Gerade jetzt, kurz vor den Sommerferien, müssen sich die Mitarbeiter des Bürgerbüros Werne oft einiges von genervten Bürgern anhören. © Wilco Ruhland (A)
Ärger im Stadthaus Werne

Stress für die Verwaltung Werne: „Manche laufen hier hochaggressiv auf“

Mehrfach haben wir in den vergangenen Wochen über Unfreundlichkeit in der Verwaltung gegenüber Bürgern in Werne berichtet. Aber es gibt auch die umgekehrten Fälle. Gerade jetzt.

Eine 81-Jährige, die eine Grüne Tonne bestellen wollte und rüde abgefertigt wurde; ein Mann aus Rünthe, dem im barschen Tonfall der Toilettengang im Stadthaus verweigert wurde – das sind Fälle von Unfreundlichkeit in der Verwaltung Werne gegenüber Bürgern in den vergangenen Wochen. Aber es gibt auch die umgekehrten Fälle. Gerade jetzt vor der Urlaubszeit.

Der für Personal zuständige Dezernent Frank Gründken bedauert es sehr, „wenn sich Bürger bei uns in der Verwaltung unfreundlich behandelt fühlen“. Er verweist aber darauf, dass die Mitarbeiter am Konrad-Adenauer-Platz momentan besonderen Stress-Situationen ausgesetzt seien. „Niemand möchte derzeit mit den Kolleginnen und Kollegen im Bürgerbüro tauschen.“

„Hochaggressiv“ in der Verwaltung aufgelaufen

So sei neulich jemand „hochaggressiv bei uns aufgelaufen“, der Ärger mit der Straßenverkehrsbehörde hatte; für die die Stadtverwaltung Werne aber gar nicht zuständig ist. „Aber weil er in Werne Steuern zahlte, dachte er wohl, er könnte seinen Dampf bei uns ablassen“, sagt Gründken.

Doch häufiger sind andere Umstände: Bedingt durch die Beschränkungen der Corona-Pandemie kommt es zu einem Terminstau. Hinzu kommt, dass das Stadthaus wegen einer Software-Umstellung einige Tage geschlossen war. Die gelockerten Corona-Reiseregeln und die bevorstehenden Sommerferien sorgen für zusätzlichen Stress bei den Staatsdienern.

Stress wegen abgelaufener Personalausweise

Gründken erklärt: „Es gibt nicht selten den Fall, dass Bürger jetzt in die Reisevorbereitungen einsteigen und bemerken, dass ihr Personalausweis abgelaufen ist. Wenn sie für die Verlängerung einen Termin buchen wollen, sehen sie, dass sie bis zu vier Wochen Wartezeit in Kauf nehmen müssen und reagieren entsprechend ungehalten.“

Was der Dezernent in diesen Fällen nicht verstehen kann: „Wir schreiben alle Werner Bürger etwa sechs Wochen vor dem Ablauftermin ihres Personalausweises an, damit man genug Zeit hat, um ihn zu verlängern.“ Doch während des Lockdowns kümmerten sich offenbar viele nicht um das behördliche Schreiben.

„Es gibt Fälle, in denen wir die Bürger im September 2020 wegen des ablaufenden Ausweises angeschrieben haben“, sagt Gründken. „Doch sie kommen erst jetzt, kurz vor den Sommerferien und sind dann sauer, wenn sie keinen sofortigen Termin bekommen.“ Den Unmut bekämen dann die Mitarbeiter des Bürgerbüros ab.

Es sei wegen der Software-Umstellung vor einigen Tagen auch nicht möglich, einfach Angestellte aus anderen Abteilungen ins Bürgerbüro zu stecken. „Die kennen sich dann schlichtweg mit dem Programm noch nicht aus.“

Über den Autor
Redaktion Werne
Jeden Tag Menschen hautnah - nichts ist spannender als der Job eines Lokalredakteurs. Deshalb möchte ich nichts anderes machen - seit mehr als 35 Jahren.
Zur Autorenseite
Jörg Heckenkamp

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt