Pizza bestellen im Internet: Bequemlichkeit hat für Gastronomen ihren Preis

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Mit dem Smartphone per App oder im Internet Essen bestellen ist längst nichts Ungewöhnliches mehr. Dennoch ist nur eine Werner Pizzeria auf einer Plattform wie Lieferando und Co vertreten.

Werne

, 15.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Egal ob Nachrichten checken oder das Wetter für den nächsten Tag nachschauen – der Griff zum Smartphone ist mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auch dann, wenn man auf der Couch sitzt und sich das Abendessen liefern lassen und nicht selber kochen möchte.

Bei der nächsten Pizzeria anzurufen war schon einfach. Mit Internetplattformen wie Lieferando oder Pizza.de kann der Kunde ganz einfach mit dem Handy bestellen, etwa über eine App.

Nur eine Werner Pizzeria bei Lieferportalen gelistet

Aber: Dafür müssen die Essensanbieter natürlich bei einer oder mehrerer dieser Seiten gelistet sein. Und da wird es in Werne bereits schwierig. Egal bei welchem Anbieter man sucht: Es lässt sich nur eine Pizzeria im gesamten Stadtgebiet finden, bei der man über Lieferando und Co bestellen kann.

Die Pizzeria Angelo aus Stockum ist der einzige Gastronomiebetrieb in Werne, der mit Bestellportalen wie Lieferando kooperiert.

Die Pizzeria Angelo aus Stockum ist der einzige Gastronomiebetrieb in Werne, der mit Bestellportalen wie Lieferando kooperiert. © Sebastian Reith (A)

An mangelnden Gastronomie-Angeboten liegt das nicht. Die Auswahl an Pizzerien und Imbissen ist groß. Doch wie kommt es dann, dass die stetig wachsenden Portale keine Angebote für Werne bieten?

Kosten für Lieferportale für Restaurants zu teuer

Jede Pizzeria kann für sich selbst entscheiden, ob sie eine Kooperation mit einem der großen Lieferportale eingehen möchte. Vor allem ein Grund wird jedes Mal genannt, wenn man bei den Gastronomen nachfragt, warum sie sich nicht bei Lieferando oder Pizza.de listen lassen.

Die Kosten, die bei einer Listung auf der Seite der Lieferdienste anstehen, sind den meisten zu hoch. „Wir müssten uns bei Lieferando oder einem anderen Anbieter für den Service anmelden“, erklärt man uns bei der Pizzeria „Il Mulino“ auf Anfrage. „Das ist uns dann aber zu teuer. Wenn wir das Essen selbst ausliefern, dann verdienen wir am Ende mehr.“

Rund 12 Prozent Provision pro Bestellung

Wie jeder Service kostet auch die Anmeldung auf einem Lieferportal Geld. „Die durchschnittliche Provision für die Restaurants liegt bei rund 12 Prozent vom Bestellwert. Dies gilt für alle großen Plattformen wie Pizza.de oder Lieferheld“, erklärt Bodo von Braunmühl, Pressesprecher der Delivery Hero Germany SE.

Dem Unternehmen gehören mehrere Lieferportale, darunter das 2007 als erstes gegründete Portal „Pizza.de“. Bei Lieferando ist der Wert ähnlich: Dort zahlen Gastronomen 13 Prozent des Bestellwertes für den Service, wie Joris Wilson von dem Unternehmen „Takeaway“, zu dem Lieferando gehört, auf Anfrage der Redaktion erklärte.

Die sogenannte Provision ist die Gebühr, die Restaurants bei jeder Bestellung zu entrichten haben. Die Kosten tragen sie komplett alleine, der Kunde zahlt keinen Aufschlag dafür, wenn er im Internet bestellt.

Bei einer Pizza im Wert von 10 Euro sind es immerhin 1,20 Euro, die der Restaurantbesitzer an die Lieferportale abgeben muss. Der Betrag fällt dann neben Fixkosten, Zutaten und Steuern an und mindert in der Konsequenz den Gewinn.

Hohe Zahl an Bestellungen gleicht Provision aus

Ganz unrentabel kann das System jedoch nicht sein, sonst würden sich nicht deutschlandweit so viele Restaurants daran beteiligen. Die Stockumer Pizzeria Angelo ist die einzige in Werne, die man im Internet unter anderem bei Lieferando findet.

Die Kosten, die durch eine Listung bei dem Lieferdienst anfallen würden, seien zwar hoch, erklärte man uns dort, doch würde sich das bis jetzt nicht negativ auf den Gewinn ausschlagen. „Natürlich ist der Beitrag, den wir zahlen müssen, teuer für uns“, erklärte Angelo Forciniti, Inhaber der Pizzeria im Werner Stadtteil Stockum. „Wir haben damit aber auch eine große Zahl an Bestellungen. Ein Verlustgeschäft ist das also nicht.“

Bequemlichkeit belebt das Geschäft

Die Menge der Bestellungen dürfe nur nicht sinken, dann würde sich eine Partnerschaft mit Lieferando oder Pizza.de nicht mehr lohnen. Diese Befürchtung hat man bei der Pizzeria Angelo jedoch nicht. „Die Menschen werden immer bequemer und bestellen ihr Essen mittlerweile einfach von der Couch aus. Man muss uns ja sogar nicht einmal mehr anrufen, sondern kann ganz schnell vom Handy aus bestellen.“

Hinzu käme auch die Art zu bezahlen. Da man bei allen Lieferdiensten nicht mehr den Pizzaboten an der Haustür bezahlen muss, sondern auch per Rechnung oder Paypal zahlen kann, könne auch dieser Schritt der Bestellung am Smartphone getan werden.

„Manche Leute wollen sich spontan etwas bestellen, haben aber nicht unbedingt genug Bargeld zu Hause. Dann können sie sich aber trotzdem Essen liefern lassen und im Internet bezahlen“, so Forciniti und fügt hinzu: „Ich bekomme mein Geld so oder so.“

Unterstützung der Restaurants durch die Lieferportale

Er wundere sich aber, dass er der einzige in Werne ist, der auf diesen Service zurückgreife. Denn man könne schließlich auch von dem vielgenutzten Angebot profitieren. Dass Kooperationen mit Lieferportalen über die Listung im Internet hinausgingen, bestätigte auch Braunmühl von Delivery Hero.

„Wir übernehmen den Kundendienst, unterstützen beim Marketing und der Produktqualität und versorgen die Restaurants mit Technologien.“ Darunter gehöre unter anderem auch das Ausstatten mit einer professionellen Website.

Manchmal muss man noch zum Telefon greifen

Zudem ist Braunmühl auch der Meinung, dass sich der Umsatz der Restaurants trotz Provision steigere: „Allgemein gesprochen können Gastronomen mit höheren Umsätzen rechnen. Die Marketingausgaben der Plattformen, wie TV-Werbung, sind ja darauf ausgerichtet, dass Menschen die Dienste von Lieferrestaurants in Anspruch nehmen.“

Vielleicht gehen Bestellungen bald nur noch über das eigene Smartphone. Für Werner Pizzerias scheint das jedoch noch nicht zu gelten. Doch ganz egal, ob man sein Essen über das Smartphone und eine App oder aber „oldschool“ per Telefon bestellt – wirklich unbequem ist keine der beiden Varianten.

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