Rund 150 Aktive zählt die Freiwillige Feuerwehr Werne. Aber reicht das, um die steigende Zahl der Einsätze langfristig stemmen zu können? © Feuerwehr Werne
Feuerwehr

Stadt bezieht Stellung: Braucht Werne eine Berufsfeuerwehr?

Es ist eine Schnapszahl, über die niemand lacht: Zu 444 Einsätzen musste die Freiwillige Feuerwehr Werne 2020 ausrücken. Der Wunsch nach einer Berufsfeuerwehr wächst. Doch wie stehen die Chancen?

Die Aussage von Wernes Feuerwehr-Chef Thomas Temmann wirkte wie eine Anmerkung, die man mal eben so nebenbei fallen lässt. Die mit einer leisen Hoffnung verbunden ist – bei der dem Betroffenen aber selbst klar zu sein scheint, dass die Chancen, sein Wunsch gehe in Erfüllung, eher bescheiden sind. Wenn die Zahl der Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr weiterhin so hoch sei, müsse man darüber nachdenken, hauptamtliche Kräfte einzustellen, sagte der Wehrführer in der vergangenen Sitzung des Ausschusses für Soziales, öffentliche Ordnung, Integration und Inklusion.

444 mal mussten die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Werne, die derzeit 150 Aktive zählt, im vergangenen Jahr ausrücken. Die Marke von 400 Einsätzen wurde erstmals im Jahr 2018 geknackt. Die letzte Schnapszahl ist noch gar nicht allzu lange her. 2015 war das, als 333 Einsätze in der Jahresstatistik standen. Also stolze 111 weniger als 2020.

„Man wird über hauptamtliche Kräfte nachdenken müssen.“

Thomas Temmann
Wehrführer

Aber wie wahrscheinlich ist es denn nun, dass Werne tatsächlich hauptamtliche Feuerwehrleute bekommt – mit anderen Worten: eine Berufsfeuerwehr? Das haben wir Ordnungsdezernent Frank Gründken gefragt. Und der sagt: „Solange wir um das Thema hauptamtliche Besetzung der Wache herum kommen, sind wir froh. Das Damoklesschwert Berufsfeuerwehr schwebt aber schon lange über uns.“ Deutliche Worte, die man aber nicht falsch interpretieren sollte. Denn freilich ist auch der Verwaltung daran gelegen, dass die Sicherheit der Werner Bürger gewährleistet ist.

Das Problem mit der Berufsfeuerwehr sind schlichtweg die damit verbundenen Kosten. „Wir reden dann von einem siebenstelligen Betrag“, erklärt Gründken. Und der müsste komplett mit Mitteln aus dem städtischen Haushalt gestemmt werden. Selbst dann, wenn man nur 20 hauptamtliche Kräfte als Ergänzung zu den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr einstellen würde, käme man auf einen solchen Betrag. Und viel weniger hauptamtliches Personal wäre auch gar nicht möglich: „Wir würden nämlich mit einer Staffel à sechs Leuten und einem Dreischichtbetrieb rechnen.“

„Wir konnten die Einsatzzeiten bislang immer gewährleisten.“

Frank Gründken
Ordnungsdezernent

In dem regelmäßig aktualisierten Brandschutzbedarfsplan, den die Stadt in Abstimmung mit der Bezirksregierung aufstellt, ist festgelegt, welche „Ziele“ bei der Brandschutzbekämpfung erreicht werden müssen. Heißt: in welcher Zeit (Hilfsfrist) die Feuerwehr mit wie vielen Einsatzkräften und Gerät (Funktionsstärke) in wie viel Prozent der Fälle (Zielerreichungsgrad) am Einsatzort eintreffen soll beziehungsweise muss.

Der vorgeschriebene Erreichungsgrad liegt derzeit bei 85 Prozent. Ein Wert, den man laut Gründken bislang stets erfüllt habe. Mit Ausnahme des Jahres 2020, in dem die Corona-Krise bekanntlich auch die Arbeit der Feuerwehrleute erschwerte.

In diesem Gebäude nahe des Stadthauses ist die Freiwillige Feuerwehr Werne heute untergebracht.
In diesem Gebäude nahe des Stadthauses ist die Freiwillige Feuerwehr Werne heute untergebracht. © Felix Püschner © Felix Püschner

Werne hat Ausnahmegenehmigung für seine Feuerwehr

Allein an der Größe der Stadt gemessen, müsste Werne eigentlich schon längst eine Berufsfeuerwehr haben. Dass das nicht der Fall ist, liegt daran, dass die Lippestadt – ähnlich wie andere Kommunen – eine Ausnahmegenehmigung von der Bezirksregierung erhalten hat. „Weil wir die Einsatzzeiten der Feuerwehr bislang immer noch mit den Freiwilligen Einsatzkräften gewährleisten konnten“, erklärt der Werner Ordnungsdezernent.

Ein Grund dafür sei, dass man die ersten Einsatzfahrzeuge stets mit städtischen Bediensteten bestücken könne. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter aus der Werner Verwaltung, die etwa bei Freiwilligen Feuerwehren in anderen Kommunen aktiv sind, aber im Falle einer Alarmierung während der Dienstzeit ihre Kameraden bei der Brandbekämpfung unterstützen können. Und immerhin der Weg vom Stadthaus zur Feuerwache ist schließlich kein allzu weiter.

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Geboren 1984 in Dortmund, studierte Soziologie und Germanistik in Bochum und ist seit 2018 Redakteur bei Lensing Media.
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Felix Püschner

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