Sicherung durchgebrannt: Nach Auffahrunfall Frau (33) wüst beschimpft

mlzGeldstrafe verhängt

Nach einem an sich harmlosen Auffahrunfall auf der Münsterstraße in Werne rastete ein 35-Jähriger aus. Seine Unfallgegnerin, eine 33-Jährige aus Hamm, bedeckte er mit wüsten Schimpfwörtern.

von Sylvia Mönnig

Werne

, 12.09.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Verbaler Tiefschlag: Ein Unfall auf der Münsterstraße (B54) in Werne versetzte einen Autofahrer so in Rage, dass er die Unfallverursacherin wüst beschimpfte. Das brachte dem 35-Jährigen aus Hagen nun ein Verfahren vor dem Amtsgericht Lünen ein.

Der Zusammenstoß ereignete sich am Morgen des 20. November 2019. Der 35-Jährige hielt an einem Überweg für Fußgänger und die Fahrerin im Auto hinter ihm bemerkte das offenbar nicht rechtzeitig genug. Sie fuhr auf. Beide stiegen aus ihren Wagen und der Geschädigte des Unfalls verlor die Kontrolle. Er beleidigte die Frau auf massive Weise. Die 33-Jährige aus Hamm erstattete daraufhin Strafanzeige.

Angeklagter bereut seine Worte

Nun befasste sich das Lüner Amtsgericht mit den Worten, die der Angeklagte offensichtlich schnell bereute und für die er sich noch vor Ort entschuldigte. Er erinnerte sich, auf dem Weg zur Arbeit gewesen zu sein und gebremst zu haben, weil es eine Beschränkung von 70 auf Tempo 50 gegeben habe. Zudem sei dort ein Schulweg mit vielen Kindern.

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Als es geknallt habe, habe er zunächst befürchtet, eines der Kinder angefahren zu haben. Erst danach habe er gesehen, was wirklich passiert sei, habe die Delle entdeckt. Die Frau sei ausgestiegen – mit dem „Handy auf Lautsprecher“ in der Hand.

„Da ist halt die Sicherung durchgebrannt“

„Da ist bei mir halt die Sicherung durch. Ich bin jetzt wirklich nicht jemand, der durch die Welt beleidigt“, erklärte er und räumte die Beleidigung ein – wenn auch in leicht abgeänderter Form. Er schien noch im Gerichtssaal erbost zu sein: „Ich nutze kein Handy im Auto.“ Auch versicherte er, sich bereits am Unfallort gleich drei Mal entschuldigt zu haben.

Die Betroffene wurde in den Zeugenstand gerufen. Ihre Version klang „etwas“ anders. Demnach wirkte der Angeklagte sehr aggressiv auf sie und entschuldigte sich auch nur einziges Mal bei ihr – nach dem Eintreffen des Polizeibeamten. Dem gegenüber sei der 35-Jährige übrigens auch „sehr aufmüpfig“ gewesen. Und mit dem Handy habe sie ganz gewiss nicht über Lautsprecher telefoniert.

Entschuldigung bei der Unfallgegnerin

„Ich habe eine Freisprechanlage“, versicherte die 33-Jährige und schloss aber nicht aus, das Mobiltelefon beim Aussteigen vielleicht in der Hand gehalten zu haben. Der Angeklagte nutzte die Gelegenheit für eine weitere Abbitte: „Ich entschuldige mich bei Ihnen – nochmal. Es tut mir leid.“

Diese Entschuldigungen, ein leeres Strafregister und der Umstand, dass ein Unfall im Hintergrund der Beleidigung stand, stimmten Anklage und Gericht schließlich milde. Das Verfahren wurde vorläufig eingestellt. Allerdings mit Auflage: Der Hagener soll binnen sechs Monaten 400 Euro Geldbuße zugunsten der Stiftung der Deutschen Kinderkrebshilfe zahlen.

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