In den Schulen wird es ab Montag deutlich ruhiger. Nur noch die Schüler bis Klasse 7 dürfen zur Schule kommen. Für alle anderen gilt Homeschooling. Über die Entscheidung der Landesregierung wurden die Schulleiter in Werne sehr kurzfristig informiert. © picture alliance/dpa
Coronavirus und Schulen

Präsenzunterricht entfällt: Vor diesen Problemen stehen die Gymnasien in Werne

Homeschooling für ältere und keine Präsenzpflicht für jüngere Schüler: Der Lockdown ab Montag sorgt für Sorgen an Werner Gymnasien. Ein Schulleiter kritisiert, dass alles „mit der Brechstange“ entschieden wurde.

Zehn Minuten lagen zwischen dem Eingang der offiziellen Mail des Schulministeriums NRW und dem Schulschluss am St.-Christophorus-Gymnasium (GSC) in Werne. „Ich konnte mit keinem einzigen Schüler sprechen. Um 13.33 Uhr war kein Schüler mehr hier“, sagt Schulleiter Thorsten Schröer. Sein Kollege Marcel Damberg, Schulleiter am Anne-Frank-Gymnasium, habe einigen Schülern noch zurufen können, dass sie Bücher mit nach Hause nehmen sollten.

Mal wieder erfahren die Verantwortlichen an den Schulen sehr kurzfristig von den Plänen der Landesregierung. Während Ministerpräsident Armin Laschet am Freitagmorgen (11. Dezember) erst die Presse informiert, schickt Thorsten Schröer gerade noch eine Mail an die Eltern heraus mit dem Hinweis, „dass da später noch was kommen könnte“. Und ja, es sollte noch was kommen.

Klausuren können nicht gestrichen werden

Ab Montag (14. Dezember) entfällt der Präsenzunterricht für die Schüler bis zur siebten Klasse. Ab der achten Klasse gilt generell der Distanzunterricht. Während er sich um das Homeschooling an sich keine Sorgen machen würde, habe er „Bauchschmerzen wegen der Kurzfristigkeit und dem Handlungsspielraum, den man wieder an die Schulen weitergegeben hat“, sagt Schröer.

Er meint damit vor allem die Regelung um die noch zu schreibenden Klausuren. Jede Schule solle im Einzelfall klären, ob Klassenarbeiten verschoben oder gestrichen werden können. In den Klassen 5 bis 7 sei das weniger ein Problem, in der Oberstufe hingehen sei die Vorgabe nicht umzusetzen. „Wir können da keine Klausuren streichen“, erklärt Schröer.

Das liegt auch daran, dass in einigen Fächern in diesem Halbjahr schon zwei Klausuren geschrieben wurden und in anderen noch nicht. „Wer nur eine Klausur geschrieben hat und die ist vielleicht nicht so gut ausgefallen, muss auch das Recht haben, diese ausgleichen zu können“, erklärt Schröer.

Schüler des Christophorus-Gymnasiums in Werne in Quarantäne

Schon in der jüngsten Vergangenheit mussten Klausuren am GSC samstags nachgeschrieben werden, weil es Coronafälle an der Schule gab und immer mal wieder Schüler in Quarantäne mussten. So müssten in der Oberstufe noch zwei bis vier Klausuren bis zum Ende des Halbjahres geschrieben werden. Und das endet bei der Q2 zum Ende der kommenden Woche. Für die Q1 endet das Halbjahr laut Schröer Ende Januar. Weil zuvor noch Konferenzen stattfinden müssten, würde eine Woche bleiben, in der noch Klassenarbeiten geschrieben werden könnten.

Denn die Landesregierung hat vorgesehen, dass die Ferien verlängert werden um zwei Tage bis zum 10. Januar. So sind die Schulen insgesamt über vier Wochen lang für nahezu alle Schüler geschlossen. „Das ist eine sinnvolle, politische Entscheidung, um Ruhe hinein zu bekommen. Weihnachten wird noch einmal eine ganz andere Dimension. Es wird nicht besser“, meint Thorsten Schröer.

Entscheidung „mit der Brechstange“ getroffen

Das Problem sei nur, dass man das Ganze „mit der Brechstange am Freitagmittag entschieden hat“. So könne er noch gar nicht absehen, welche Schüler der Klassen 5 bis 7 überhaupt am Montag zur Schule kommen werden. Den Eltern, die sich auch kurzfristig um eine Betreuung kümmern müssen, ist es freigestellt, wie sie mit der Situation umgehen.

„Ich glaube schon, dass der Großteil noch zur Schule kommen wird. Für sie ist es auch ein Stück weit Normalität. Und ich habe schon das Gefühl, dass sie auch gerne zur Schule kommen“, sagt Schröer. Die Schüler ab Klasse 8 hingegen wird er erst im neuen Jahr wiedersehen.

Sie werden nun auf Distanz unterrichtet. „Das ist überhaupt kein Problem. Da sind wir mittlerweile erprobt und erfahren. Die Schüler haben sich dran gewöhnt und auch um die Organisation über die verschiedenen Netzwerke mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, sagt der Schulleiter. Einzige Krux dabei: Die neuen iPads, die am Donnerstag am GSC angekommen sind, konnten noch nicht an die Schüler verteilt werden. Denn dafür müssen sie noch einen Nutzungsvertrag unterschreiben. „Wir hätten uns natürlich gewünscht, dass wir auf diese Ressourcen hätten zurückgreifen können.“

Über die Autorin
Redaktion Werne
Studium der Sportwissenschaft. Nach dem Volontariat bei Lensing Media zunächst verantwortlich für die digitale Sonntagszeitung, nun in der Lokalredaktion Werne der Ruhr Nachrichten.
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Andrea Wellerdiek

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