Das Gebäude der ehemaligen Steintorschule diente zwischenzeitlich unter anderem als Flüchtlingsunterkunft. © Felix Püschner
Video-Kolumne Heidewitzka

Schulen in Werne: Binnen zehn Jahren entstanden gleich vier Stück

Eine Schule mal eben aus dem Boden stampfen? Das scheint undenkbar. Werne schaffte aber immerhin vier binnen zehn Jahren. Das älteste noch erhaltene Gebäude ist mehr als 100 Jahre alt.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren die Schulverhältnisse in Werne oft katastrophal, vor allem die Gebäude der Rektorats-, der deutschen Knabenschule und der Mädchenschule. Im Jahre 1869 konnte endlich ein neuerbautes Schulgebäude bezogen werden, das sowohl die ehemalige Lateinschule (Rektoratsschule) als auch die beiden anderen Schulen beherbergte – es befand sich an der Ostmauer hinter der Fabrik Moormann.

1890 erbaute die Stadt auf kirchlichem Grund an der Ostseite des Kirchhofes, neben der Dechanei, eine eigene Mädchenschule, ebenfalls mit mehreren Klassen und Lehrern. Erst in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde diese abgerissen, genauso wie schon einige Jahre zuvor die damalige Knabenschule an der Ostmauer.


1904 bekam die ehemals sogenannte „deutsche Schule“ endlich ein eigenes geräumiges neues Gebäude als achtklassige Volksschule am Steintor neben dem alten Friedhof, dem heutigen Steintorpark. Am 26. April 1905 wurde die Steintor-Schule bezogen und die Rektoratsschule verblieb im Gebäude am Kirchhof.

Infolge der Gründung 1899 von Schacht I und II der Zeche Werne waren in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts zahlreiche Zuwanderer aus Schlesien, Pommern und Ostpreußen nach Werne gezogen, um als Bergarbeiter auf der Zeche ihr Geld zu verdienen, oft mit der ganzen Familie. So wurde nicht nur im Jahr 1904 die erste evangelische Kirche vor dem Neutor eingeweiht, sondern es musste auch dringend Schulraum für die zahlreichen Kinder geschaffen werden, denn die Werner Einwohnerzahl verdoppelte sich innerhalb von nur zehn Jahren von ca. 4.000 um das Jahr 1900 auf 8.200 im Jahre 1910.

So sah die Steintorschule früher einmal aus.
So sah die Steintorschule früher einmal aus. © Archiv Fertig-Möller © Archiv Fertig-Möller

So benötigte man schon in demselben Jahr dringend weitere Schulgebäude, diesmal in der Landgemeinde Werne, da nun auch die ersten Zechensiedlungen, unter anderem in der einstigen Bauerschaft Evenkamp, fertiggestellt wurden. Zwei vierklassige Schulen „Auf der Wienbrede“, eröffnet am 20. April 1911, und „Am Wiehagen“ entstanden in der Zeit von 1909 bis 1911.

Diese waren alle katholisch. Da aber die Zahl der evangelischen Bergleute stark angestiegen war, wurde 1913 das Schulgebäude „Am Weihbach“ für die evangelischen Schüler fertiggestellt. So entstanden innerhalb von zehn Jahren vier neue Schulgebäude in und vor der Stadt, die alle ihr einhundertjähriges Bestehen Anfang des 21. Jahrhunderts feiern konnten.

Aus den Volksschulen wurden Grund- und Hauptschulen

Im Jahre 1968 wurden alle Bauerschaftsschulen geschlossen und es entstanden aus den Volksschulen die Grund- und Hauptschulen: In Werne waren das die katholische Wiehagen-Grundschule, die ebenfalls nun katholische Weihbach-Grundschule, die katholische Uhlandgrundschule und die einzige Gemeinschaftsgrundschule „Auf der Wienbrede“.

Zwei neue Hauptschulen entstanden, ebenso wie die Realschule (hervorgegangen aus der ehemaligen Rektoratsschule) und das private St. Christophorus Gymnasium und ganz in dessen Nähe das städtische Mädchen-Gymnasium, das später dann Jungen wie Mädchen unterrichtete und den Namen „Anne-Frank“ erhielt. Der offizielle Schulbetrieb in der Steintorschule, dem imposanten Gebäude neben dem Steintorpark, heute das älteste noch vorhandene Schulgebäude in Werne, wurde schon vor einigen Jahrzehnten eingestellt. In den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde das Gebäude als Jugendzentrum „Rapunzel“ genutzt.

Die Wienbrede-Schule in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts.
Die Wienbrede-Schule in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. © Archiv Fertig-Möller © Archiv Fertig-Möller

Bis vor wenigen Jahren war es noch Flüchtlingsunterkunft und das Domizil für das Kinderferienprogramm der Stadt Werne, in dessen Treppenhaus man auch die schönen Glasfenster von Jakob Heinrich Everz mit dem Heiligen Christophorus als Stadtpatron von Werne und der Darstellung von Landmann und Bergmann bewundern konnte – in nächster Zukunft soll die Steintor-Schule leider abgerissen werden, um neuen Wohnraum zu schaffen.

Die beiden ehemaligen Volks-, danach Grundschulen „Am Weihbach“ und „Am Wiehagen“, sind bereits verschwunden und nur die Schule „Auf der Wienbrede“, die mit einer großen Sonderausstellung im Jahre 2011 im Werner Stadtmuseum ihr hundertjähriges Bestehen feiern konnte, ist noch vorhanden – aber auch ihre Tage sind, wie die der Steintor-Schule, gezählt und so verschwindet wieder ein Stück Werner Zeitgeschichte.

Der erste Jahrgang der katholischen Volksschule
Der erste Jahrgang der katholischen Volksschule “Auf der Wienbrede” im Schuljahr 1910/11. © Archiv Fertig-Möller © Archiv Fertig-Möller

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