Das Urteil am Dortmunder Landgericht wird nun Mitte des Monats erwartet. © Martin von Braunschweig
Nach Angriff mit Krummdolch

Psychisch krankem Werner droht die Unterbringung in der Psychiatrie

Nach zwei tätlichen Auseinandersetzungen im Sommer 2020 droht einem 25-jährigen Mann aus Werne die unbefristete Unterbringung in der Psychiatrie. Am Dienstag wurde das Gutachten erstattet.

Die erfahrene psychiatrische Sachverständige Marianne Miller hat den Beschuldigten kurz nach seiner Festnahme eingehend untersucht. Sie kannte den Mann aus Werne bereits aus einer früheren Begutachtung im Jahr 2016.

Der Zustand, der sich der Psychiaterin nun bot, hat sie sehr beeindruckt. Der Krankheitsverlauf bei dem Werner hatte sich noch einmal massiv verschlechtert. „Ihm fehlt die Einsicht, wirklich krank zu sein“, sagte Miller den Richtern am Dortmunder Landgericht am Dienstag. „Und deshalb ist natürlich auch so gut wie keine Bereitschaft vorhanden, Medikamente zu nehmen.“

25-Jährigem fehlt die eigene Krankheitseinsicht

Der Beschuldigte soll unter anderem im Sommer 2020 auf der Stollenstraße mit einem Krummdolch auf zwei Passantinnen losgegangen sein. Im Prozess geht es darüber hinaus um einen Randale-Zwischenfall in einer Tankstelle. Bei beiden Taten sei der Mann zweifelsfrei schuldunfähig gewesen, so Miller. Eine klassische Bestrafung ist damit ausgeschlossen.

Die Richter müssen nun nur noch entscheiden, ob der 25-Jährige als Gefahr für die Allgemeinheit gilt und deshalb für unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik gehört. Die Gutachterin sagte dazu am Dienstag (5. Januar): „Die Voraussetzungen für eine Unterbringung liegen zweifellos vor.“ Die Richter könnten die Maßregel allerdings auch zur Bewährung aussetzen.

Bewährung für den Werner ist möglich

Ob es jedoch dazu kommen wird, ist fraglich. Denn würde der Beschuldigte nach einem solchen Urteil Revision einlegen, wäre die Entscheidung so lange nicht rechtskräftig, bis der Bundesgerichtshof über die Revision entschieden hätte. „Und so lange müsste er sich dann auch nicht an irgendwelche Bewährungsauflagen halten“, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Frieling.

Das Risiko, den 25-Jährigen für mehrere Monate unbehandelt in Freiheit zu wissen, dürften die Richter kaum eingehen. Denn die Sachverständige rechnete ihnen am Dienstag mit beeindruckenden Zahlen vor, wie hoch die Rückfallgefahr in diesem Fall wäre.

Statistik zeigt hohe Rückfallwahrscheinlichkeit auf

Gewalttäter wie der Beschuldigte würden mit einer um fast 20 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit wieder Straftaten begehen, so Miller. Und die Wahrscheinlichkeit, dass ein psychisch kranker Mann einen Menschen töten würde, wäre sogar um 28 Prozent im Vergleich zu einem gesunden Straftäter erhöht.

Der Beschuldigte leidet seit Jahren unter schlimmen Wahnvorstellungen. „Vor allem die Tatsache, dass er sich zuletzt dann auch mit einem Krummdolch bewaffnet hatte, ist erschreckend“, so Miller.

Mit den Plädoyers und dem Urteil wird am Dortmunder Landgericht nun Mitte des Monats gerechnet.

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