtig Power“

mlzNeue Ära für Pflege

Ludger Risse, Pflegedirektor am Werner Krankenhaus, freut sich über den Vorstoß zur Gründung einer Pflegekammer in NRW. Um eine kostenpflichtige Mitgliedschaft käme man dann nicht herum.

Werne

, 11.01.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorstoß von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), eine Pflegekammer für Nordrhein-Westfalen einzurichten, löst bei einem ganz besonders viel Freude aus: Ludger Risse, Pflegedirektor am Christophorus-Krankenhaus in Werne und Vorsitzender des Pflegerates NRW, sieht seine berufspolitischen Ziele noch übertroffen. „Ich bin richtig überwältigt und freue mich riesig über den Erfolg unserer zwanzig Jahre währenden politischen Überzeugungsarbeit.“

Bis Ende 2019 könnte das Kammergesetz stehen

Am Mittwoch (9. Januar) hatte Laumann in Düsseldorf das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter Pflegefachkräften vorgestellt: Demnach haben sich 79 Prozent der befragten Teilnehmer in NRW für die Gründung einer Kammer ausgesprochen. Damit, so Risse, habe man das Umfrage-Ergebnis aus Baden-Württemberg noch übertroffen. Hier waren es 68 Prozent der befragten Teilnehmer. Landespflegekammern gibt es bis jetzt in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Die große Zustimmung werten sowohl Laumann als auch Pflegeratsvorsitzender Risse als Zeichen an die Politik, die Entscheidung schnell umzusetzen. Ludger Risse gab sich am Freitag (11. Januar) im Gespräch mit der Redaktion optimistisch, dass Laumanns Pläne, einen Gesetzentwurf noch vor der Sommerpause in den Landtag einzubringen, auch eingehalten werden. Bis Ende 2019 könnte das Kammergesetz stehen, bis 2021 könnte die Interessenvertretung funktionsfähig sein, schätzt der Diplom-Pflegewirt aus Werne.

„Eine Pflichtmitgliedschaft sichert die Unabhängigkeit“

Mit rund 200.000 Pflegekräften in Nordrhein-Westfalen „hätte so eine Kammer richtig Power“, kommentierte Risse und sprach sich auch für eine Pflichtmitgliedschaft aus: „Das sichert die Unabhängigkeit.“

Hatte der Mitgliedsbeitrag, wie er beispielsweise auch bei Ärztekammern erhoben wird, in Niedersachsen jüngst für Ärger gesorgt, verwies Risse am Freitag darauf, dass eine bei einer möglichen Gründung erhobene Beitragszahlung auch Teil der NRW-Umfrage gewesen war. „Sie lag bei knapp unter fünf Euro“, so Risse. Die Vier habe vor dem Komma gestanden.

„Ob das dann zu halten ist, wird sich zeigen. Letztlich aber entscheiden die Pflegenden in der Kammer selbst über die Höhe des Mitgliedsbeitrags.“ NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann strebt nach eigener Aussage eine politische Anschubfinanzierung in Höhe von 5 Millionen Euro an.

Über Jahre auf eine ablehnende Haltung gestoßen

Jahrelang, so Risse, hätte der Pflegerat politische Überzeugungsarbeit leisten müssen, wobei man immer wieder auf eine eher ablehnende Haltung gestoßen sei. „Mittlerweile ist die Zeit reif.“

Wenn neue Gesetze für die Pflege aufgestellt wurden, saßen Pflegekräfte bisher nicht mit am Tisch. Das soll die Kammer in Nordrhein-Westfalen ändern – und die Pflege in Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Diensten damit auch zu einem emanzipierten Berufsstand machen. „Ein attraktiver Beruf ist ja auch davon gekennzeichnet, dass er nicht zu fremdbestimmt ist“, sagt Ludger Risse.

Bis jetzt und viel zu lange sei das aber der Fall gewesen.

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