Fast auf den Tag genau vier Jahre liegen zwischen dem letzten Schwimmtag im alten und der Eröffnung des neuen Solebades. Vorm Eröffnungstermin am 14. April 2019 blicken wir zurück. Teil 3:

Werne

, 24.03.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Kostenexplosion bei der Planung des neuen Solebades, die ewige Debatte um eine Finanzierung mit möglichen Einsparmaßnahmen und nun auch noch das: Bei der Ratssitzung November 2015 wartet auf die versammelten Mitglieder eine schlechte Nachricht: Das Solebad wird noch teurer. Knapp 800.000 Euro müssten zusätzlich einkalkuliert werden.

Dabei saß allen Beteiligten noch der Schock über die Kostenexplosion im Sommer des selben Jahres in den Knochen. Zwar hatte man sich auf einen Solebad-Entwurf mit dem Verzicht auf eine Sauna einigen können, abgeschlossen war dieses Kapitel damit jedoch noch nicht.

Solebad benötigte weiteren Zuschuss von 800.000 Euro

Zum einen blieb ein Balance-Akt für die Kosten des neuen Bades bestehen. Trotz Einigung auf Sparmaßnahmen benötigte der Bäderbetrieb einen ordentlichen Zuschuss. Die im Herbst 2015 kalkulierten 2,45 Millionen Euro mussten im November des gleichen Jahres noch einmal um 800.000 Euro erhöht werden. Die CDU rechnete jedoch nicht damit, dass die Summe tatsächlich nötig sei.

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Es sei denn, die Stadt hätte das Nachsehen bei den Verhandlungen mit dem Planungsbüro pbr sowie den gerichtlichen Auseinandersetzungen mit den gekündigten Badmitarbeitern. Bereits im Sommer 2015 hatte das Arbeitsgericht Dortmund nach und nach Kündigungsklagen von Ex-Mitarbeitern des Solebades nachgegeben. Begründet wurden die Urteile damit, dass das Konzept für den Weiterbetrieb des Hallenbades nicht ausreichend und arbeitsrechtlich unzureichend gewesen sei.

Ex-Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht erfolgreich

Christian Berger von der Gewerkschaft Verdi zeigte sich mit den Ergebnissen der Verfahren zufrieden. Zusätzlich stellte er einen Acht-Punkte-Plan für die Zukunft des Solebades vor. Darin enthalten waren Forderungen nach einem Rücktritt des Bürgermeisters Lothar Christ sowie der Bad-Verantwortlichen. Außerdem sollte das Bad, so Berger in städtische Hand zurückkehren. Eine Arbeitsgruppe sollte sich mit den Punkten auseinandersetzen.

Sinnbildlich für die Verzögerung der Badplanung: das Außensportbecken, das auch im neuen Solebad bestehen sollte.

Sinnbildlich für die Verzögerung der Badplanung: das Außensportbecken, das auch im neuen Solebad bestehen sollte. © Jörg Heckenkamp (A)

Im November 2015 gingen bereits 13 Kündigungsschutzklagen in die zweite Instanz. Dass der Rechtsstreit mit den ehemaligen Mitarbeitern eine Menge Geld kosten sollte, vermutete auch Verdi. Die Gewerkschaft ging davon aus, dass die Entschädigungszahlungen am Ende der Verhandlungen den Betrag übersteigen würden, die ein möglicher Tarifvertrag bis 2020 gekostet hätte.

Finanzielle Rücklagen für eventuellen Rechtsstreit mit pbr

Neben den Kosten für die gerichtlichen Auseinandersetzungen schlug auch der Streit mit dem Planungsbüro negativ zu Buche. Die Stadt Werne bezifferte am 24. Februar 2016 die Gesamtkosten der fehlgeschlagenen Badplanung auf insgesamt 719.746 Euro. Ob man sich mit pbr vor Gericht treffen würde, war zu dem Zeitpunkt noch unklar. In den Gesamtkosten hatte man aber bereits einen Teil für einen Rechtsstreit mit einkalkuliert.

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Dennoch mussten sich die Stadt und die Badleitung nach einem neuen Planungsbüro umschauen. Bereits Anfang November 2015 hatte man den Wettbewerb neu ausgeschrieben. Einsendeschluss für die Vorschläge war der 4. Dezember 2015. Im Februar des Folgejahres sollte dann das neue Planungsbüro bestimmt werden. Das Ziel laut Frank Gründken von der Solebad GmbH: „Irgendwo zwischen 15 und 17 Millionen Euro müssen wir landen.“

Neues Planungsbüro stellte die Pläne für den Bad-Neubau vor

Im Frühjahr 2016 konnte das Solebad langsam wieder positive Nachrichten vermelden. Im Februar einigte sich die Natur-Solebad GmbH mit den letzten sechs gekündigten Angestellten. Die endgültige Abfindungssumme lag am Ende bei 139.500 Euro. Badleiter Jürgen Thöne stellte den Ex-Mitarbeitern zudem in Aussicht, dass sie sich auch für das neue Solebad bewerben könnten.

Mit diesen Plänen konnte das neue Planungsbüro die Mitbewerber ausstechen und die Badleitung sowie die Stadt überzeugen.

Mit diesen Plänen konnte das neue Planungsbüro die Mitbewerber ausstechen und die Badleitung sowie die Stadt überzeugen. © Geising&Böker (A)

Im Bereich der Planung ging es nach dem Streit mit pbr dann ab März 2016 wieder bergauf. Wurde das neue Planungsbüro erst in einer nichtöffentlichen Ratssitzung vorgestellt, erfuhr die Öffentlichkeit dann am 18. März 2016, wer für die Planung des neuen Solebades verantwortlich sein würde: Das Architekturbüro „Geising+Böker“ mit Standorten in Hamburg und Vechta hatte einstimmig das Rennen gemacht.

Architekt Heinrich Brinkhus stellte noch am selben Tag die neuen Entwürfe im Stadthaus vor. Geplant war vor allem eine große Solewelt mit dreiteiligen Außenbecken, Gastronomie und diversen Aufenthalts- und Ruhemöglichkeiten. Die angedachte Atriumsbauweise sollte den Badegästen ein geschütztes Gefühl geben und die Lärmemissionen zur angrenzenden Wohnbebauung an der Horneburg minimieren.

Der kaufmännische Leiter der Solebad GmbH, Carsten Langstein, erläuterte für interessierte Bürger die Baupläne für das neue Solebad.

Der kaufmännische Leiter der Solebad GmbH, Carsten Langstein, erläuterte für interessierte Bürger die Baupläne für das neue Solebad. © Sylvia vom Hofe (A)

Neben der Solewelt geplant wurden: ein Kleinkind- und Familienbereich, ein Sportbecken mit fünf Bahnen und Sprungturm, der Erhalt und die Sanierung des Außensportbeckens samt Tribüne sowie ein Kinderplanschbecken im Außenbereich. Trotz der Berücksichtigung aller Wünsche blieb das Planungsbüro im finanziellen Rahmen.

Abriss des alten Bades für November 2016 geplant

Bei dem Verkündigungstermin wurden Kosten von knapp 16 Millionen Euro angegeben, in die bereits ein Puffer von ein bis zwei Prozent eingerechnet worden war. „Es darf keine Zusatzwünsche geben, wir müssen uns disziplinieren,“ kündigte Daniela Kersting, Projektmanagerin beim Büro Constrata, in dem Zusammenhang an. Unter keinen Umständen wollte man den finanziellen Rahmen von 15 bis 17 Millionen Euro sprengen.

Die ersten Bauzäune kündigten den nun endlich nahenden Abriss des alten Solebades an.

Die ersten Bauzäune kündigten den nun endlich nahenden Abriss des alten Solebades an. © Jörg Heckenkamp (A)

Wichtig war jedoch zu dem Zeitpunkt erst einmal, den neuen Entwurf vorliegen zu haben, um mit den Vorbereitungen auf den Abriss beginnen zu können. Der sollte noch im Jahr 2016 begonnen und dann bis zum Frühjahr 2017 abgeschlossen werden. Ausgenommen waren dabei nur das Außensportbecken und die dazugehörende Tribüne.

Und noch eine positive Neuigkeit wartete auf den Bäderbetrieb: Das Amtsgericht Dortmund hatte das Insolvenzverfahren der Natur-Solebad GmbH zum 1. April 2016 aufgehoben. Somit war der Weg endlich frei für den Abriss des alten Solebades. Im November 2016 sollten dann die ersten Bagger für den Abriss anrollen.

Im vierten Teil des Solebad-Rückblickes schauen wir auf den Abriss des alten Bades und den sich ankündigenden Neubau.

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