Fast auf den Tag genau vier Jahre liegen zwischen dem letzten Schwimmtag im alten und der Eröffnung des neuen Solebades. Vor dem Eröffnungstermin am 14. April blicken wir zurück.

von Julian Reimann

Werne

, 19.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Kaum hatte sich das Solebad am 13. April 2015 offiziell am letzten Schwimmtag von den (langjährigen) Badegästen verabschiedet, wollte man auch schon den Abriss in die Wege leiten. Auf das neue Solebad sollten die Stadt und die Badbesucher nicht lange warten müssen.

Vier Wochen nach dem Abschwimmen waren bereits die ersten Anzeichen zu sehen, dass es dem alten Bad nun wirklich an den Kragen ging: Die Becken waren leer, ein Bagger hatte die ersten Löcher in den Boden gegraben. Alle Zeichen standen auf Abriss.

Solebad-Rückblick: Kostenexplosion, Sparmaßnahmen und Gerichtsstreit

Die ersten Bagger sind schon da. Sie entnehmen jedoch vorerst nur Bodenproben für die Laboranalyse. © Vanessa Trinkwald (A)

Bevor das zuständige Unternehmen den Außenbereich jedoch abreißen konnte, mussten sie auf die Ergebnisse der Bodengutachten warten. Mit Hilfe von Laboranalysen wurden Schadstoffe im Bauschutt gesucht, um den abgetragenen Boden fachgerecht entsorgen zu können. Ein Prüflabor aus Münster war mit der unvermeidbaren Aufgabe betreut worden. Die Ergebnisse sollten noch ein paar Wochen auf sich warten lassen.

Ärger mit ehemaligen Mitarbeitern vor Gericht

In der Zwischenzeit wurde es hinter den Kulissen erneut ungemütlich. Erstmals hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund seine Kundgebung zum 1. Mai nach Werne verlegt. Gleichzeitig kündigte Verdi an, weiter gegen das Solebad kämpfen zu wollen, wie Verdi-Bezirkssekretär Christian Berger ankündigte: „Die Rechte des Betriebsrates sind mit Füßen getreten worden.“ Er erklärte, sich auch für die Belegschaft des neuen Solebades einsetzen zu wollen, da es noch keinen Tarifvertrag gebe.

Solebad-Rückblick: Kostenexplosion, Sparmaßnahmen und Gerichtsstreit

Zum ersten Mal kam die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am 1. Mai nach Werne. © Jörg Heckenkamp (A)

Auch der Ärger mit den ehemaligen Mitgliedern hielt noch weiter an: Das Amtsgericht Dortmund erklärte die Kündigung eines Schwimmmeister für unwirksam, da die Geschäftsleitung den Betriebsrat nicht ausreichend über das Fortführungskonzept des Hallenbades während der Umbauzeit informiert habe. Nach dem ersten Erfolg eines ehemaligen Solebad-Angestellten vor Gericht, reichten auch mehr als ein Dutzend Ex-Beschäftigte Klage vor dem Amtsgericht ein.

Anfang Juni 2015 kamen die Vorbereitungen für den Abriss langsam voran. Eine Entsorgungsfirma pumpte die zehn Filteranlagen leer – sechs von ihnen wollte man im neuen Solebad einsetzen. Einen offiziellen Abrisstermin konnte die Badleitung allerdings noch nicht vermelden. Schließlich wartete man für die Ausschreibung des Abrisses erst noch auf die Ergebnisse der Bodenproben. Im Betriebsausschuss Bad wollte der Bäderbetrieb jedoch schon mal am 9. Juni 2015 die aktuellen Pläne vorstellen.

Kostenexplosion schockte Badleitung, Politiker und Bürger

Dieses Datum werden viele Werner wohl nicht vergessen. Denn nach dem Ausschuss stand fest: Die Kosten für den Neubau seien um 5 Millionen Euro höher anzusetzen, wie Heinrich Eustrup vom Planungsbüro pbr mitteilte. Die Gesamtkosten beliefen sich nun auf 19,6 anstatt 14,7 Millionen Euro. Wollte man an den zu dem Zeitpunkt bestehenden Entwürfen festhalten, müsste man im Haushalt an anderen Stellen deutlich sparen. Es drohte ein Baustopp.

Die Kostenexplosion war nicht nur ein Schock für die Badleitung und die Stadtverwaltung, sondern sorgte vor allem unter den Wernern für großen Ärger. Wie es weitergehen sollte, wagte kaum jemand einzuschätzen. In einer RN-Umfrage gaben immerhin einige Bürger an, dass sie auf eine Sauna verzichten könnten, um Geld für ein neues Solebad zu sparen. Allerdings glaubten weder Bürger, noch Politiker wirklich daran, den Differenzbetrag von 5 Millionen Euro einsparen zu können.

Streit mit dem Planungsbüro, das Sparvarianten vorschlug

Dennoch rechnete das Planungsbüro pbr einige Sparvarianten durch. Das Ergebnis: Mit zusätzlichen Kosten in Höhe von 3,2 Millionen Euro, plus einer Sicherheitsreserve von 10 Prozent der Gesamtkosten, könnte das Büro das Bad nach den Entwürfen bauen. Die Erhöhung des Kostenrahmens sei laut Kämmerei jedoch nicht mit dem Haushalt und der Finanzplanung in Einklang zu bringen.

Solebad-Rückblick: Kostenexplosion, Sparmaßnahmen und Gerichtsstreit

Auf eine Sauna würden Besucher im neuen Solebad aufgrund der Sparmaßnahmen verzichten müssen. © Helga Felgenträger (A)

Abstriche sowie ein Aufkündigen der Zusammenarbeit mit pbr standen zu dem Zeitpunkt im Raum. Der Grund: Das Planungsbüro hatte bis Mai keine Hinweise auf eine drohende Budgetüberschreitung gegeben. Wie auch immer das weitere Vorgehen aussehen sollte – allen Beteiligten war klar, dass die Diskussion Zeit kosten würde. Je nach Entscheidung bezüglich des Planungsbüro musste der Abriss um drei bis zwölf Monate verschoben werden.

Im Verzicht auf die Sauna sahen viele eine gute Einspar-Variante

Wie auch einige Bürger haben Vertreter von SPD und CDU im Anschluss an die Kostenexplosion einen Verzicht auf die Sauna in Betracht gezogen. Allerdings: Sollte sich ein externer Betreiber finden, wäre eine Sauna durchaus denkbar. Die CDU wollte zudem Schadenersatzforderungen an pbr überprüfen, da man befürchtete, dass das Planungsbüro die ersten Rechnungen beschönigt hatte. Eine Zusammenarbeit mit einem neuen Planungsbüro wollte man auch nicht ausschließen.

Ende Juni 2015 war man sich zumindest vorerst einig, dass ein neues Bad auf jeden Fall kommen sollte. Auf eine Sauna würde man verzichten, eine Erhöhung des Budgets hingegen in Betracht ziehen. Ein Bad der Grundversorgung wurde im Ausschuss am 27. Juni 2015 abgelehnt. Daher war jedoch auch allen Beteiligten klar: Es würde teurer werden und länger dauern.

Solebad-Rückblick: Kostenexplosion, Sparmaßnahmen und Gerichtsstreit

Bei der Ratssitzung am 22. Oktober (hier Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen und Bürgermeister Lothar Christ mit dem Entwurf des Haushaltsplanes) wurde über die Zukunft des Bades entschieden. © Jörg Heckenkamp (A)

Bis Ende Oktober 2015 zogen sich die Diskussionen, an welcher Stelle man sparen könnte, um den Bürgern ein ansprechendes Bad zu präsentieren. Die FDP lehnte Umplanungen und Kostensteigerungen ab und schlug vor, in der Übergangszeit zumindest das Hallenbad wieder für den öffentlichen Betrieb bereitzustellen. Die Partei konnte mit einem Verzicht auf das Solebecken und die Sauna leben. CDU, SPD und Die Grünen setzten hingegen auf das Solebecken sowie auf Familienfreundlichkeit.

Mehrheit sprach sich für neues Bad aus – ohne Sauna

Am 22. Oktober kam dann der Entschluss: Mit großer Mehrheit stimmte der Rat für ein neues Solebad mit Schwerpunkt auf Familien, Sport und Sole sowie einen Verzicht auf die Sauna. Positiv war zu vermerken, dass die Kosten leicht eingedämmt werden könnten und ein Kinderbecken im Außenbereich war weiterhin möglich. Dafür würde sich jedoch die Bauzeit und die Planung verdoppeln – somit könnte das Bad erst 2019 wieder eröffnen.

Einig war man sich auch bei dem Verfahren mit dem Planungsbüro pbr: Die Zusammenarbeit wurde beendet, den Auftrag wollte man an ein neues Büro ausschreiben. Damit sollte es jedoch noch einige Monate dauern, bis der Abriss, der kurz nach der Schließung des alten Bades erfolgen sollte, nun wirklich stattfinden konnte.

Im dritten Teil des Solebad-Rückblicks schauen wir auf die Suche nach einem neuen Planungsbüro sowie den Planungen und Einsparungen für das neue Solebad.

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