Trucker Bogos (30) aus Ungarn freut sich über die netten Worte auf dem Zettel und die Geschenktüte von Debra Weiser. © Jörg Heckenkamp
Anerkennung für harten Job

Private Aktion: Dickes Dankeschön für die Trucker bei Amazon Werne

Es gibt viele Menschen, die in der Corona-Krise besonders gefordert sind, einen tollen Job machen. Man kann sich nicht bei allen bedanken. Aber bei einigen. Daraus entstand eine Privat-Aktion.

Die Corona-Krise fordert uns alle. Aber manche besonders. In vielen Bereichen gibt es Menschen, die einen tollen Job machen. Pflegekräfte und Mediziner, Verkäuferinnen und Paketboten, Polizisten und Gastronomen. Man kann sie gar nicht alle aufzählen. Vor allem kann man sich nicht bei allen bedanken. Aber zumindest bei einigen.

Wer wäre geeignet, dass man ihm seine besondere Hochachtung ausspricht? Unter anderem den Fernfahrern, die dafür sorgen, dass wir trotz Lockdowns die wichtigsten Waren bestellen können und nach Hause geliefert bekommen. Aus diesem Gedanken entstand eine private Dankeschön-Aktion von Debra Weiser (60). Die aus Hamm stammende Justizbeamtin, Lebensgefährtin des Autors dieser Zeilen, nahm sich vor, den Truckern zu danken.

Die Initiatorin beim Packen der Tüten.
Die Initiatorin beim Packen der Tüten. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Und so war es am vergangenen Samstag, 6. März, soweit. Mit dem Auto fuhren wir, beladen mit 60 Geschenk-Tüten, zum LKW-Parkplatz von Amazon. Dort stehen die Trucker dicht an dicht. In manchen Fahrerkabinen sind die Vorhänge zugezogen und die Ritter der Landstraße schlafen. Aber meist waren sie einzeln oder in kleinen Gruppen an ihren Trucks zu sehen.

Eine Erkundung am Samstag zuvor hatte ergeben, dass die Sattelzüge aus Russland und Litauen, Weißrussland und Rumänien, Polen und Slowenien, etc. stammten. Wir hatten uns einen kleinen Dankestext ausgedacht und per Übersetzungsmaschine in rund 20 Sprachen übertragen und ausgedruckt.

Die vier Trucker aus Russland freuen sich über den Dank in schriftlicher Form in ihrer Muttersprache.
Die vier Trucker aus Russland freuen sich über den Dank in schriftlicher Form in ihrer Muttersprache. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Der ein oder andere Trucker reagierte zunächst etwas ungehalten, als sich ihm ein Paar mit Masken und einer seltsamen Kiste voller fremdsprachiger Aufkleber und gefüllt mit irgendwelchen Tüten näherte. Auf unsere Frage nach der Nationalität erfolgte dann bisweilen eine mürrische Antwort: „Ruski“, zum Beispiel. Schnell suchte Debra Weiser die passende Übersetzung heraus und hielt sie ihm hin.

Es war direkt zu sehen, wie sich die verkniffene Miene manches hartgesottenen LKW-Fahrers beim Lesen öffnete und einem erstaunten, dann lächelnden Blick wich. Was sie antworteten, konnten wir nicht genau verstehen, aber meist endete es mit einem „Danke“ in Deutsch. Die kleine Präsenttüte mit frischem Kuchengebäck, einem Getränk, weiteren Süßigkeiten und ein paar Kleinigkeiten war das Tüpfelchen auf dem i.

Initiatorin Debra Weiser mit den in Körben verpackten 60 Geschenktüten.
Initiatorin Debra Weiser mit den in Körben verpackten 60 Geschenktüten. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

„Es war einfach toll zu sehen, wie sich die Fahrer gefreut haben“, bilanziert Debra Weiser nach der Aktion. „Sie haben einen harten Job, müssen Tage in ihren Trucks verbringen oder hier warten. Das ist doch mal ein Dankeschön wert.“ Sie fährt fort: „Menschen glücklich zu sehen, auch wenn es nur ein kurzer Augenblick ist, ist ein tolles Gefühl. Verteil‘ ein Stück Glück.“

Die Reaktion der Fernfahrer gibt ihr Recht. Neben vielen leuchtenden Augen und Dank zurück wurden wir spontan zu einem Umtrunk aus Anlass eines Geburtstages eingeladen. Doch wir lehnten dankend ab, die Verteilaktion war noch nicht zu Ende.

Den Text für die Trucker hatte sie in verschiedensten Sprachen vorbereitet und in großer Schrift ausgedruckt.
Den Text für die Trucker hatte sie in verschiedensten Sprachen vorbereitet und in großer Schrift ausgedruckt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Die Vorbereitungen hatten etwa zwei Wochen in Anspruch genommen. Eine Woche zuvor hatten wir das Terrain sondiert um uns einen Überblick zu verschaffen, mit wie vielen Sattelzügen zu rechnen sei. Daraus resultierte dann die Zahl von 60 Geschenken. Es galt dann, die Süßigkeiten zu kaufen, Kuchen zu bestellen, Übersetzungen anzufertigen, auszudrucken, Tüten zu packen, etc.

Da an diesem Samstag nicht ganz so viele Trucker vor Amazon standen, verteilten wir den Rest auf dem A1-Rastplatz An der Landwehr in Höhe Stockum. Auch dort löste die Aktion viel Freude aus.

Diesen Text hat Debra Weiser in viele Sprachen übersetzt:

  • Wir danken euch LKW-Fahrer, dass ihr so einen tollen Job macht. Dadurch fehlt es uns an nichts in der Corona-Pandemie.
  • Wir wünschen euch immer gute Fahrt. Bleibt gesund.
  • Nochmals vielen Dank! Passt auf euch auf. Viele Grüße
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Jörg Heckenkamp

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