Die Prüfplätze für Fahrschüler zu verringern, hält Falk Rzepka „für völlig sinnfrei“. © Jörg Heckenkamp (A)
Fahrschulen in Werne

Stau bei Fahrprüfungen in Werne: „Es hakt an allen Ecken und Kanten“

Seit Wochen herrscht Terminstau bei den praktischen Fahrprüfungen. Doch auch Termine für die Theorieprüfungen sind schwer zu bekommen. Fahrschüler in Werne warten nun bis zu vier Wochen.

Seit Beginn der Pandemie mussten Fahrschulen immer wieder schließen und konnten nur über Online-Unterricht Theoriestunden machen. Seitdem mussten viele Fahrschüler auf Prüfungen und Unterrichtsstunden warten. „Wegen Corona hat sich das ganze dann sowieso schon 1 1/2 Jahre gestaut. Die Anmeldungen sind ja trotzdem weiter gelaufen“, sagt Thorsten Klemm, Fahrlehrer der Fahrschule Kepp.

Dazu haben sich während der Pandemie-Zeit noch mehr Schüler angemeldet. „Wir könnten viel mehr Schüler zur Fahrprüfung anmelden, aber die Kapazitäten lassen es nicht zu“, sagt Klemm. Auch die Verlängerung der Prüfungszeiten, „spielen eine wesentliche Rolle“, laut Norbert Sträter, Inhaber der Fahrschule Sträter.

TÜV und Dekra ändern Ablauf der Fahrprüfungen

Dadurch können weniger Prüfungen an einem Tag angeboten werden. Die sogenannte „Optimierte Praktische Fahrerlaubnisprüfung“ (OPFEP) ist für die Zeitverlängerung verantwortlich. In einer Pressemitteilung teilte der TÜV Nord mit, dass die OPFEP das hohe Unfallrisiko von Fahranfängern vermindern soll.

Die Verlängerung der Prüfungszeit „sorgt nur dafür, dass die Fahrschüler nervöser sind, wenn sie länger fahren müssen“, sagt Norbert Sträter.
Die Verlängerung der Prüfungszeit „sorgt nur dafür, dass die Fahrschüler nervöser sind, wenn sie länger fahren müssen“, sagt Norbert Sträter. © Andrea Wellerdiek (A) © Andrea Wellerdiek (A)

Dazu haben TÜV, Dekra sowie das Institut für Prävention und Verkehrssicherheit, die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände und die Bundesanstalt für Straßenwesen die Fahrprüfung standardisiert und ausgebaut. Kern der OPFEP ist ein Katalog, der alle Anforderungen zu Fahraufgaben detailliert beschreibt. Dadurch erhält der Prüfling ein ausführliches Feedback und die Fahrschule können bei nicht bestanderem Test besser nachschulen.

Fahrprüfung 10 Minuten verlängert

Die OPFEP gilt für alle Führerscheinklassen. Wegen der Fahraufgaben, dem Feedbackgespräch und der Kompetenzeinschätzung verlängern sich die Prüfungen um 10 Minuten. Die Verlängerung stößt jedoch auf starkes Unverständnis der Fahrschulen.

„Das ist wirklich völlig sinnfrei. In der Corona-Zeit, wo sowieso alles etwas ins Stocken kam, auch noch die Prüfplätze zu verringern, ist wirklich ungünstig“, sagt Besitzer der Fahrschule Falk Rzepka. Dadurch müssten die Fahrschüler nur noch länger auf ihre Fahrprüfungen warten und auch der Stressfaktor sei höher. „Das sorgt nur dafür, dass die Fahrschüler nervöser sind, wenn sie länger fahren müssen“, so Sträter.

„Die Fahrschüler sind sauer“

Ein weiterer Zeitverzug entstehe durch Masken-Pausen. „Nach zwei Prüfungen musste der Prüfer für 15 Minuten eine Masken-Pause einlegen, wodurch sich die Prüfungszeiten nochmal verlängern“, sagt Klemm. Er geht davon aus, dass diese Regel auch die nächsten Monate weiterhin so sei.

Tobias Niedrich (hier auf dem Archivbild mit Vater Jürgen) spricht die Neuregelung mit den Fahrschülern an und stößt „auf Verständnis“.
Tobias Niedrich (hier auf dem Archivbild mit Vater Jürgen) spricht die Neuregelung mit den Fahrschülern an und stößt „auf Verständnis“. © Helga Felgenträger (A) © Helga Felgenträger (A)

Die Situation sei für die Fahrschulen sehr ungünstig. „Die Fahrschüler sind sauer und die Fahrschulen sind natürlich auch nicht glücklich, weil wir leider nicht die Termine anbieten können“, so Tobias Niedrich, Inhaber der Fahrschule Niedrich.

In der Wartezeit auf den Prüfungstermin würden Fahrschüler zudem wichtige Fahrübung verlieren. „Natürlich kann es sein, dass ein Fahrschüler dadurch drei, vier Fahrstunden mehr macht“, erklärt Rzepka. Allgemein müssten die Fahrschulen dadurch Abstände zwischen Fahrstunden verlängern und Termine genauer koordinieren.

Mehr Fahrstunden durch lange Wartezeiten

Bei der Fahrschule Sträter sei dies ähnlich. „Wir verteilen die Fahrstunden mehr, um das aufrechterhalten zu können. Wenn sich die Prüfung dann immer weiter verschiebt, heißt das mehr Fahrstunden“, so Inhaber Norbert Sträter. Deshalb würde es sich laut Sträter nicht lohnen, früher mit Fahrstunden anzufangen, da es am Ende nur teurer werden könnte.

Dazu komme, dass viele Prüfer in den Ruhestand gingen. „Es war lange absehbar, dass viele Prüfer in den Ruhestand gehen. Diese Welle kam jetzt auch noch dazu.“ sagt Falk Rzpeka. Vor allem Prüfer für Busfahrprüfungen oder LKW stünden immer weniger zur Verfügung. „Hier sind in den vergangenen Monaten alleine drei, vier Busprüfer gegangen“, sagt Klemm.

Kündigungsvorhaben von Fahrschülern

Laut Sträter habe der TÜV Nord lange „gezögert und gezaudert“ bezüglich der Ausbildung neuer Prüfer. Allgemein „hake es an allen Ecken und Kanten“, sagt Klemm.

In den meisten Fällen stoßen die Fahrschulen auf Verständnis der Fahrschüler. „Man spricht da offen drüber und bisher stoßen wir auf Verständnis“, sagt Niedrich. Doch teils gebe es auch Streitigkeiten und Kündigungsvorhaben der Fahrschüler. „Es gibt dann auch Leute, die anrufen und drohen, die Fahrschule zu wechseln“, erklärt Klemm.

TÜV Nord nimmt Stellung

In einer Stellungnahme teilte der TÜV Nord mit, dass er im vergangenen Jahr ausreichend Prüfkapazitäten zur Verfügung gestellt habe. Dennoch habe es einen Rückgang bei den Prüfungen um ca. 10% gegeben. Die Gründe der Fahrerlaubnisinteressenten seien den Auswirkungen der Pandemie (Kurzarbeit, Sorge, sich anzustecken etc.) zuzuschreiben.

Zudem seien die Wiederholungsprüfungen (Nichtbestehens-Quoten) gestiegen, wodurch zusätzliche Prüfkapazitäten benötigt werden. Den Effekt der OPFEP habe der TÜV Nord in ihrer Planung berücksichtigt und durch Personaleinstellungen in den Vorjahren bereits berücksichtigt, heißt es.

Prüfer sollen auf Urlaub verzichten

Dennoch führe der gestiegene Gesamtaufwand in der aktuellen Corona-Situation zu einer nicht planbaren Verschärfung. Um den Prüfplatznachfragen trotzdem gerecht zu werden, habe der TÜV Nord zahlreiche interne Maßnahmen ergriffen, um in absehbarer Zeit einen Normalbetrieb zu erreichen.

Dazu schreibt er in einer Pressemitteilung, dass er um Bereitschaft für Mehr-, Samstagsarbeit und Urlaubsverzicht der Fahrerlaubnisprüfer bitte, Personal aus anderen Arbeitsgebieten leihe und bereits genehmigte Urlaubstage verschiebe. Der TÜV NORD betont, dass man alles daran setze, um die Situation schnellstmöglich zu normalisieren.

Mehr Ausfälle wegen Quarantäne

Dementsprechend bittet der TÜV Nord, dass Fahrerlaubnisbehörden, Fahrschulen und Fahrschüler verständnisvoll und solidarisch kooperieren. Dafür habe der TÜV NORD über eine Spezial-Publikation die Fahrlehrerschaft bereits frühzeitig über die Situation und die Auswirkungen informiert.

Zusätzlich habe es eine Online-Veranstaltung zur Information für die Fahrlehrer gegeben. Der TÜV Nord weist zudem darauf hin, dass es immer wieder Corona-Verdachtsfälle gegeben habe unter den Prüfern, da sie durch Prüfungsfahrten mit im Nachhinein positiv getesteten Fahrlehrern oder Fahrschülern in Kontakt kamen.

Prüfungsstau wird vermutlich noch Monate anhalten

Dadurch gab es eine Vielzahl von Quarantänetage. Pro Quarantänetag sind das 8,5 praktische Prüfungen, die zu kompensieren sind. Der TÜV Nord ist dementsprechend sehr froh, dass alle Prüfer daraufhin negativ getestet wurden und sich somit kein Prüfer angesteckt habe.

Dennoch gehen die Fahrschulen davon aus, dass diese Problematik noch lange anhält. „Ich denke das wird noch Monate dauern, bis sich die Lage normalisiert.“ Schließlich sind auch die Theorieprüfungen im Verzug. Manche die ihre Prüfungen beantragen, „müssen jetzt schon bis September warten“, sagt Klemm.

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