Erst ins Fettnäpfchen getreten und dann grün und blau geschlagen – daher kommen Sprichwörter

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Wer oft blaumacht, der kann doch nichts auf der hohen Kante haben, oder? Also lieber einen Zahn zulegen, damit am Ende alles in Butter ist. Wir erklären, was hinter den Sprichwörtern steckt.

von Heidelore Fertig-Möller

Werne

, 27.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele alte Sprichwörter sind heute noch präsent – allerdings weiß oft kaum einer, wo ihr Ursprung ist. Sie können sowohl aus der früheren Arbeitswelt als auch aus dem häuslichen Leben stammen, etwa vom heimischen Herd oder vom Schlafzimmer.

So kann man am westfälischen Eichenbett von 1824, das in der Upkammer des Werner Stadtmuseums steht und das vor mehr als dreißig Jahren vom Museumsförderverein für über 20.000 DM angeschafft wurde, noch heute einige gebräuchliche Sprichwörter erklären.

Die Gardinen um das bäuerliche Ehebett herum dienten dazu, etwas Intimsphäre vor den kleinen Kindern, die oft im Eheschlafzimmer in Wiegen schliefen, zu bekommen. Auch konnte so ungestörter eine „Gardinenpredigt“ von Seiten des Bauern oder der Bäuerin gehalten werden, wenn diese zugezogen waren.

Die hohe Kante und der zugelegte Zahn

Das Fach oberhalb des Kopfendes diente dem Bauern für seine persönlichen wertvollen Habseligkeiten: „Er hat etwas auf der hohen Kante liegen“. Und wenn sich am Bett unten am Fußende noch ein hölzerner Kasten befand, so lautete das Sprichwort „Sie hat’ was an den Füßen“, denn dort war das kostbare „Linnen“ der Bäuerin untergebracht, das nur sehr selten benutzt wurde.

An der häuslichen Herdstelle befand sich immer der Kesselhaken, an dem der eiserne Suppenkessel hing. Wenn der Bauer nach Hause kam und die Suppe noch nicht fertig war, so wurde sofort der Spruch laut: „Jetzt leg‘ mal einen Zahn zu!“ Dann wurde der Kessel einen Zacken nach unten gehängt und die Suppe war schneller fertig.

Ein himmlischer Schinken

Über den meisten offenen Herdfeuern in Bauernhäusern gab es den „westfälischen Himmel“, denn dort hingen in den Wintermonaten nach der Schlachtung im Herbst die Mettwürste und die Schinken über dem Feuer, um geräuchert zu werden. Rings um das offene Feuer standen oft kleine Schälchen, die das Fett der Würste auffangen sollten. Da auch hin und wieder Kinder um das offene Herdfeuer spielten, konnte es passieren, dass sie eines der Schälchen umwarfen und „ins Fettnäpfchen traten“.

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Neben dem heutigen Museum – an der Stelle des Museumsgartens – stand bis zum Zweiten Weltkrieg eine kleine Blaufärberei, die ähnlich wie eines der Wärmehäuschen aussah. Gerade in diesem Handwerk gab es viele Sprichwörter, etwa „blau und grün schlagen“, „das blaue Wunder erleben“ und „blau machen“.

Wenn der präparierte Stoff nach mehreren Stunden aus dem Fass mit dem „Papp“ herausgezogen wurde, war er nicht blau, sondern gelblich-grün. Erst wenn Luft an den Stoff kam, wurde er blau. Um mehr Sauerstoff an ihn heran zu lassen, wurden die Stoffbahnen auf sogenannte Reifen gehängt und mit Stöcken bearbeitet („blau und grün schlagen“), danach kam das „blaue Wunder“. Die Blaufärber hatten daraufhin mehrere Stunden Zeit, da der Stoff trocknen musste, sie konnten „blaumachen“.

Alles in Butter auf dem Pferdewagen

Und wie steht es aus mit Formulierungen wie „etwas auf der Pfanne haben“ und „es ist alles in Butter“? Ersteres hat nichts mit der Bratpfanne oder Ähnlichem zu tun, sondern bezieht sich auf den Krieg beziehungsweise auf die alten Steinschlossgewehre, denn bei diesen musste das Schießpulver erst auf die kleine Pfanne gelegt werden, ehe die Kugel in den Schaft gestoßen und der Schuss abgegeben werden konnte.

Wenn „alles in Butter“ war, so bedeutete es, dass viele wertvolle zerbrechliche Dinge früher in Fässern verstaut und dann auf Pferd und Wagen geladen wurden. Dann ging es über die meist sehr holprigen Wege und Straßen zum Bestimmungsort und dabei konnte viel zu Bruch gehen. Deshalb strich man mit Butter die Fässer aus oder ummantelte die Gegenstände sogar mit Butter, um zum Beispiel Porzellan, Glas und ähnlich Zerbrechliches zu transportieren.

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