Sexueller Missbrauch: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Wo fängt sexueller Missbrauch an? Auf welche Anzeichen sollten Eltern bei ihren Kindern achten? Und wo bekommt man als Betroffener Hilfe? Das und mehr klären wir in unseren Fragen und Antworten.

Werne

, 02.02.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Urteil gegen einen 78-jährigen Werner, der seine Enkelin sexuell missbraucht hat, hat in den Sozialen Medien für viele hitzige Diskussionen gesorgt. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema sexueller Missbrauch an Kindern:


Was genau ist sexueller Missbrauch?

Unter sexuellem Missbrauch oder sexueller Gewalt an Kindern wird offiziell jede sexuelle Handlung aufgefasst, „die an oder vor Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können.“

Diese sozialwissenschaftliche Definition gibt der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung - sie ist aber nicht mit der rechtlichen Definition gleichzusetzen. Weiter heißt es: „Der Täter oder die Täterin nutzt dabei seine/ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um eigene Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen.“


Wo beginnt sexuelle Gewalt?

Schon bei „verbaler Belästigung“ handelt es sich um einen Fall von sexueller Gewalt. Das gilt auch für Voyeurismus und flüchtige Berührungen des Genitalbereichs oder der Brust über der Kleidung. Geschieht dies aus Versehen, handelt es sich um eine „Grenzverletzung“. Ein strafbarer Missbrauch liegt laut Angaben des Unabhängigen Beauftragten vor, „wenn sexuelle Handlungen am Körper des Kindes stattfinden oder der Erwachsene bzw. Jugendliche sich entsprechend anfassen lässt, z.B. die Genitalien des Kindes manipuliert, ihm Zungenküsse gibt, sich vom Kind befriedigen lässt“. Strafbar macht sich ebenfalls, wer „vor einem Kind masturbiert, sich exhibitioniert, dem Kind gezielt pornografische Darstellungen zeigt oder es zu sexuellen Handlungen an sich selbst - beispielsweise auch vor der Webcam - auffordert.“


Wo findet Missbrauch statt?

Vor allem im näheren sozialen Umfeld der Kinder - also etwa in der Familie, dem Freundes- und Bekanntenkreis sowie in der Nachbarschaft. Das hängt damit zusammen, dass es für Täter einfacher ist, auf bereits bestehende Vertrauensverhältnisse aufzubauen statt einen Kontakt zu völlig fremden Kindern herzustellen. Solche Vertrauens- und Autoritätsstrukturen spielen auch bei Missbrauchsfällen in Institutionen wie Bildungs- und Freizeiteinrichtungen eine große Rolle.


Welche Anzeichen können auf sexuellen Missbrauch hindeuten?

Grundsätzlich gilt: Weil sich Missbrauchsopfer häufig selbst schuldig fühlen oder schämen, teilen sie das Erlebte selten anderen Personen mit - etwa ihren Eltern. Wenn bei Kindern auffällige Verhaltensänderungen auftreten, sie beispielsweise plötzlich ängstlich oder aggressiv werden, sich zurückziehen oder Schlafprobleme bekommen, kann das ein Hinweis darauf sein, dass sie Probleme haben und Hilfe benötigen. Symptome, die spezifisch für sexuellen Missbrauch sind, gibt es jedoch nicht. Direkte Anzeichen wie Verletzungen im Genitalbereich treten nur sehr selten auf.


Wie häufig kommt sexueller Missbrauch vor?

Das lässt sich aufgrund der wahrscheinlich hohen Dunkelziffer nicht genau sagen. In der polizeilichen Kriminalstatistik sind in Deutschland für das Jahr 2018 insgesamt 12.321 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch aufgeführt. 2017 waren es noch 11.547. Die Aufklärungsquote ist leicht gestiegen - von 84,8 auf 86,2 Prozent.


Welche Motive haben die Täter?

In 80 bis 90 Prozent der Fälle handelt es sich um männliche Täter - allerdings gibt es kein einheitliches Täterprofil. Ein häufiges Motiv ist das Bedürfnis, Macht auszuüben und ein Gefühl der Überlegenheit zu erleben.


Wo bekomme ich als Betroffener Hilfe?

Es gibt vielerorts Beratungsstellen und Portale, bei denen Betroffene Hilfe finden. Eine Übersicht gibt es unter anderem auf der Internetseite des Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs unter www.beauftragter-missbrauch.de/hilfe/beratung-und-hilfe. Das Hilfetelefon sexueller Missbrauch ist unter Tel. 0800 2255530 erreichbar. Die Beratung erfolgt kostenlos und anonym.

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