Frank Gründken erklärte am Donnerstagabend (3. Dezember) die wirtschaftliche Lage des Solebad-Betriebs. © Eva-Maria Spiller
Solebad in Werne

Solebad Werne: Corona-Pandemie sorgt für deutliches Minus im Haushalt

Die Corona-Pandemie wird nach aktuellem Stand Verluste von 850.000 Euro beim Solebad Werne verantworten. Für 2021 rechnen die Verantwortlichen mit einem städtischen Zuschuss von rund 2,85 Millionen Euro.

„Wir hatten gehofft, 2020 von einem ersten normalen Geschäftsjahr berichten zu können“, begann Jürgen Thöne, Geschäftsführer der Natur-Solebad Werne GmbH, am Donnerstagabend (4. Dezember) seinen Wortbeitrag im Ausschuss des Bäderbetriebs im Alten Werner Rathaus. „Leider hat uns die Coronasituation da einen Strich durch die Rechnung gemacht.“

Der dritte Quartalsbericht für 2020 schließt mit einem vorläufigen Fehlbetrag von 1,09 Millionen Euro – das sind 10,57 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum 2019. Grund dafür, so lautet es in der Vorlage, seien höhere Abschreibungen und abgebuchte Zinsen von Darlehen aus dem vergangenen Jahr. Gleichzeitig erklärte Jürgen Thöne, dass man mit dem Bäderbetrieb im Rahmen der mit der im Juni vorausgesagten Entwicklungen liege. Im Juni hatte die Stadt eine zusätzliche Finanzspritze für das Bad von 551.810 Euro genehmigt.

Höltmann (SPD): „Weiß gar nicht, was man sagen soll“

Für das Jahr 2020 ist der städtische Zuschuss deshalb von ursprünglich 1,98 Millionen Euro auf 2,53 Millionen Euro gestiegen. Für 2021, so die derzeitige Prognose, werde die Stadt noch einmal mehr – nämlich 2.849.487 Millionen Euro beisteuern müssen. 850.000 Euro davon seien allein Corona geschuldet.

Für 2021 haben die Verantwortlichen mit Blick auf die Pandemie allerdings mit erst einmal geringen Besucherzahlen kalkuliert. Thöne: „Kaufmännisch ist das vorsichtig geplant und eine Prognose. Wir gehen davon aus, dass es deutlich besser wird.“

„2,8 Millionen Euro Verluste: Man kann gar nichts dazu sagen eigentlich“, sagte Ulrich Höltmann von der SPD-Ratsfraktion. „Man weiß, dass es nicht anders geht. Aber es ist schwierig für mich, zu nicken. Es ist gut, dass wir das Bad haben, da müssen wir durch.“ Woraufhin Frank Gründken, Geschäftsführer des Natursolebades, entgegnete: „Da sprechen Sie uns aus der Seele, es tut uns allen in der Seele weh, was wir hier gerade machen.“

Jürgen Regener (CDU) ergänzte: „Das ist eine wahnsinnig hohe Zahl, die uns gegenüber dem Bürger in Erklärungsnot bringt. Außerdem ist das der Worst Case und ich hoffe, wenn das Wetter wieder besser wird, dass die Infektionszahlen dann wieder runtergehen und wir wieder zu vernünftigen Zahlen kommen.“

Thöne hatte den Anwesenden zuvor einen Rückblick auf das zurückliegende Coronajahr gegeben: Am 16. März musste das Bad erstmals aufgrund einer Coronaschutzverordnung schließen. Nach Handlungsanweisungen für einen Pandemieplan konnte zumindest das Freibad am 29. Mai wieder öffnen. „Am 6. Juni hatte sich die Situation so entspannt, dass das das Familienbad und die Funktionsbereiche wieder freigegeben wurden“, so Thöne. Am 3. Juli konnte dann auch die Sole wieder öffnen – alles unter den coronabedingten Zugangsbeschränkungen. Und die spiegelten sich in der Jahresbesucherstatistik, die aufgrund der ausgeweiteten Schließungsanordnung bis in den Januar nun schon feststeht. „Wir haben mit dem zweiten Lockdown deutlich höhere Auswirkungen“, so Thöne.

54 Prozent weniger Besucher von Mai bis November als 2019

Insgesamt haben in 2020 136.354 Menschen das Solebad in Werne besucht, 11.000 davon entfielen auf Vereine, 6000 auf Schülerinnen und Schüler, 35.000 auf Besucher des Familienbades und 78.000 auf Besucher der Sole. Zum Vergleich: 2019 seien von Mai bis November 163.000 Personen ins Solebad gekommen, 2020 seien es im selben Zeitraum 75.000 gewesen – ein Rückgang von 54 Prozent. „Trotzdem, die Gäste, die es nutzen konnten, waren trotzdem dankbar“, sagt Thöne. In der Bäderszene habe sich kein Bad als Spreader, als Verbreitungsquelle für das Coronavirus, hervorgetan, so Thöne.

Derzeit befinde sich das Bad im Standby-Modus, sodass die nötigen Temperaturen eingehalten würden, um die Hygiene im Bad zu gewährleisten und es innerhalb kürzester Zeit wieder hochgefahren werden könne. Aus den Reihen der Ausschussmitglieder regte sich daraufhin die Frage, wie wirtschaftlich dieser Weiterbetrieb aktuell sei, wenn das Bad doch geschlossen sei.

Woraufhin Thöne erklärte, dass es kostengünstiger sei, das Blockheizkraftwerk durchlaufen zu lassen, als es abzustellen. „Ziel ist es, in dem Augenblick, in dem Land oder Bund sagen, dass wir wieder öffnen dürfen, ab dem nächstmöglichen Zeitpunkt wieder aufzumachen“, so Gründken.

Würde man das Bad komplett herunterfahren, benötige man 6 bis 8 Wochen, um es wieder hochzufahren – 2 Wochen alleine dauerte die Überprüfung und Genehmigung der Wasserqualität.

In Sachen Strom sei im November 50 Prozent im Solebad selbst verbraucht worden, der restliche Teil sei ins Stromnetz eingespeist und verkauft worden, so Carsten Langstein vom Solebad.

Über die Autorin
Redakteurin
Gebürtige Münsterländerin, seit April 2018 Redakteurin bei den Ruhr Nachrichten, von 2016 bis 2018 Volontärin bei Lensing Media. Studierte Sprachwissenschaften, Politik und Journalistik an der TU Dortmund und Entwicklungspolitik an der Philipps-Universität Marburg. Zuletzt arbeitete sie beim Online-Magazin Digital Development Debates.
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Eva-Maria Spiller

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