Trotz Hautkrebs-Erkrankung: Wernerin (39) fordert kein Solarium-Verbot - aber etwas anderes

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Seit der Forderung eines Solarium-Verbots fliegen zwischen Sonnenbank-Gegnern und -Befürwortern ordentlich die Fetzen. Anika Hilsmann (39) erkrankte selbst an Hautkrebs. Und sie hat einen Vorschlag.

Werne

, 23.02.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn’s schon nicht in den Urlaub geht, dann muss halt die Sonnenbank herhalten - für eine schön knackig-braune Haut, einen vermeintlich „gesunden Teint“. Und obendrein ist die Zeit, die man dort in der Röhre verbringt, ja auch noch erholsam. Also Kopfhörer in die Ohren und bei Musik und angenehmen Temperaturen einfach mal entspannen und für ein paar Minuten abschalten - ganz so wie im Urlaub eben.

Anika Hilsmann (39) hatte genau das im Sinn, als sie über Jahre hinweg ein- bis zweimal die Woche für zehn Minuten ins Solarium ging. Hinzu kam die Überzeugung, dass eine UV-Bestrahlung grundsätzlich auch gut für die Gesundheit sein kann. Zum Beispiel, wenn man - wie Hilsmann - unter Neurodermitis leidet.

„Meine Hautärztin hat mir eine UV-Bestrahlung daher 2010 sogar empfohlen“, erinnert sich die Wernerin. Allerdings: Die Empfehlung bezog sich auf eine spezielle Bestrahlung in der Arztpraxis - und nicht auf das entspannte „Sonnetanken“ im Solarium.

Eine gebräunte Haut war der Wernerin früher sehr wichtig - bis sie eine kleine schwarze Kruste auf ihrer Nasenspitze entdeckte. Die Diagnose: Hautkrebs

Eine gebräunte Haut war der Wernerin früher sehr wichtig - bis sie eine kleine schwarze Kruste auf ihrer Nasenspitze entdeckte. Die Diagnose: Hautkrebs © Felix Püschner

Acht Jahre lang war Hilsmann quasi Stammkundin im Sonnenstudio. Bis sie eines Tages eine kleine schwarze Kruste auf ihrer Nasenspitze entdeckte. In etwa so wie ein fieser Pickel, der einfach nicht richtig abheilen wollte. „Das nervte erst nur, aber irgendwann hatte ich das Gefühl, dass etwas nicht stimmt“, sagt Hilsmann.

Sie suchte ihre Hautärztin auf. Die schaute durch die Lupe und stellte relativ zügig eine erste Diagnose: Hautkrebs. Ein Schock für die Patienten, die selbst gelernte Krankenschwester ist: „Spätestens da dachte ich mir, dass ich es wohl übertrieben habe. Ich war aber auch irgendwie erleichtert, weil es zum Glück kein schwarzer Hautkrebs war.“

Nase musste nach Krebs-OP rekonstruiert werden

Der ist bekanntlich aggressiver als sein weißes Pendant. Allerdings musste auch Hilsmanns Hautkrebs entfernt werden - erst recht, nachdem eine Probenentnahme die Diagnose der Ärztin bestätigt hatte.

Doch wer glaubt, mit ein bisschen Abschaben sei die Sache schon aus der Welt gewesen, der irrt sich. Ein Loch in der Größe einer Ein-Cent-Münze klaffte nach der OP in Hilsmanns Nase. Die Nase musste chirurgisch rekonstruiert werden. Noch heute sieht man eine kleine Narbe von der OP.

So sah Anika Hilsmann kurz nach der OP im August 2018 aus.

So sah Anika Hilsmann kurz nach der OP im August 2018 aus. Ein Teil der Nase musste chirurgisch rekonstruiert werden. © Felix Püschner

Und die 39-Jährige ist immer noch ein bisschen wütend. Auf sich selbst, weil sie sich der Risiken der regelmäßigen UV-Bestrahlung im Solarium eigentlich bewusst war. Aber auch auf die aus ihrer Sicht mangelhafte Aufklärung seitens der Betreiber. „In Sonnenstudios werden oft nur die guten Seiten der Bestrahlung suggeriert: Erholung, Entspannung und ein besseres Hautbild. Aber über die Risiken wird man kaum informiert“, sagt sie.

Krebshilfe: Europaweit 800 Tote durch Solarien pro Jahr

Hilsmann stößt deswegen jedoch nicht ins gleiche Horn wie die Weltkrebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Die hatten kürzlich sogar ein bundesweites Verbot von Solarien gefordert. Solarien - so hieß es vonseiten der Organisationen - seien europaweit jährlich für 3400 Fälle von schwarzem Hautkrebs verantwortlich. In 800 Fällen führe die Erkrankung sogar zum Tod.

Der Bundesfachverband Besonnung, der laut eigenen Angaben rund 1200 Sonnenstudios in Deutschland vertritt, wehrte sich gegen diese Forderung. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür - und eine „moderate Solariumsnutzung“ von höchstens 50 Besuchen im Jahr steigere nicht das Risiko einer Erkrankung, hieß es.

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Anika Hilsmann fordert kein Solarium-Verbot. Letztlich müsse jeder selbst entscheiden, ob er sich auf die Sonnenbank legt oder nicht. Aber sie wünscht sich, dass Sonnenstudios mehr in die Verantwortung genommen und Kunden besser aufgeklärt und verbindlich beraten werden. „Beim Arzt muss man für fast alles eine Einverständniserklärung unterschreiben. Warum sollte man das nicht auch bei Sonnenstudios so handhaben“, fragt sie.

Die Wernerin geht heute nicht mehr ins Solarium. Sie legt sich nicht mehr auf die Sonnenbank. Stattdessen setzt sie sich alle drei Monate ins Wartezimmer ihrer Hautärztin. Immer dann, wenn sie einen Termin zur Krebsnachsorge hat.

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