Zahlreiche Seniorinnen und Senioren haben sich zunächst um einen Termin im Impfzentrum Unna bemüht, konnten dann aber doch in der Hausarztpraxis geimpft werden. Wer deshalb seien Termin in Unna absagen wollte, hatte in Einzelfällen ein Problem. © Udo Hennes (Archiv)
Nach Umstellung

Problem: Ü80-Senioren können Termin im Impfzentrum nicht stornieren

Wer einen Impftermin hat, soll ihn wahrnehmen oder zumindest frühzeitig stornieren - so der eindringliche Appell aus der Politik. Was aber, wenn eine Stornierung schlicht nicht möglich ist?

Als Anfang des Jahres Termine für Coronaschutzimpfungen vergeben wurden, war die Nachfrage riesig. Die Hotline brach teilweise zusammen, für die Buchung über das Internet fühlte sich so manche Seniorin oder mancher Senior nicht fit genug und bat Familienangehörige um Unterstützung bei der Termin-Buchung. Die übernahmen die Aufgabe gerne. So auch Werner Sander aus Olfen. Er buchte im Februar für zwei Verwandte in Selm – beide über 80 – Termine für den 23. April. Doch dann bekamen die Verwandten ein Impfangebot über den Hausarzt. Die Entscheidung fiel nicht schwer.

Der Termin lag zehn Tage vor dem ursprünglich festgemachten Impftag und hatte dazu einen riesigen Vorteil. Die Senioren mussten nicht die Fahrt nach Unna antreten. Die Impfung war dann schnell erledigt, die Terminstornierung im Impfzentrum wurde zum Hindernislauf. Zunächst hatte es ganz leicht ausgesehen. Auf der Terminbestätigung stand ein Link für eine eventuelle Stornierung. Aber: „Die Seite war nicht erreichbar“, schildert Sander die Situation. Auch die erste Telefonnummer erwies sich als falsch. Nächster Versuch. Die Nummer war richtig, doch die Aussage des Verantwortlichen überraschte. Eine Stornierung sei aus technischen Gründen nicht möglich, der Termin werde ausfallen.

Kleiner Personenkreis ist von der Situation betroffen

Wie kann das sein, dachte sich Sander und musste an den immer wieder formulierten Appell denken, nicht mehr benötigte Termine unbedingt zu stornieren. Wir haben uns auf der Suche nach den Hintergründen der Situation gemacht. Die Pressestelle des Kreises Unna, verweist in einer ersten kurzen Antwort auf die Zuständigkeit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, gibt aber zugleich Hinweise auf eine technische Umstellung und Lösungsansätze des Landes NRW.

Ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL) kann am Dienstag (4. Mai) die Situation aufklären – verbunden mit einem dicken Lob für den engagierten Verwandten, der sich so intensiv um die Stornierung der Termine bemüht hat. Dann muss der KVWL-Sprecher einräumen, dass Werner Sander wie andere Menschen auch, gar keine Chance hatte, die Termine zu stornieren. „Es geht ausschließlich um Impftermine für Menschen, die älter als 80 Jahre sind und bis Ende Mai in den Impfzentrum geimpft werden sollen.“

Hintergrund sei eine technische Umstellung in der ersten Aprilwoche. Die habe zur Folge, dass Menschen wie Werner Sander die alte Plattform per Mail nicht erreichen können. Selbst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten nicht auf die Daten zugreifen. „Ohne großen Aufwand war das nicht anders zur regeln“, so der KVWL-Sprecher.

Gesundheitsministerium reagiert mit neuem Erlass

Sein Tipp für bereits angemeldete Personen, die älter als 80 sind und bis Ende Mai in Impfzentren geimpften sollten, und deren Angehörige lautet deshalb: Termin einfach verfallen lassen. Nach Einschätzung der KVWL handelt es sich dabei aber nur um „wenige Fälle“. Menschen, die einen Termin nach dem 3. April gebucht haben, können hingegen ihren Impftermin stornieren – und sollten es nach dem Wunsch der Kassenärztlichen Vereinigung auch bitte machen.

Auf diese besondere Situation bei der technischen Umstellung und der Feststellung, dass Menschen nicht zum Impftermin kommen, hat das Land übrigens vor wenigen Tagen reagiert. Das Gesundheitsministerium hat die Impfzentrum in einem Erlass darum gebeten, „Überbuchungen von bis zu zehn Prozent zuzulassen“.

Damit entsteht in den Impfzentren eine Situation, wie sie vielen Menschen vom Fliegen kennen. Hier werden oft mehr Tickets verkauft als es Plätze gibt. Bei dem eher seltenen Fall, dass es tatsächlich keine Ausfälle gibt, hat das zur Folge, dass einige Menschen am Boden bleiben. Für die Impfzentrum soll die Regelung zur Folge haben, dass keine für den Tag vorgesehene Dosis übrig bleibt.

Über den Autor
Redaktion Selm
Journalist aus Leidenschaft, Familienmensch aus Überzeugung, Fan der Region. Als Schüler 1976 den ersten Text für die Ruhr Nachrichten geschrieben. Später als Redakteur Pendler zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Ohne das Ziel der Arbeit zu verändern: Die Menschen durch den Tag begleiten - aktuell und hintergründig, informativ und überraschend. Online und in der Zeitung.
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Thomas Aschwer
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