Tafelkunden in Werne kommen (noch) auf ihre Kosten - aber es gibt Einschränkungen

mlzTafel in Werne

Hamsterkäufe führen dazu, dass einige Ausgabestellen der Tafel weniger Lebensmittel für Bedürftige erhalten. Die Werner Tafelkunden sehen das noch gelassen - und haben eine klare Meinung zu Hamsterkäufen.

Werne

, 11.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nudeln, Klopapier, Desinfektionsmittel - inzwischen hamstern die Menschen wegen des Coronavirus‘ schon seit Wochen alles, was man so braucht, sollte man das Haus irgendwann gar nicht mehr verlassen können. In den Supermärkten sind die Regale teils wie leergefegt. Manches kann ein paar Tage später wieder aufgefüllt werden, anderes nicht.

Die Hamsterkäufe haben auch Auswirkungen auf die Ausgabestellen der Tafel im Kreis Unna, wie deren Vorsitzende Ulrike Trümper erklärt. Weil aus den Supermärkten nicht mehr so viel Nachschub kommt, könne man aktuell gut ein Drittel weniger Waren als sonst austeilen. Damit alle neun Ausgabestellen etwas vom Kuchen abbekommen, werden sie nun wochenweise im Wechsel geschlossen.

„Warum sollte ich jetzt 80 Rollen Klopapier und 30 Dosen Ravioli bunkern? Das ist doch albern.“
Eine Tafelkundin

Bei der Werner Ausgabestelle an der Burgstraße stehen am Mittwoch um kurz vor zehn vergleichsweise wenig Menschen vor der Tür. Es sind knapp 30 Leute - von mehr als 100 Berechtigten, die auf der Liste von Tafelkoordinator Dieter Schimmel stehen. Die Nachricht, dass hier jetzt nur noch alle zwei Wochen Lebensmittel verteilt werden, nehmen die Kunden recht gelassen zur Kenntnis.

„Da mache ich mir keine Sorgen, es wird schon keiner verhungern. Außerdem ist die Tafel ja nur ein ergänzendes Angebot. In anderen Regionen gibt es solche Einrichtungen gar nicht. Wir sollten dankbar sein, dass wir so etwas überhaupt hier haben“, sagt einer der Kunden, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Keine Angst vorm Verhungern und dem Virus

Bei der Frage, was er davon hält, dass viele Leute Lebensmittel aktuell zu Hause bunkern, springt ihm seine Nachbarin zur Seite: „Warum sollte ich jetzt 80 Rollen Klopapier und 30 Dosen Ravioli bunkern!? Das ist doch albern. Es kommt doch eigentlich immer etwas nach. Vielleicht sind wir als Tafelkunden aber auch anders sensibilisiert, wenn es um so etwas geht.“ Ob das Hamstern egoistisch von denen ist, die es sich leisten können? „Das kann man bestimmt so sehen - aber ich mache da niemandem einen Vorwurf.“

Die Menschen, die da am Mittwoch an der Burgstraße stehen, haben weder Sorgen vorm Verhungern noch vor dem Coronavirus. „Ach was! Dann hält man eben Abstand, wenn jemand verschnupft ist. So wie sonst auch. Viel schlimmer ist, dass das Revierderby am Samstag ohne Fans stattfindet“, sagt der Mann Mitte sechzig und lacht.

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Während die beiden draußen noch munter weiter plaudern, verteilen Ingeborg Müller und Rita Voigt drinnen schon die ersten Lebensmittel. Milch, Backwaren, Gemüse und Co. landen in den Einkaufskörben der Kunden. Gähnende Leere herrscht in den Regalen erst, wenn alle Kunden versorgt und wieder weg sind. „Wir geben schließlich immer alles raus, was wir haben“, sagt Müller.

Das Angebot ist heute sogar gut, vielfältig und auch reichlich. So dramatisch wie man annehmen könnte, scheint es nicht zu sein - zumindest noch nicht. „Schwankungen hatten wir schon immer von Woche zu Woche. Das kennen wir. Und unsere Kunden kennen das auch. Noch machen wir uns hier in Werne keine großen Sorgen“, betont Dieter Schimmel.

Gerade beim Gemüse sei das Angebot immer auch ein bisschen saisonbedingt. Artikel wie Tomaten und Auberginen sind bei den Kunden besonders begehrt. Ganz anders als bei den Hamsterkäufern im Supermarkt. Und bevor jemand auf die Idee kommt, bei der Tafel nach Desinfektionsmittel und Klopapier zu fragen: Solche Artikel gibt es dort in der Regel nicht. Zufrieden sind die Kunden trotzdem. „Und wenn das der Fall ist, dann sind wir Helfer auch zufrieden“, sagt Schimmel.

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