Städtische Gebäudereinigung: Wer hat Angst vor fremden Putzlappen?

Politik in Werne

Putzt der Werner sein eigenes Rathaus schöner, als es jeder andere täte? Diese fast schon tiefgründig klingende Frage beschäftigte am Mittwoch nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Politik.

Werne

, 06.03.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stadt Werne will die Gebäudereinigung in fremde Hände geben. Das stößt nicht bei allen Politikern auf Gegenliebe.

Die Stadt Werne will die Gebäudereinigung in fremde Hände geben. Das stößt nicht bei allen Politikern auf Gegenliebe. © Pixabay

Häufig ist es ja so: Wer als Privatmann wenig Zeit, dafür aber das nötige Kleingeld und kein Problem damit hat, dass andere seinen Dreck wegräumen, der gönnt sich schon mal eine professionelle Reinigungsfachkraft. Früher schlicht und etwas abwertend „Putze“ genannt. Bei Kommunen wurde das lange Zeit allerdings anders gehandhabt: Hier stellte man eigenes Personal für die Reinigung von städtischen Gebäuden ein.

Doch das wird - zumindest heutzutage - deutlich besser bezahlt als externe Reinigungsdienste. Und zwar so sehr, dass die Werner Politik vor einiger Zeit im Zuge der Beratung zur Haushaltskonsolidierung die Verwaltung beauftragte, zu prüfen, ob es denn nicht sinnvoll wäre, Putzlappen und Co. in fremde Hände zu geben. Das Ergebnis liegt nun vor, die Konsequenz erscheint logisch - und doch sind keineswegs alle damit zufrieden, wie sich in der jüngsten Ausschusssitzung des Kommunalbetriebs Werne (KBW) zeigte.

Fachpersonal hat alle Hände voll zu tun

Zunächst mal zum Vorschlag der Verwaltung. Die empfiehlt nach sorgfältiger Prüfung: „Neben dem im Schulreinigungsdienst befindlichen Umstellungsprozess von Eigenreinigung auf Fremdreinigung sollen künftig auch alle anderen städtischen Gebäude, sukzessive nach Ausscheiden der Eigenreinigungskräfte, in die Fremdreinigung übergehen.“

Die fremden Kräfte hätten dann freilich alle Hände voll zu tun - denn die Liste der betroffenen Gebäude ist nicht gerade kurz: Stadthaus, Feuerwehr, Baubetriebshof, Museum, Stadtbücherei, die ehemalige Barbaraschule, der städtische Teil des Alten Rathauses, die Trauerhalle Stockum und ein Teil des Jugendzentrums Juwel sind darauf zu finden.

„Diese bessere Qualität in der Reinigung ist auch durch die Identifikation mit den Objekten zu erklären.“
Die Werner Stadtverwaltung

Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Sache klar. Wie sehr das „Outsourcing“ das Stadtsäckel erleichtern würde, erahnt man schon beim Blick auf zwei Beispielrechnungen - etwa im Fall des Museums. Hier gab die Stadt 2019 fast 34.000 Euro für die Eigenreinigung aus. Im Falle einer Fremdreinigung wären es laut Angebot einer externen Firma nur knapp 17.500 Euro gewesen. Und auch für eine saubere Stadtbücherei musste die Kommune vergleichsweise tief in die Tasche greifen: 36.500 kostete der Spaß in Eigenregie. Noch nicht einmal 21.000 Euro wären es gewesen, wenn man eine externe Firma beauftragt hätte.

Also grünes Licht für die Putz-Experten von außerhalb? Nicht ganz. Denn in der Politik hegt man offenkundig Zweifel. „Mit der Qualität sieht es bei der Fremdreinigung auf Dauer ja oft anders aus als bei der Eigenreinigung“, gab etwa Marita Funhoff (SPD) zu bedenken. Klaus Schlüter (Grüne) sprang ihr zur Seite. Auch seine Partei sei für die Fortsetzung der Arbeit in Eigenregie. Der Grund: Die Identifikation der Arbeitskräfte mit dem Objekt sei größer. Als Werner putzt man sein eigenes Rathaus eben schöner, als jeder Auswärtige es tun würde.

KBW-Chef warnt vor pauschalem Urteil

Und tatsächlich steht genau das in abgeschwächter Form auch in der Vorlage der Verwaltung. Bei der Gegenüberstellung der Pro- und Contra-Argumente von Fremd- und Eigenreinigung heißt es, die bessere Qualität der Eigenreinigung sei einerseits darauf zurückzuführen, dass die städtischen Beschäftigten mehr Zeit für ihre Aufgaben hätten. Und andererseits sei die bessere Qualität eben durch die „Identifikation mit den Objekten“ zu erklären - auch wenn die Unterschiede laut Studien eher gering ausfielen. Oder wie es KBW-Leiter Frank Adamietz formulierte: „Das kann man so pauschal nicht sagen, es gibt hier und dort Motivierte und Unmotivierte.“

Motiviert, dem Verwaltungsvorschlag zuzustimmen, fühlten sich letztlich jedenfalls nicht alle Ausschussmitglieder. Bei zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung gab die Politik dennoch grünes Licht - für die Putz-Profis von außerhalb.

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