Zwei Seniorinnen in Werne sind im vergangenen Monat in ihren eigenen Wohnungen bestohlen worden. © Maik Goering/polizei-beratung.de
Trickbetrug in Werne

„Sie hat immer noch Panik“ – Enkelin schildert, wie Großmutter Betrügern zum Opfer fiel

Mitte November hat eine Trickbetrügerin zwei Seniorinnen in Werne an ihrer Haustür abgelenkt, während ein Komplize über die Terrassentüren einstieg und die Damen bestahl. Eine Enkelin erzählt von der Masche.

Am 14. November (Samstag) hat eine Trickbetrügerin zwei Seniorinnen in Werne an deren Haustüren in Gespräche verwickelt, während ein Komplize über die auf Kipp stehenden Terrassentüren in die Wohnung der Seniorinnen einbrach und Schmuck und Bargeld stahl. In beiden Fällen waren die Betrüger ähnlich vorgegangen, wie die zuständige Polizei Unna erklärte: „Die beiden geschädigten Frauen (79 und 92 Jahre) wurden an ihrer Wohnungstür von einer weiblichen Person abgelenkt.“ Die Täter erbeuteten Bargeld und Schmuck.

Nun hat eine Enkelin einer der betroffenen Seniorinnen mit uns gesprochen und den Vorfall geschildert. Auch, um ihre Großmutter zu schützen, möchte die junge Frau anonym bleiben. „Es ging ihr schlecht, so langsam beruhigt sie sich erst, sie hat immer noch Panik.“ Als sich nach dem Vorfall etwa die Fensterputzer ankündigten, sei es ihrer Großmutter lieber gewesen, selber auch zu Hause zu sein. „Sie möchte nicht, dass die Wohnung dann allein ist.“ Ihre Großmutter selber habe nicht mit uns sprechen wollen. „Sie ist schon genug gefragt worden“, auch seitens der Polizei, der Kriminalpolizei und der Versicherung, sagt die Enkelin. Und schildert das Vorgehen der Täter.

Schatten im Schlafzimmer lässt Seniorin aufschrecken

Ihr zufolge habe eine weibliche Person am 14. November am frühen Nachmittag an der Tür ihrer Großmutter um Spenden gebettelt. Wofür, konnte die Enkelin nicht sagen. Aber: „Meine Oma hat sich darauf eingelassen und auch was unterschrieben und wollte 5 oder 10 Euro geben.“ Danach, sagt die Enkelin, verschwimme die Erinnerung ihrer Großmutter etwas: „Sie sagte, sie weiß nicht, ob sie selber abgelenkt war und die andere Person an ihr vorbei ist und die Terrassentür aufgemacht hat.“

Dann habe sich die Person an der Tür verabschiedet und ihre Großmutter habe sich auf den Weg zum Wohnzimmer begeben, schildert die Enkelin. Von dort guckt die Seniorin auf ihre Schlafzimmertür. „Meine Oma hat sich in den Sessel gesetzt und dann hat sie auf einmal einen Schatten gesehen.“ Weil ihre Schlafzimmertür zu war, sprang die Seniorin auf, um der Sache nachzugehen. Als sie die Tür öffnete, habe sich dort noch eine Person halb im Schlafzimmer befunden, die gerade über die „sperrangelweit“ offene Terrassentür flüchtete. „Die Person war noch drinnen und ist dann nach draußen gegangen“, schildert die Enkelin die Erzählung ihrer Großmutter.

Zu wissen, in welcher Situation sich ihre Großmutter befunden habe, sei für sie nicht schön, erklärt die Enkelin. „Man macht sich nur die Gedanken, ob ihr irgendwas passiert ist. Alles anderes ist egal.“ Für ihre Großmutter hingegen sei es nicht so leicht, da die Täter offenbar Schmuck stahlen, der ihrer eigenen Mutter gehört hatte. „Für sie hängen da noch viele Erinnerungen dran“, sagt die Enkelin.

Polizeisprecher Christian Stein: „Ziel ist immer dasselbe“

Für die Polizei im Kreis Unna ist das Vorgehen der Täter kein neues. Auch wenn sie im Kreis derzeit kein gehäuftes Vorkommen in diesem Bereich verzeichnen kann, sei die Masche der Täter immer ähnlich, so Pressesprecher Christian Stein. Mal seien es vermeintliche Spendensammler, mal Amtspersonen wie Polizisten, mal Handwerker. „Das Ziel ist immer dasselbe: Um Geld oder Wertgegenstände zu bekommen, werden immer ähnliche Ablenkungsmanöver gestartet. Unser Tipp: Besuch, den man nicht erwartet, sollte man nicht die Tür aufmachen und schon gar nicht ins Haus lassen. Wenn man die Tür öffnet, sollte man sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen.“

Wer Verdächtiges beobachte, solle bei dem leisesten Verdacht lieber einmal mehr als weniger den Notruf unter 110 anrufen. Denn bei dieser Art von Delikt gehe es auch um Schnelligkeit: „Wenn man ankündigt, dass man die Polizei ruft, sind die schnell aus dem Staub“, so Stein. Denn die Anrufe seien auch für die Polizei eine Hilfe und signalisierten, dass die Bürger wachsam seien.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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