Arbeitskreis Sim-Jü fühlt sich von der Stadt übergangen

mlzSim-Jü

Erst die Absage, dann die Planungen für ein Alternativ-Ereignis: Die Stadt hat in Sachen Sim-Jü viele Gespräche geführt. Den Arbeitskreis Sim-Jü hat sie dabei anscheinend vergessen.

Werne

, 14.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kommt eine Alternativ-Veranstaltung für Sim-Jü oder kommt sie nicht? Nachdem die traditionelle Werner Kirmes Ende August offiziell abgesagt wurde, hieß es von Seiten der Stadt, man denke über ein alternatives Event nach. Coronabedingt freilich in kleinerem Rahmen und unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Dazu müsse man allerdings noch Gespräche führen - vor allem mit den Schaustellern. Das erklärte Ordnungsamtsleiterin Kordula Mertens Ende August auf Anfrage unserer Redaktion.

Viel und intensiv gesprochen hatten Stadt und Schausteller auch, bis man „schweren Herzens“ am 26. August das endgültige Sim-Jü-Aus für das Jahr 2020 verkündete. Doch einen Gesprächspartner hat man dabei anscheinend völlig vergessen: den Arbeitskreis Sim-Jü. Der besteht aktuell aus sieben Personen und ist in der Regel sowohl an der Auswahl der Fahrgeschäfte als auch an der Planung des Ablaufs der Veranstaltung beteiligt.

Arbeitskreis wusste nichts von Planungen der Stadt

„Es gab kein einziges Gespräch mit uns. Wir waren überhaupt nicht involviert. Da hätten wir uns als Gremium schon mehr Beachtung und Beteiligung gewünscht. Das ist wirklich schade“, sagt Jörg Weber vom Arbeitskreis spürbar angefressen. Weder von den Besprechungen, die letztlich zur Absage führten, noch von den Planungen für eine Alternativveranstaltung habe man etwas gewusst. „Wir haben das alles nur per Mail oder aus der Presse erfahren“, so Weber.

Zwischen dem 1. Juli und dem 26. August habe es quasi keine Kommunikation zwischen Arbeitskreis und Verwaltung gegeben. In der ersten Mail sei man über den aktuellen Stand der Coronaschutzverordnung informiert worden - und darüber, dass die Stadt Sim-Jü nach Absprache mit den Schaustellern noch nicht offiziell absagen würde. Das geschah erst mit der Mail vom 26. August. Dazwischen herrschte Funkstille. Und auch danach hat es laut Weber seitens der Stadt „noch nicht einmal eine Andeutung“ hinsichtlich einer Alternativ-Veranstaltung geschweige denn eines Konzepts in Richtung Arbeitskreis gegeben.

„Ich finde es schwierig, angesichts der Pandemie sehenden Auges eine Großveranstaltung zuzulassen.“
Jörg Weber

Umso ärgerlicher ist das, weil die Mitglieder des Arbeitskreises durchaus eine deutliche Meinung in Sachen Kirmes-Alternative haben. Man ist nämlich skeptisch. „Ich finde es schwierig, angesichts der Pandemie sehenden Auges eine Großveranstaltung zuzulassen“, so Weber. Selbst bei einer kleineren Veranstaltung mit weniger als 1000 Besuchern überwiegen beim Arbeitskreis die Zweifel.

„Sim-Jü“ könne man ein solches Event schon mal gar nicht nennen, sagt Weber: „Da weckt man bei den Leuten völlig falsche Erwartungen. Wir sehen so etwas dann auch nicht als Veranstaltung der Stadt Werne“. Wenn schon, dann müsse ein externer Veranstalter her.

Und bevor das geschieht, hätten die Mitglieder des Arbeitskreises schon ganz gerne ein Wörtchen mitzureden. Denn wer wie die Stadtverwaltung Großveranstaltungen plane, für den sei es auch unter Coronabedingungen sicherlich möglich, die sieben Mitglieder des Sim-Jü-Gremiums mit an den Tisch zu holen.

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Veranstaltungsregeln und Planungen der Stadt

  • Große Feste wie eine Kirmes sowie Stadt- und Straßenfeste sind laut Coronarichtlinien von Bund und Land bis zum 31. Dezember 2020 nicht erlaubt.
  • Veranstaltungen und Versammlungen mit bis zu 300 Teilnehmern dürfen stattfinden, wenn Abstände eingehalten und Hygiene-Auflagen erfüllt werden. Ab 300 Teilnehmern ist ein Hygienekonzept notwendig.
  • Ende August hatte die Stadt Werne erklärt, eine alternative Veranstaltung zu Sim-Jü auf einem festen Veranstaltungsgelände mit begrenzter Besucherzahl sei durchaus denkbar. Für die Nachverfolgung von Infektionsketten müssten Besucher dann jedoch ihre Kontaktdaten hinterlegen. Möglich wäre dies etwa durch eine Reservierung vorab oder ein Ticketsystem.
  • Zudem hieß es, man müsse nun schnell handeln - zumal der eigentliche Sim-Jü-Termin (24. bis 27. Oktober), der wohl auch für eine alternative Veranstaltung infrage kommt, immer näher rückt.
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