Ärger um Seniorenwohnung: „Meine Eltern fühlen sich total verschaukelt!“

mlzPflegedienst

Der Wunsch nach betreutem Wohnen ist für ein Senioren-Paar geplatzt. Obwohl sie die Schlüssel für ihr neues Zuhause schon in den Händen hielten. Sie fühlen sich böse getäuscht.

Werne

, 17.09.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich hätte alles so schön werden können: Eine schicke Seniorenwohnung am Grafenweg - behindertengerecht eingerichtet und mit einem Pflegedienstleister direkt eine Etage tiefer.

„Das wäre ideal gewesen. Eine Erleichterung für meine Eltern und auch für uns“, sagt Martin Nordt (61). Mit „uns“ meint er seine drei Geschwister. Denn die kümmern sich – genauso wie ihr Bruder Martin - um ihre 88-jährige Mutter und den 90-jährigen Vater.

Die beiden Senioren, die namentlich nicht erwähnt werden wollen, sehen die Situation ähnlich: „Unsere Kinder sind alle berufstätig. Die haben nicht so viel Zeit, uns im Haushalt zu helfen. Und für uns wird das mit dem Alter natürlich immer schwieriger.“

Keine Hilfe auf Knopfdruck

Da kam das Angebot des betreuten Wohnens gerade recht. In dem Haus am Grafenweg, das vom Pflegedienst Mobil im Alltag (MiA) betrieben wird, gab es noch Platz für die beiden. „Wir hätten noch selbstständig unseren Alltag gestalten können - und wenn es Probleme gegeben hätte, dann wäre ja praktisch Hilfe auf Knopfdruck da gewesen“, sagt das Ehepaar.

Die beiden und ihre Kinder schauten sich die Wohnung an. Und schnell war klar: Das Angebot passt perfekt. Also unterzeichneten sie ein Schreiben, in dem sie bestätigten, die Wohnung zum 15. September verbindlich anzumieten. Auch die Kosten - eine Warmmiete von 1500 Euro - sind in dem Schreiben aufgeführt.

„Jetzt sollten wir plötzlich 800 Euro mehr im Monat zahlen. Das können wir uns nicht leisten.“
Sohn Martin Nordt

Sogar den Wohnungsschlüssel hielt die Familie schon in den Händen, die Umzugskartons standen bereit, die Vorfreude war groß. Und doch werden die alten Leute die Wohnung nun nicht beziehen. Warum? Da gehen die Ansichten der potenziellen Neumieter und des Pflegedienstes auseinander.

Nordts Version ist schnell skizziert: MiA habe sie ganz kurzfristig darüber informiert, dass sie die Wohnung nur bekommen, wenn sie auch das Tagespflege-Angebot im Haus nutzen. Kostenpunkt: monatlich zusätzlich rund 400 Euro pro Person. Ein Betrag, den sich Nordts nicht leisten können, wie sie sagen. Und von dem weder in dem Schreiben noch in den Gesprächen je die Rede gewesen sei.

Tagespflege laut Anbieter nur eine Option

Kein Wunder, dass Nordts bei dieser Nachricht aus allen Wolken fielen. „Meine Eltern, meine Geschwister und ich - wir alle fühlen uns total verschaukelt. So etwas geht doch nicht“, schimpft Martin Nordt.

Die Version, die eine MiA-Mitarbeiterin auf Anfrage unserer Redaktion berichtete, ist allerdings eine andere: Die Tagespflege sei keinesfalls ein obligatorisches Angebot, sondern lediglich eine Option. Kein Bewohner sei also verpflichtet, das Angebot anzunehmen. Es handle sich bei dem Wohnmodell aber grundsätzlich um eine selbstorganisierte Hausgemeinschaft.

Gemeinschaft soll wachsen

„Und so eine Hausgemeinschaft kann nur wachsen, wenn die Menschen wirklich in Gemeinschaft leben und zusammen etwas unternehmen“, so die Mitarbeiterin. Zum gemeinsamen Leben gehöre eben auch die Tagespflege, die viele Bewohner des Hauses nutzen: „Also haben wir auch dem Ehepaar Nordt angeboten, die Tagespflege zu nutzen. Sie wollten das aber nicht, woraufhin wir lediglich gesagt haben, dass wir dies schade finden.“

Die Wohnung hätten Nordts laut Angaben der MiA-Mitarbeiterin aber dennoch haben können. Vielleicht habe man dies aber auch missverständlich kommuniziert.

Kein betreutes Wohnen für Ehepaar

Nordts haben mit dem Kapitel „betreutes Seniorenwohnen am Grafenweg“ inzwischen abgeschlossen. Sie wollen weiter nach Alternativen suchen. „Aber es ist schwierig, etwas Passendes zu finden“, sagen sie.

Bis dahin bleibt den beiden nur der ambulante Pflegedienst, der ohnehin schon täglich bei ihnen vorbeischaut. Die Umzugskartons haben sie fürs Erste jedenfalls wieder im Keller verstaut.

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