Denkmalpflege

Stadtmuseum in Werne: Nicht nur Bausünden sorgen für teure Sanierung

Das Stadtmuseum muss stark saniert werden. Der Architekt gibt einen Ausblick auf Zeitplan und Kosten. „Alles, was man in den 80er-Jahren falsch machen konnte, wurde hier falsch gemacht“, sagt er.
Das Stadtmuseum in Werne muss umfangreich saniert werden - das liegt nicht nur an gewissen Bausünden wie etwa dem Dach der angrenzenden Tiefgarage. © Jörg Heckenkamp

Das, was er im Stadtmuseum in Werne gesehen hat, hatte selbst für den Architekten, der sich schon lange um denkmalgeschützte Gebäude kümmert, Seltenheitswert. Gemeint sind nicht die Ausstellungsstücke, sondern der Zustand des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Gebäudes. Wolfgang Ubbenhorst wurde beauftragt, das einstige Amtshaus unter die Lupe zu nehmen.

Der Architekt aus Münster gab im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung am Dienstagabend (5. Oktober) einen Ausblick auf die aufwendigen Sanierungsmaßnahmen sowie auf mögliche Kosten. Die werden sich nicht nur aller Voraussicht nach im siebenstelligen Euro-Bereich bewegen, sondern die Stadtkasse mit einem erheblichen Eigenanteil belasten.

„Aufbetonierte Tiefgarage ein Sündenfall“

Bei der Begutachtung, die seit Januar erfolgt, seien mehrere, große Probleme zum Vorschein gekommen, so Ubbenhorst. Das betrifft etwa den Sockel des Fachwerks, der durch den Bau der Tiefgarage teils abgesackt ist. Durch den entstandenen Hohlraum kann das Fundament nicht austrocknen, sodass der Experte davon ausgeht, dass der untere Bereich des Sockels beschädigt ist. „Das aufbetonierte Dach der Tiefgarage, die wie eine Schanze aussieht, ist ein Sündenfall“, sagte Ubbenhorst. Der Architekt machte – aus heutiger Sicht – weitere Bausünden fest.

Der Sockel des Fachwerks ist stark beschädigt.
Der Sockel des Fachwerks ist stark beschädigt. © Jörg Heckenkamp © Jörg Heckenkamp

Beim Wandanbau habe man „aus Unkenntnis“ eine Innendämmung installiert. So könne der nicht austretende Dampf für Nässe in den Wänden sorgen. „Die Feuchtigkeit bleibt zu lange in der Konstruktion“, sagte Ubbenhorst. Darüber hinaus sei der Putz zu hart und mit einer dampfabdichtenden Farbe versehen. „Alles, was man in den 80er-Jahren falsch machen konnte, wurde hier gemacht“, so der Architekt weiter.

Nach heutigen Standards würde man derartige Materialien nicht mehr verwenden. Das führt dazu, dass wohl ein großer Teil des Putzes abgetragen und neu aufgebaut werden muss. Mit Blick auf die Außenfassaden sei aber vor allem der Bereich der Tiefgarage „eine Krux, für die man noch keine Lösung gefunden hat. Das wird ein Pflegefall werden“, sagte der Denkmalexperte.

Zwischendecke im Werner Museum ohne Schallisolierung

Im Inneren des Karl-Pollender-Stadtmuseums machte er neben Bewegungsrissen und Putz aus Lehmwickeln und Strohlehm Probleme an der Zwischendecke zum zweiten Obergeschoss aus. Diese sei ohne Schallisolierung verbaut worden. „Da knarrt es in jedem Nagel. So etwas ist mir auch noch nicht untergekommen. Man kann sich da nicht unterhalten, wenn zwei Leute dort oben laufen. Das ist bei einem Museum schon schwierig. Die Nutzung ist sehr eingeschränkt“, erklärte Ubbenhorst. Hier soll eine neue Schalldämmung her.

Im Dach entdeckte er noch offene Stromleitungen. „Das kann auch mal in die Hose gehen“, so der Architekt. Neben einer neuen Unterdachbekleidung sollten auch die Nachtspeicheröfen ausgetauscht werden. Abschließend zählte er noch typische Instandhaltungsschäden an den Fenstern und Türen auf.

Die Frage, ob die Sanierung im laufenden Betrieb erfolgen soll, sorgte für Diskussionen. „Wenn es so gravierende Probleme gibt, ist eine Sanierung dann überhaupt im Betrieb möglich?“, wollte Ferdinand Schulze Froning (CDU) auch mit Blick auf steigende Kosten wissen. „Aus Bau- und Kostensicht ist eine Durchsanierung im leeren Gebäude immer am besten“, erklärte Ubbenhorst daraufhin.

Diese Entscheidung werde man in einem Arbeitskreis, der zur Sanierung des Museums gegründet werden soll, abwägen müssen. „Es sollte gut überlegt sein, ob man das Museum lange schließen will. Es ist ein wichtiger Anlaufpunkt – unter anderem für Schulen“, gab Benedikt Striepens (Grüne) zu bedenken.

So sah das Stadtmuseum mal früher aus. Es bedarf einer großen Sanierung.
So sah das Stadtmuseum mal früher aus. Es bedarf einer großen Sanierung. © Archiv Fertig-Möller © Archiv Fertig-Möller

Klar ist, dass die Sanierungskosten sicher im siebenstelligen Euro-Bereich liegen werden, erklärte Ubbenhorst, ohne bereits konkreter werden zu können. Über die Städtebauförderung gibt es mittlerweile nur noch eine 60-prozentige Förderung der Gesamtkosten statt wie bisher 70 Prozent. Damit die Stadt Werne einen möglichst geringen Eigenanteil aufbringen muss, werde man sich um weitere Fördergelder bemühen, erklärte Planungsdezernent Ralf Bülte. Architekt Ubbenhorst rechnet damit, dass die Sanierung etwa eineinhalb bis zwei Jahre in Anspruch nimmt. Beginn der Arbeiten könnte Anfang 2023 sein.

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