Firmenchef kämpft gegen Abschiebung von Mitarbeiter nach Mali

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Flüchtlingen aus Mali droht die Abschiebung. Einer davon ist Kalilu Keita, Möbelpacker bei der Spedition Pohlmann. Sein Chef will den Mitarbeiter unbedingt behalten – und setzt alle Hebel in Bewegung.

Kamen, Werne

, 01.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Möbelpacker Kalilu Keita aus Werne hat einen sicheren Job bei der Spedition Pohlmann in Kamen. Der 24-Jährige möchte dort bleiben – und das will auch sein Chef Martin Berkenkopf. Doch obwohl sich beide über die gute Zusammenarbeit einig sind, taucht ein Hindernis auf.

Keita wurde in Mali geboren, er flüchtete vor Gewalt aus seinem Heimatland, wie er erzählt. Er zeigt auf seinen rechten Arm und sein linkes Bein mit Spuren von Misshandlungen. 2015 kam Keita als Flüchtling nach Deutschland und stellte einen Asylantrag. Durch eine Zeitarbeitsfirma bekam er Arbeit bei der Spedition, die ihn dann im Frühjahr 2019 einstellte. „Er ist ein zuverlässiger und fleißiger Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Berkenkopf.

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Mali

Mali ist ein westafrikanisches Land mit rund 19,6 Millionen Einwohnern und dreimal so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt ist Bamako. Die politische Lage Malis ist geprägt von den Auswirkungen der Besetzung des Nordens durch islamistische Terrorgruppen im Jahr 2013. Präsident Ibrahim Boubacar Keïta wurde im August bei einem Putsch durch eine Militärjunta abgesetzt. Über die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze.

Keita arbeitet innerhalb der Möbelpacker-Trupps des Unternehmens mit 22 Beschäftigten. Am Mittwoch beispielsweise stand er parat für einen besonderen Auftrag: „Eine Zwangsräumung mit Gerichtsvollzieher“, erzählt Berkenkopf. In solchen Fällen sind auch Ordnungsamt und Polizei oft mit im Boot.

Der staatliche Zwang könnte sich bald gegen Keita richten, wenn er nicht freiwillig ausreist. Denn sein Asylantrag wurde abgelehnt, seine Klage dagegen ist gescheitert. „Ich habe eine Duldung“, erzählt Keita, der Deutsch spricht. Ihm droht die Abschiebung in das westafrikanische Land.

Sein Chef fiel aus allen Wolken, als er vom Scheitern des Asylgesuchs hörte, und sagte Keita seine Unterstützung zu. Berkenkopf ließ sich von der Ausländerbehörde des Kreises Unna die Lage schildern, schrieb an den Dienstherrn Landrat Michael Makiolla (SPD), schaltete den Petitionsausschuss des Landtages ein und kontaktierte Flüchtlingsberatungsstellen.

Er machte unter anderem deutlich, dass Keita unentbehrlich ist und eine Ausbildung zur Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice machen kann. „Der Landrat hat geantwortet, dass die Verfahren abgeschlossen sind“, berichtet Berkenkopf. Immerhin sei Keitas Abschiebung nun zunächst bis Ende November aufgeschoben.

Der 24-jährige Kalilu Keita hat vergeblich gegen die Ablehnung seines Asylgesuchs geklagt.

Der 24-jährige Kalilu Keita hat vergeblich gegen die Ablehnung seines Asylgesuchs geklagt. An seinem Arbeitsplatz ist er gut integriert und möchte gerne bleiben. © Stefan Milk

An einer Ausreise führt wahrscheinlich kein Weg vorbei, aber ein Fünkchen Hoffnung bleibt. „Es gibt vielleicht die Möglichkeit, dass er nach einer freiwilligen Ausreise ein Arbeitsvisum bekommt“, sagt Berkenkopf. Dann könnte er in Kamen die Ausbildung absolvieren. Erschwerend kommt hinzu, dass Keita ohne Papiere nach Deutschland kam. „Das Problem ist, dass er keinen Herkunftsnachweis hat“, so Berkenkopf.

Der Unternehmer telefonierte unter anderem mit der malischen Botschaft in Berlin, die ohne Belege keine Papiere ausstellen könne. Die deutsche Botschaft in Mali habe leider auf eine Anfrage nicht geantwortet. Solange Keita aber keine Papiere hat, darf er nicht abgeschoben werden.

Keine Papiere, keine Abschiebung

Die Ausländerbehörde des Kreises Unna will zwar mit Verweis auf den Datenschutz keine Einzelfälle kommentieren, erklärt aber, dass im Kreis Unna derzeit zwölf Menschen mit malischer Staatsangehörigkeit wohnen. Manche haben Aufenthaltstitel, andere befinden sich im Asylverfahren, weitere haben den Status „Duldung“, wie auch Keita.

Behördensprecher Max Rolke teilt mit: „Sobald Reisedokumente behördlicherseits beschafft worden sind, stehen sieben Personen vor der Abschiebung.“ Das kann aber dauern. 2020 und 2019 wurden bislang keine malischen Staatsangehörigen abgeschoben. 2019 habe es lediglich eine „Rücküberstellung im Dublin-Verfahren“ nach Italien gegeben.

Auto-Führerschein gemacht

Seniorchef Wim Berkenkopf ist ebenfalls überzeugt von dem jungen Mitarbeiter. Keita ist gut integriert in den Betrieb, gerade macht er den Auto-Führerschein. „Die Abschiebung unseres Mitarbeiters wäre unwürdig für ein Land wie Deutschland“, meint Berkenkopf.

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