Im Nordlippepark

„Sauberer“ Groß-Bäcker will in Werne 270 Arbeitsplätze schaffen

Manche Bürger treibt die Sorge um, im geplanten Industrie- und Gewerbegebiet an der Nordlippestraße könnten sich „dreckige“ Firmen ansiedeln. Nun hat ein „sauberes“ Unternehmen Interesse bekundet.
Wollen eine Ansiedlung von Büsch in Werne: V. l. Wirtschaftsförderer Matthias Stiller, Bürgermeister Lothar Christ, Büsch-Pressesprecherin Sigrid Baum, Geschäftsführer Dirk Jonack und Uta Leisentritt, Ausschuss-Vorsitzende. © Jörg Heckenkamp

Der Widerstand gegen das geplante Industrie- und Gewerbegebiet nördlich des Autobahn-Zubringers an der Nordlippestraße entzündet sich einerseits generell an der Versiegelung von bisher landwirtschaftlich genutzter Fläche. Andererseits treibt manche Bürger die Sorge um, „dreckige“ oder gar gefährliche Unternehmen könnten dort eine neue Heimat finden.

Dass es genau umgekehrt sein kann, nämlich, dass sich dort ein „sauberer“ und nachhaltig wirtschaftender Betrieb ansiedeln will, machte am Freitagmittag Bürgermeister Lothar Christ klar. Gemeinsam mit zwei Vertretern der Bäckerei Büsch stellte er deren Wunsch vor, ein 5 Hektar (50.000 qm) großes Gelände innerhalb des gut 30 ha großen Gewerbegebietes zu erwerben.

Bäckerei Büsch stammt vom Niederrhein

Die Bäckerei Büsch hat ihren Sitz am Niederrhein in Kamp-Lintfort und sich aus kleinsten Anfängen entwickelt. Momentan zählt sie 200 Filialen (u. a. in Nordkirchen, Hamm und Dortmund) und insgesamt 2750 Mitarbeiter. 500 davon arbeiten am Produktionsstandort Kamp-Lintfort, der aber aus allen Nähten platzt. „Wir wollen und müssen expandieren“, sagte Geschäftsführer Dirk Jonack bei der Vorstellung der Pläne.

Als Zielgebiet für die Eröffnung weiterer Filialen hat Büsch das östliche Ruhrgebiet und das Münsterland im Auge sowie weiter Richtung Paderborn oder Bielefeld. „Ich habe mit allen Kommunen längs der A1 zwischen Ascheberg und Bönen Kontakt aufgenommen und nach Ansiedlungsflächen gefragt. In Werne würde das perfekt passen“, sagt Jonack.

Büsch wolle groß investieren (rund 40 Millionen Euro ohne den Grundstückspreis), sei aber keinesfalls eine Industrie-Bäckerei. „Wir sind genau das Gegenteil“, sagt der Geschäftsführer. Man lege Wert auf handwerkliches Backen, verzichte auf chemische Zusätze, arbeite mit gut ausgebildeten Mitarbeitern zusammen. „Das ist alles aufwendig und mit höheren Kosten verbunden. Aber der Verbraucher ist mehr und mehr bereit, auch mal einen Cent mehr fürs Brötchen zu bezahlen, wenn es nachhaltig produziert ist.“

„Lieber heute als morgen bauen“

Es gibt allerdings ein Problem bei dem Ansiedlungswunsch. Büsch würde laut Jonack „lieber heute als morgen bauen, wir stehen in den Startlöchern.” Doch das neue Werner Industriegebiet befindet sich erst im Planungsstadium und es gibt Widerstände. Ein Bürgerbegehren ist geplant. Das passt nicht so richtig mit den Vorstellungen von Büsch zusammen.

„Wir stellen uns vor, Ende 2023 mit dem Bau zu beginnen und im Januar 2025 zu starten“, sagt Jonack. In einem ersten Ausbauschritt sollen 90 Arbeitsplätze entstehen. Fünf Jahre später, so die Prognose, sollen es 270 in Werne sein. Parallel will der Groß-Bäcker seine Zahl der Filialen weiter steigern. Bis 2025 sind zunächst 40 neue Büsch-Fachgeschäfte in der Region geplant.

„Wir legen bei der Ansiedlung neuer Betriebe Wert auf Nachhaltigkeit“, sagt Bürgermeister Lothar Christ: „Und Büsch steht mit seinem Konzept für Nachhaltigkeit.“ So würde eine Ansiedlung in Werne etwa eine Million Transport-Kilometer innerhalb der Fahrzeugflotte des Unternehmens einsparen.

Auch Uta Leisentritt, Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, ist von den Plänen höchst angetan: „Wichtig sind für uns Ansprechpartner, die zu uns passen. Das ist hier der Fall.“ Sie betont, ebenso wie Lothar Christ, dass die letztendliche Entscheidung, wer sich an der Nordlippestraße ansiedeln darf, beim Rat der Stadt Werne liegen muss. Leisentritt: „Wir müssen die Hoheit haben.“

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